MEINE STRASSE: Reiherstraße, vorgestellt von Mathilde Voss

Siebengebirge oder Rondorf? Ein Bauwagen lockte Mathilde Voss 1978 in die Reiherstraße. Seit 40 Jahren lebt sie jetzt hier. Hier feierte sie auch Ende April ihren Geburtstag. Und lässt sich selbst in Zeiten wie diesen nicht unterkriegen. 

Ich erinnere mich noch gut an das Jahr 1973. In diesem Jahr gab es einen autofreien Sonntag. Diesen Sonntag nutzten wir, um mit öffentlichen Verkehrsmitteln ins Siebengebirge zum Wandern zu fahren. Da wir das Siebengebirge sehr liebten, wollten wir eventuell im Alter auch dort wohnen. Aber schon auf dem Heimweg mit Bahn und Bus wurde uns klar, die Landschaft im Siebengebirge gibt Erholung; diese ist jedoch mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu umständlich zu erreichen.

Unser Heimweg führte uns über die Bussard Straße. Hier stand ein Bauwagen und ein Bauunternehmer bot vier Wohnblöcke an, von denen zwei Blocks in der Bussard Straße und zwei in der Reiherstraße erbaut werden sollten. Da ich bereits seit 1960 in Rondorf wohnte, war mir der Ort gut bekannt. In den Jahren meiner Ausbildung zur Lehrerin hospitierte ich oft in der Volksschule Rondorf und war auch aktiv in der Kirchengemeinde. So war das Betreten des Bauwagens und ein Gespräch mit den Anbietern der Wohnung eine schnelle Entscheidung. 1980 konnten wir einziehen. 

Die Reiherstraße wurde zunächst nur auf einer Seite bebaut. Auf der gegenüberliegenden Seite, die zur Autobahn gerichtet war, gab es zu dieser Zeit eine kleine Siedlung mit Schrebergärten. Daran schlossen sich Getreidefelder an. Von unserem Balkon konnten wir im Frühjahr die blühenden Obstbäume und dahinter die gelb blühenden Raps- und Getreidefelder genießen. Im Sommer feierten die Besitzer der Schrebergärten ihre Feste und frohe Musikklänge ließen uns daran teilnehmen. 

Unser Ort hatte zu der Zeit noch einige Landwirte, die ihre Felder bearbeiteten. Milch, Eier und Gemüse kaufte ich beim Bauern vor Ort. Rondorf war bis in die 80er Jahre ein Straßendorf. Kirche, Schule und eine Poststation bildeten den Mittelpunkt. Nachdem 1968 die Schule bereits am Rande von Hochkirchen neu gebaut wurde (aus der Volksschule entstanden Grund- und Hauptschule) errichtete auch die katholische Kirchengemeinde eine neue Kirche in der Nachbarschaft.

Als ein paar Jahre später die Stadt veröffentlichte, die Felder als Bauland zu nutzen, verschwand in den Jahren 2000 bis 2005 unsere wunderbare Gartenlandschaft; Wohnungsbaugesellschaften errichteten mehrgeschossige Häuser. Anfänglich regte sich in unserer Siedlung noch Widerstand. Aber heute, nach mehr als 20 Jahren, möchte ich sagen, dass die Aufteilung sowohl von Mehrfamilienhäusern und Einfamilienhäusern mit Grünflächen eine gute Wohnparklandschaft darstellen.

Das Zentrum von Rondorf ist in Richtung Hochkirchen immer weitergewachsen. Mit Stadtparkasse, Post, Apotheke, Kirche und Schule bildet die Reiherstraße heute eine gute Tangente. Auch zum Einkaufen ist es möglich, sich als älterer Mensch hier gut zu versorgen.

Nächsten Monat besuchen wir den Waldkauzweg. Wollen auch Sie uns Ihre Straße vorstellen? Wie ist dort der Alltag in diesen Zeiten? Schreiben Sie an: newsletter@dorfgemeinschaft.koeln

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