Warum werden die Kinder getreten und geschlagen?

Jeden Tag ein neues Abenteuer: Seit Mitte September engagiert sich Johanna Robrecht als Freiwillige im ostafrikanischen Uganda in einem der ärmsten Viertel der Hauptstadt Kampala für eine bessere Bildung der Kinder. Ihre Vision: Benachteiligten eine Zukunftsperspektive zu öffnen. Für den SÜDBLICK gibt die junge Rondorferin einen Einblick in ihre Arbeit.

Den anfänglichen Kulturschock habe ich mittlerweile überwunden und mich in der neuen Umgebung gut eingelebt. Und was mache ich hier? Ich bin als Freiwillige in der „Makerere West Valley nursery and primary school“ direkt in Kampala tätig, nur wenig vom Viktoriasee entfernt. Hier werden Kinder von drei bis circa zwölf Jahren unterrichtet. In diesem Projekt habe ich die Möglichkeit, mich ganz für die Bildung benachteiligter Kinder einzusetzen, was mir sehr wichtig ist. Die Schule besteht aus einem Kindergarten und einer Grundschule. Die Jüngsten ab drei Jahre besuchen die Baby-Class. Der Kindergarten hier unterscheidet sich deutlich von einer KITA in Deutschland. Es läuft alles so ab wie in einer Schule, zwischendurch spielen die Kinder auch mal. 

Die Grundschule umfasst sieben Klassen und beginnt bereits um sieben Uhr. In der Lunch Pause um 13 Uhr gibt es jeden Tag „posho with beans“, ein weißer Brei aus Maismehl, der nicht wirklich Geschmack hat, dazu Bohnen. Die Schule selbst ist sehr einfach und bescheiden ausgestattet. In jeder Klasse hängt eine Tafel, das Inventar ist allerdings ziemlich beschädigt, vieles ist einfach kaputt. Die Sitzbänke bieten zu wenig Platz für die Schülerinnen und Schüler. Zum Teil teilen sich sechs Kinder eine Bank, die nur einen Meter lang ist. Es wird ausschließlich frontal unterrichtet. Ich bin größtenteils in der 1. Klasse tätig, ab und zu auch in der 2. Klasse, korrigiere die Hefte, unterstütze die Lehrer und unterrichte.

Ein Thema, was mich jeden Tag aufs Neue belastet, ist, dass die Kinder getreten und geschlagen werden, zum Teil mit Stöcken, aber auch mit anderen Gegenständen, die gerade greifbar sind. Ich habe schon öfters mit den Lehrern darüber gesprochen. Jedes Mal wurde mir deutlich gemacht, dass diese körperliche Strafe zur Kultur und Erziehung in Uganda gehört. Es herrscht die Auffassung, dass die Kinder spüren müssen, was sie falsch gemacht haben. Mir fällt es sehr schwer, das hinzunehmen. Auch wenn mir bewusst ist, dass ich die hiesige Praxis nicht ändern kann, versuche ich dennoch, im Gespräch darüber zu bleiben, mich selber anders zu verhalten, um zu zeigen, dass es anders geht. 

Denn die Kinder sind lebensfroh, herzlich und freuen sich jeden Morgen aufs Neue, wenn sie mich sehen. Ich fahre jeden Morgen etwa 30 Minuten mit einem Boda Boda. Das ist ein Motorradtaxi, das in Uganda üblich ist und es schafft, sich an den stundenlangen Staus vorbei zu schlängeln. Zurück nehme ich meistens ein Matatu, einen Minibus, der 14 Plätze hat; dennoch fahren meistens 20-25 Leute mit. Der Verkehr hier ist ziemlich chaotisch. Morgens und abends scheint für einige Stunden gar nichts mehr zu gehen. Die Hauptstadt mit ihren ca. 1,5 Mio. Einwohnern ist unbeschreiblich laut, von Menschen und Fahrzeugen überfüllt, staubig, chaotisch.

Wo ich wohne? Ich lebe mit einer weiteren Freiwilligen, die auch über die Organisation In Via e.V. entsendet wurde, in einer Gastfamilie in Nansana, einem Vorort von Kampala. Die Familie ist sehr nett. Wir haben jeweils ein eigenes Zimmer mit Bett und Schrank. Abends kocht die Gastmutter immer lecker. Meistens gibt es Matocke, das ist eine Art Kochbanane, die nach Kartoffel schmeckt. Dazu gibt es unterschiedliche Soßen. Ab und zu werden auch echte Kartoffeln gekocht und wenn es richtig gut kommt, gibt’s Nudeln.

Durch unsere weiße Hautfarbe fallen wir hier auf. Oft wird uns „Muzungu“ (Weißer) hinterher gerufen. Manche Menschen wirken fast irritiert, wenn sie uns sehen, und die Kinder versuchen, uns anzufassen, da sie noch nie einen weißen Menschen gesehen haben. Beim Einkaufen fällt unsere weiße Hautfarbe besonders ins Gewicht. Die Preise werden hier immer ausgehandelt, und als Weißer wird zunächst der „Muzungu-Preis“ genannt, der meist doppelt so hoch ausfällt wie der normale Preis. Mittlerweile kennen wir jedoch die ungefähren normalen Preise für alle möglichen Dinge des täglichen Lebens. Wir haben uns auch daran gewöhnt, mit „Muzungu“ angesprochen zu werden. Unsere Gastmutter sagt uns immer wieder, dass dies nicht böse gemeint ist. Die Menschen seien einfach nur erstaunt, weißen Menschen zu begegnen.

Ich bin gespannt, was die Zeit noch bringt. Zugleich freue ich mich über Spenden, die meine Arbeit und somit das Projekt unterstützen. Als Gegenleistung erhält jeder meine Rundbriefe, die ich alle drei Monate versende. Dadurch hat jeder die Möglichkeit, Teil meines Freiwilligendienstes zu werden. Konto: IN VIA e.V. Köln. IBAN: DE 18 3706 0193 0027 1820 11. Bank: Pax Bank; BIC: GENODED1PAX

Verwendungszweck: R91920 vermittelt über Johanna Robrecht

IN VIA Köln e.V. ermöglicht auch die Spendenbescheinigung. 

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