Prima fürs Klima – Machen Sie unser Wohngebiet grün!

Noch ist einiges zu tun in dem schmucken Haus mit Garten, das Familie Hässler vor zwei Jahren in Rondorf gekauft hat. „Da kommt das Programm der Stadt Köln „Grün hoch 3“ gerade richtig“, freut sich Thomas, der junge Vater von drei Kindern. Denn mit dieser finanziellen Hilfe kann der Bioverfahrenstechniker jetzt nicht nur ein größeres Flachdach, sondern auch einen ehemaligen breiten Betonweg begrünen – und so selbst etwas für ein besseres Klima tun. Wer nämlich Dächer, Fassaden, Flächen an Haus und Hof begrünt, bekommt dafür seit einem Jahr bares Geld aus der Stadtkasse. Die Idee dahinter: Die Bepflanzung sorgt für ein besseres Klima, indem sie schädliches Kohlendioxid aufnimmt – und die Temperatur geht so selbst mitten im heißen Sommer angenehm nach unten. Im SÜDBLICK berichtet Thomas Hässler über seine durchweg positiven Erfahrungen mit dem Programm. Und rät Eigenheimbesitzern: Machen Sie ebenfalls mit!

2018 hatte der Kölner Stadtrat beschlossen, Köln soll grüner und das Stadtklima dadurch besser werden. Deshalb hat das Amt für Umwelt- und Verbraucherschutz im Oktober 2018 das Programm „Grün hoch 3 – Dächer, Fassaden, Höfe“ gestartet. Es soll Hauseigentümer, Mieter, die sich mit ihrem Vermieter abgestimmt haben, ebenso wie Vereine, Initiativen oder kleine Gewerbebetriebe motivieren, private Haus- und Höfflächen zu begrünen. Begrünte Dächer, Fassaden und Innenhöfe kühlen das Gebäude und die Umgebung ganz natürlich durch Verschattung und/oder Verdunstung.

Als finanziellen Anreiz stellt die Stadt drei Millionen Euro bis zum Jahr 2023 bereit. Pro Jahr stehen somit 600.000 Euro zu Verfügung. 50 Prozent der Kosten, maximal 40 Euro pro Quadratmeter und 20.000 Euro pro Antragsteller und Jahr werden bezuschusst. 

Denn Grün hilft dabei, Wasser zu binden. Verdunstet es, zieht dies einen deutlich kühlenden Effekt nach sich. Aber dort, wo es viele bebaute Flächen gibt, steigen die Temperaturen. Beton und Steine nehmen die Sonnenstrahlung nämlich auf und speichern die Wärmeenergie. Es gibt noch einen weiteren günstigen Effekt, wenn Grün Vorrang vor Beton hat: Das Wasser kann besser abfließen, Überflutungsrisiken bei Starkregen werden verringert. Deshalb spielt auch die Entsiegelung von Flächen bei dem Programm der Stadt Köln eine wichtige Rolle – auch dafür kann ein Zuschuss beantragt werden. Das genau hat Thomas Haessler getan, der sich schon früh im Naturschutz engagiert hat. „Dass durch den Garten früher ein breiter grauer Betonweg mit einer Fläche von 30 Quadratmetern geführt hat, hat mir gar nicht gefallen. In Zukunft wachsen da Pflanzen wie Sukkulenten oder Steinkraut!“ berichtet er im SÜDBLICK-Gespräch.

Und auch für die Begrünung des 45 Quadratmeter großen angebauten Flachdaches hat er schon Ideen. Mit der Abwicklung seines Antrages bei der Kölner Stadtverwaltung ist der ehemalige Dresdner sehr zufrieden: „Das lief alles sehr gut. Schon nach fünf Wochen war die Genehmigung da!“

Die Begrünung von Dächern, Fassaden und Innenhöfen gilt bei Experten als wichtiger Beitrag für den Klimaschutz gerade in den hoch belasteten Städten. Denn sie verringert die sommerliche Hitzebelastung, verbessert die Staubbindung und erhöht die Verdunstungskühlung. Durch die dezentrale Zwischenspeicherung von Regenwasser auf Dächern und in entsiegelten, begrünten Höfen wird ein Beitrag zum Rückhalt von Niederschlagswasser vor Ort, eine Steigerung der Verdunstungskühlung und die Schadensminderung von Starkregenereignissen geleistet. Denn begrünte Flächen halten Niederschlagswasser zurück, kühlen die Luft ab und feuchten sie an. Dies ist besonders bei lang anhaltender sommerlicher Hitze wichtig. Die Pflanzen können je nach Regenereignis hohe Mengen an Wasser speichern und in Form von Verdunstung wieder abgeben.

Weitere Vorteile: Begrünte Dächer und Fassaden verbessern die Energiebilanz und die Schalldämmung des Gebäudes. Durch die Bepflanzung erhalt das Gebäude eine “grüne Dämmung”. So kann die Wärme im Winter innen besser gespeichert und im Sommer besser mit Hitzewellen umgegangen werden. Begrünte Flächen wie Dächer, Fassaden oder Höfe können stadttypische Schadstoffe und Stäube aus der Luft filtern beziehungsweise binden und tragen somit zu einer verbesserten Luftqualität bei. Durch die Begrünung des Gebäudes ist es außerdem nicht mehr so stark umweltbedingten Klima- und Witterungseinflüssen, wie zum Beispiel Niederschlägen, Sonneneinstrahlung, Temperaturschwankungen und Wind, ausgesetzt. Der direkte Kontakt wird durch die grüne Schutzschicht verhindert und verlängert somit die Lebensdauer des Gebäudes.

Und nicht zuletzt: Durch die verbesserte Energiebilanz des Gebäudes, die verringerte Niederschlagswassergebühr und die verlängerte Haltbarkeit der Flächen kann Geld eingespart werden.

Alles Vorteile, die offenbar immer mehr Bürger überzeugen. Die bisherige Zahl der Anträge auf Dach- und/oder Fassadenbegrünung oder Entsiegelung zum Zwecke der Begrünung bezeichnet Boris Grob von der Stadt Köln gegenüber dem SÜDBLICK als im Vergleich zu anderen Städten ein „ansehnliches Ergebnis“, die Nachfrage könne durchaus als hoch angesehen werden. Fördergelder können zum Beispiel für den Aufbau einer Vegetationsschicht, die Entfernung von versiegelnden Bodenbelägen, Rankhilfen und bodengebundene Fassadenbegrünungssysteme beantragt werden. Das Fördergebiet, bisher auf einige Stadtregionen begrenzt, soll deshalb generell ausgeweitet werden – aber Ausnahmen sind jetzt schon möglich.

Peter Heinzlmeier, Vertreter aus Rondorf in der Rodenkirchener Bezirksvertretung, möchte angesichts der positiven Erfahrungen erreichen, dass noch mehr Haushalte auf „Grün hoch 3“ setzen: „In unserem Wohngebiet gibt es besonders viele Eigenheimbesitzer, für die dieses Programm der Stadt Köln ein ideales Angebot ist, selbst aktiv etwas für den Klimaschutz zu tun. Ich bin deshalb sehr dafür, dass diese Initiative weiter ausgebaut wird. Auch alle öffentlichen Gebäude wie Schulen, Ämter sollten auf Dach- und Fassadenbegrünung achten. Ebenso könnte die Stadtbahn Rasengleise bekommen und könnten Fahrgastunterstände an unseren Haltestellen eine grüne Bepflanzung erhalten und mehr Flächen ökologisch bewirtschaftet werden. Das ist Umweltschutz, der schnell und nachhaltig wirkt!“ Thomas Hässler und seine Familie sind davon bereits überzeugt.

Rückfragen und Antragstellung: Umwelt- und Verbraucherschutzamt der Stadt Köln

Tel. 0221/ 221 25384 oder 221 3 6164 Email: gruenhoch3@stadt-koeln.de; weitere Infos und Rahmenbedingungen zum Programm: www.stadt-koeln.de/gruenhoch3

Machen auch Sie mit beim Programm „Grün hoch 3“? Oder haben Sie weitere Ideen, eigene Initiativen, damit unser Wohngebiet noch grüner wird? Schreiben Sie Ihre Vorschläge an: 

newsletter@dorfgemeinschaft.koeln 

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