Rondorf Nordwest: Wie geht es weiter?

Fragen an Stadträtin Monika Ross-Belkner 

Ende März hat der Rat der Stadt Köln „grünes Licht“ gegeben für den Bau der seit langem geforderten „Entflechtungsstraße“. Doch die für unser Veedel wichtige Entscheidung fiel in einer Ausnahmesituation. Wegen Corona fand die Sitzung im weiträumigen Gürzenich statt; viele Ratsmitglieder sind als Vorsichtsmaßnahme ferngeblieben, Teilnehmer konnten Atemschutzmasken nutzen. Alle drängten auf Tempo. Stadträtin Monika Ross-Belkner hatte die Aufgabe, dort die Interessen Rondorfs zu vertreten. Dem SÜDBLICK schildert sie eine Sitzung, die sie so schnell nicht vergessen wird. Und antwortet auf die Frage: Wie geht es jetzt weiter?

SÜDBLICK: Für Rondorf sollte der 26.März ein großer Tag werden. Doch Corona überlagerte alles.

Oberbürgermeisterin Henriette Reker kam zu den Beratungen im Stadtrat gerade aus ihrer Quarantäne zurück. Wie haben Sie die Atmosphäre dieser Sitzung ohne Beispiel in Erinnerung?

MONIKA ROSS-BELKNER: Ja, eine historische Sitzung mit eigenartiger Atmosphäre; wenige Menschen in dem übergroßen Gürzenichsaal, der ja sonst als Prunk- und Festsaal dient und vor Leben sprüht. Die Auswirkung der Pandemie wurde mir da erst richtig bewusst! In der Sache selbst empfand ich die Sitzung sehr zielgerichtet, da die häufig unsäglichen und überflüssigen Wortbeiträge und Selbstdarstellungen unterblieben!

SÜDBLICK: Für Rondorf ging es an diesem Tag um sehr viel. Trotzdem wurde die Vorlage zur Entflechtungsstraße ohne jede Debatte in Sekunden „durchgewinkt“. Bleiben da nicht sorgfältige Beratungen auf der Strecke?

MONIKA ROSS-BELKNER: „Durchgewinkt“ ist nicht angebracht. Es ist üblich, dass Verwaltungsvorlagen im Rat ohne Diskussion verabschiedet werden. Die Beratungen dazu finden in den Fachausschüssen statt. Das war auch dieses Mal so. Der Verkehrsausschuss hatte sich vorher intensiv mit diesem Thema befasst. Der Verkehrsausschuss hat einstimmig über alle Parteien hinweg der Vorlage mit Änderungen zugestimmt. Außerdem gab es im Vorfeld umfangreiche Beratungen. Es gab zwei interne Termine für die Politiker und es gab eine gut besuchte Bürgerinformation in der Anne-Frank-Schule.

SÜDBLICK: Was ist aus Ihrer Sicht das wichtigste Ergebnis der Entscheidung für die Rondorfer Bürger?

MONIKA ROSS-BELKNER: Das wichtigste Ergebnis ist, dass wir Wohnungsbau und Verkehrsthematik gekoppelt haben. Wohnungsbau erst dann, wenn die Entflechtungsstraße fertiggestellt ist und das Planfeststellungsverfahren für die Stadtbahn eingeleitet ist. Im Weiteren ist mit dem Erstbezug zumindest ein Stadtbahnvorlaufbetrieb einzurichten und eine Busanbindung an den Bahnhof Hürth-Kalscheuren zu realisieren.

SÜDBLICK: Wie sehen die nächsten politischen Entscheidungen aus?

MONIKA ROSS-BELKNER: Das Projekt Rondorf Nordwest besteht aus unterschiedlichsten Bausteinen wie Entwicklung des Baugebietes, Planung der Stadtbahnlinie, Planung der Entflechtungsstraße, Verlagerung des Galgenbergsees und Planungen der ersten KITA, der ersten Grundschule und der weiterführenden Schule. Diese ganzen Planungen erfolgen in verschiedenen, auf einander aufbauenden und ineinandergreifenden Planverfahren. Hier werden uns zukünftig immer wieder Verwaltungsvorlagen zur Entscheidung vorgelegt. Als nächstes erwarte ich, das man uns die Eingaben der Öffentlichkeitsbeteiligung vom Juli 2018 zur Entscheidung vorlegt und den nächsten Schritt der Bauleitplanung – die Offenlage – einleitet.

SÜDBLICK: Wenn jetzt kommunale Investitionen wegen der finanziellen Folgen der Corona-Krise verschoben werden müssen, verzögern sich dann auch wichtige Infrastrukturmaßnahmen wie die Entflechtungsstraße oder der Bau der versprochenen Schulen und Kindergärten?

MONIKA ROSS-BELKNER: Die finanziellen Folgen der Corona-Krise sind derzeit für die Kommune noch nicht absehbar. Insofern sind Aussagen hierzu vage. Da wir das Projekt Rondorf Nordwest größtenteils mit einem Investor realisieren, erwarte ich keine größeren Verzögerungen, weder bei der Entflechtungsstraße noch bei der KITA noch bei den Schulen. Kita und Schulplätze brauchen wir dringend und haben höchste Priorität. Dazu bin ich mit Stadtplanung und Investor in ständigem Gespräch.

SÜDBLICK: Heiß diskutiert werden derzeit Standort und Ausgestaltung des neuen Marktplatzes als künftigem Ortszentrum, der das Neubauquartier mit dem bisherigen Wohngebiet verbinden soll. Wie ist Ihre Haltung zu dieser Frage?

MONIKA-ROSS-BELKNER: Der Aufstellungsbeschluss zum Bebauungsplan sieht einen Marktplatz mit spezieller Ausgestaltung vor. Dieses Konzept ist den Bürgern 2018 in der Bürgerbeteiligung vorgestellt worden. Ich habe gehört, dass sich die Dorfgemeinschaft mit einer kleinen Gruppe, vorwiegend aus Architekten bestehend, einen anderen Standort wünscht und diesbezüglich mit Investor und Stadtplanung im Gespräch ist. Dieser neue Standort ist außerhalb des Plangebietes und die Grundstücke sind nicht im Zugriff der Stadt bzw. des Investors. Sollte der neue Standort machbar sein, warum nicht! Ich bin allerdings der Meinung, dass man Marktplätze – was das gewünschte Leben darauf betrifft — schlecht planen kann, sondern dass sich Marktplätze im Laufe der Zeit entwickeln. Rondorf hat als Straßendorf keine Erfahrung mit Marktplätzen. Insofern ist ein Marktplatz in jedem Fall ein Novum und wird hoffentlich dann gut angenommen.

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