Meine Straße: Am Bödinger Hof

Vorgestellt von Birgit Krause

„Auch wenn sich das Beobachten unserer spielenden Kinder draußen derzeit weitgehend erübrigt, wissen wir, dass wir uns immer aufeinander verlassen können, gerade in Zeiten des Corona-Virus. Ein Lächeln von Fenster zu Fenster oder ein Gruß von Tür zu Tür geht immer.“ So sieht Birgit Krause die aktuelle Lage in „ihrer“ Straße Am Bödinger Hof, wo ein Super Miteinander von Groß und Klein die Nachbarschaft prägt. Und zwar nicht nur jetzt.

Unsere kleine Spielstraße ist eine Sackgasse und befindet sich gleich hinter dem historischen Bödinger Hof. Sie wurde als Neubaugebiet 2003/ 2004 bezogen. Ein paar Häuser gab es bis dahin schon – allerdings unter der Straßenbezeichnung Kapellenstraße, am Ende dieser Häuser schlossen sich die Brombeerhecken an – ein Paradies für Vögel und Schmetterlinge und inzwischen ein Kleinod für uns.

Denn es kamen unsere 21 Doppelhaushälften hinzu. Schon nach kurzer Zeit verflog das teilweise vorhandene Heimweh nach dem ursprünglichen Wohnort, denn wir wuchsen schnell zu einer tollen Gemeinschaft zusammen. Wir trafen uns auf der Straße, um unseren Kindern beim Spielen zuzusehen oder sie beim Lernen diverser Fahrgeschäfte zu begleiten – vom Dreirad, über Fahrrad, Inlineskates, Einrad oder Skateboard. Und noch dazu: Hinter unserem Wohngebiet gibt es den Bolzplatz und das kleine Wäldchen, ebenfalls eine schöne Möglichkeit für kindliche Weiterentwicklung.

So entstanden über die reine Nachbarschaft hinaus mit den Jahren sogar echte Freundschaften: Gemeinschaftliches Fußballgucken, nicht nur zur Weltmeisterschaft, gehört dazu, aber auch gemeinsame Theaterbesuche. Die Kleinen lernen von den Großen und manchmal auch umgekehrt. So lässt ein Nachbar den interessierten Nachwuchs an diversen Reparaturen in seiner Hobby-Werkstatt teilhaben. Schön ist es dabei, ein Schwätzchen zu halten oder den Gesprächen der Kleinen zu lauschen. Jeder nimmt jeden, so wie er ist, trotzdem sind wir füreinander da, ob zum Päckchen annehmen (was laut Postboten gar nicht so selbstverständlich ist) oder für die ein oder andere fehlende Zutat, für die gegenseitige Kinderbetreuung oder bei Ausfall der heimischen Waschmaschine. 

In Zeiten von Corona helfen wir uns gegenseitig und bieten unseren Nachbarn noch mehr Unterstützung an, wie zum Beispiel Einkäufe zu erledigen oder Rezepte abzuholen. Inzwischen ist es Tradition, dass wir einmal im Jahr ein Sommerfest in unserer Straße veranstalten. Dabei teilen wir, was die Planung angeht, die Straße in den oberen, mittleren und unteren Teil der Straße ein, so dass nicht immer die gleichen Personen für die Organisation zuständig sind. Am Nachmittag finden Spiele und gemütliches Kaffeetrinken statt, am Abend wird gegrillt und geklönt. Hierauf freuen sich alle schon das ganze Jahr.

Aus dieser Erfahrung heraus haben sich noch mehrere Events herauskristallisiert. Als die Kinder noch kleiner waren, fanden in unserem Haus Nikolausfeiern statt. Jedes Kind wurde zum Nikolaus gerufen und wir alle erfuhren, was sie im Laufe des Jahres so alles richtig und falsch gemacht haben. Mit großer Ehrfurcht näherten sie sich dem Mann im Nikolaus-Kostüm – eine schöne Erinnerung an eine Zeit, dem die meisten Kinder inzwischen entwachsen sind.

Damit aber nicht genug. Wir treffen uns auch zu Halloween in einer der nachbarlichen Garagen zum gemeinsamen Gruseln, Essen und Trinken. Die Kinder ziehen währenddessen verkleidet umher und sammeln Süßes oder Saures. Auch kurz vor Weihnachten gibt es noch mal Gelegenheit für eine inzwischen traditionelle Zusammenkunft: das Glühweintrinken vor unserem Haus. Dabei bringt wieder jeder Anwohner eine Kleinigkeit zu essen mit und wir genießen gemeinsam eine schöne Einstimmung auf das bevorstehende Weihnachtsfest. 

Im letzten Jahr haben wir erstmals etwas Neues ausprobiert: einen Garagenflohmarkt. Im Rahmen der 72-Stunden-Aktion haben wir unsere Schätze aus Garage und Keller zum Verkauf angeboten. Zusätzlich haben wir einen Cafeteria-Stand mit Waffeln und Kuchenverkauf auf die Beine gestellt, dessen Erlös einem sozialen Zweck zu Gute gekommen ist. So konnten wir mit einem nennenswerten Betrag unser Hospiz hier in Rondorf unterstützen. Noch wichtiger fanden wir aber den Spaß, den wir gemeinsam hatten, den Flohmarkt auf die Beine zu stellen und in viele freundliche Gesichter aus der Nachbarschaft zu blicken. Viele Besucher entdeckten unsere Straße dabei erstmals und fanden besonders die Ruhe und das freundschaftliche Miteinander in unserer Nachbarschaft bemerkenswert.

Und noch eine Besonderheit in unserer Straße: Wir schätzen uns glücklich, eine 100-jährige Bewohnerin unsere Nachbarin zu nennen. So konnten wir letzten Oktober mittels Ständchen und Sekt-Umtrunk auf der Straße ihren Geburtstag bei guter Gesundheit feiern. So leben wir hier mit mehreren Generationen und auch mehreren Nationen herrlich zusammen – selbst in so außergewöhnlichen Zeiten wie diesen. 

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