Meine Straße: Blautannenweg

Vorgestellt von Karin Mühlwitz

Der Blautannenweg in Hochkirchen ist nur etwa 185 Meter lang. Aber hier hat sich die Künstlerin Karin Mühlwitz mit ihrem Atelier ihr kleines Paradies geschaffen. Denn hier kann jeder in ruhiger, freundlicher Atmosphäre die Kunst der Malerei lernen. Die angenehme Stille der kleinen Straße trägt zu diesem kreativen Schaffen das ihre bei. 

Lindenweg, Birkenweg, Erlengrund und Blautannenweg sind die vier Straßen mit einem Baum-Namen. Früher sollen hier tatsächlich Blautannen gestanden haben – so wurde es mir erzählt – gesehen haben wir allerdings keine als wir uns für dieses Grundstück entschieden. 

Blautannen sind stattliche Bäume und eine Zuchtform der Edeltanne – ihre Nadeln leuchten dunkelgrünblau oder ganz hell türkis bis fast weißlich und an manchen Stellen in den unterschiedlichsten Grüntönen von blassgrün über Mai grün zu Moos- und Schwarzgrün. Als Künstlerin mag ich diese Farben und setze sie gerne in meinen Bildern ein. Es lassen sich dunkle kraftvolle oder zarte stille Bilder mit ihnen malen. Mit einer komplementären Farbe ergänzt lässt es diese Farben leuchten. Gerade wegen diesen schönen Farben mag ich den Namen meiner Straße.

Wir wohnen nun schon seit über 25 Jahren hier. Mein Atelier liegt im Souterrain unseres Hauses. Hier gebe ich seit über 20 Jahren Unterricht und es macht mir immer noch riesigen Spaß, mein Wissen weiter zu geben und mit meinen KursteilnehmerInnen Ideen zu entwickeln, um sie dann in Bildern umzusetzen. Oft bleiben Spaziergänger stehen und schauen unserem künstlerischen Treiben zu. Gerne darf man bei mir klingeln und mir über die Schulter schauen. 

Mein Arbeitstag beginnt mit einem Kaffee und dem Blick aus meinem Atelierfenster. Alles okay da draußen – frage ich mich. Es ist ruhig in unserer Straße. Viele sind schon zur Arbeit unterwegs. Schulkinder machen sich auf den Weg oder die Kleinsten werden in den Kindergarten gebracht. Eigentlich müsste ich das angefangene Portrait weiter malen – aber noch habe ich keinen Zugang…. Oft dauert es eine Weile, bis mich die Muse trifft. 

Mein Freund Fritz-Hugo (eine französische Bulldogge) kommt ans Fenster. Er wohnt mir gegenüber und immer, wenn er Gassi geht, muss er zuerst nach mir schauen. Bevor ich ihn nicht begrüßt und gekrault habe, geht er nicht zu seiner Hundetoilette. Dort steht auch Toni – ein großer schwerer Gorilla. Er sitzt seit geraumer Zeit im Beet gegenüber und bewacht unsere Straße. Als wir vor 25 Jahren als sechstes Haus hier gebaut haben, war der Blautannenweg noch unbefestigt. Heute kommt die 185 Meter lange und gepflasterte Straße breit, gut ausgebaut und übersichtlich rüber. Die Grundstücke im Blautannenweg wurden damals von der Stadt Köln angeboten. Bei dem Vergabetermin fehlten einige Bewerber und so konnten wir uns das Grundstück als erstes aussuchen. Uns gefiel es gut, dass wir von Gärten umgeben waren. Hier traf ich auch meinen Klassenkameraden wieder, der sich ebenfalls um ein Grundstück bewarb. 

Hier in der Straße stehen sehr unterschiedliche, freistehende Einfamilien- neben Mehrfamilien-Häusern. Mit unserem Baunachbarn und dessen ersten Mietern verbindet uns eine 25jährige Freundschaft. Seit unser Sohn vor fünf Jahren mit seiner heutigen Frau ausgezogen ist, bewohnen wir unser Haus allein. Unsere Hälfte hat letztes Jahr ein „update“ bekommen und unterscheidet sich jetzt leicht von seinem „Zwilling“. 

Das Baugebiet des Half-Miel-Ringes mit seinen in Pastellfarben gestrichenen Häusern am Ende des Blautannenweg, war noch gar nicht in Planung. Damals sind wir oft mit den Kindern über das Feld in den kleinen angrenzenden Wald gelaufen. Eine schöne Erinnerung daran ist die Geschichte zur 10. Geburtstagsfeier meines Sohnes. Es war der Halloween-Monat Oktober und wir machten mit ihm und seinen Freunden eine Wanderung mit Laternen durch den kleinen Wald und haben ihnen Geschichten vom Ritter Wilhelm von Rundorp erzählt, der gegen die Räuber kämpfte, die hier damals hausten. Unterstützt wurden wir von unseren beiden Nichten, die sich im Wald versteckten und für Gänsehaut-Momente sorgten. 

Heute ist es für mich schön, all die Babys aufwachsen zu sehen, die in unserer Straße geboren wurden. Die Jüngsten sind gerade ein paar Monate alt. Da der Blautannenweg eine Spielstraße ist, wünsche ich mir für all die Kleinen mehr Nachsicht bei den Autofahrern, die unsere Straße als Durchgangsstraße nutzen und oft zu schnell fahren. 

Es klingelt. Meine Nachbarin fragt, ob sie was vom Markt mitbringen soll. Ich habe so liebe Nachbarn. Wir kennen und helfen uns. Wir halten Schwätzchen oder halten uns gegenseitig, wenn es mal nicht so gut geht. Wer kein Auto hat oder wie ich gerade nicht fahren darf, wird mitgenommen oder fährt mit einem der Busse in Richtung Hauptbahnhof oder nach Rodenkirchen. Rewe, Blumengeschäft und Lotto gibt es fast nebenan. In der Tennishalle mit ihren guten In- und Outdoor Plätzen kann man sich sportlich betätigen sowie sich im wundervollen Biergarten nach dem Sport stärken. Im italienischen Restaurant Il Valentino oder beim Griechen Dimi auf der Hauptstraße kann man den Abend bei leckerem Essen verbringen. 

Ja, der Blautannenweg ist meine Heimat, meine Arbeitsstätte, meine Inspiration. Hier lebe und arbeite ich gerne und hoffentlich auch noch sehr, sehr lange. Prost Neujahr! 

Nächsten Monat spazieren wir zwei Ecken weiter und besuchen den Lindenweg. Wollen Sie uns „Ihre Straße“ auch einmal vorstellen? Schreiben Sie an: newsletter@dorfgemeinschaft.koeln

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