Kölns Baudezernent im SÜDBLICK: So planen wir Rondorf Nordwest

Rondorf Nordwest soll kein reines Wohngebiet werden, sondern auch Geschäfte, Dienstleistungsangebote, Büros und Handwerksbetriebe ermöglichen, um ein vielfältiges Leben und Arbeiten zu schaffen. Dies kündigt Kölns Baudezernent Markus Greitemann in einem SÜDBLICK-Gespräch an und nennt damit erstmals Einzelheiten zu dem vorgesehenen Bebauungsplan. Das ganze Interview lesen Sie hier.

SÜDBLICK: Bisher ist das Großbauprojekt Rondorf Nordwest als reines Wohngebiet gedacht. Wie stehen Sie zu der Idee, flexibler zu bauen, um Arbeiten und Wohnen besser unter einem Dach zu ermöglichen? Gerade die Verlagerung der Mitarbeiter ins Homeoffice in der Corona-Krise verstärkt solche Trends. 

MARKUS GREITEMANN: Bei einem Plangebiet in einer Größe von über 30 ha Bauland und geplanten 1.300 Wohneinheiten macht es keinen Sinn, dieses nur als reines Wohngebiet auszuweisen. Vielmehr ist vorgesehen, dass eine Abfolge von reinen und allgemeinen Wohngebieten sowie Sonder- und Mischgebiete entstehen. Hierbei werden insbesondere die Wohngebiete überwiegend der Wohnfunktion dienen. Aber schon im allgemeinen Wohngebiet sind Läden, Schank- und Speisewirtschaften, die der Versorgung des Gebiets dienenden sowie nicht störende Handwerksbetriebe zulässig. Daneben werden Gemeinbedarfsflächen für Schul- und Kita-Einrichtungen sowie Grün-, Spiel-, Sport- und Freizeitflächen definiert. Es wird einen gesunden Mix aus verschiedenartigen Nutzungsmöglichkeiten geben, um ein vielfältiges Leben und Arbeiten im geplanten Quartier zu ermöglichen. 

SÜDBLICK: Ist es also sinnvoll, den Bebauungsplan so auszurichten, dass in Rondorf Nordwest eine Nutzungsmischung entstehen kann? 

MARKUS GREITEMANN: Wie gesagt ist im Plangebiet Rondorf Nord-West bis zu einem gewissen Grad eine Nutzungsmischung geplant und gewünscht. Der Hauptschwerpunkt wird jedoch im Bereich Wohnen liegen, um dem hohen Wohnraumbedarf in Köln – so auch im Kölner Süden – gerecht zu werden. Ziel der Planung ist es, durch die Aufstellung eines Bebauungsplanes die Voraussetzungen für die Umsetzung eines Neubaugebietes mit circa 1.300 Wohneinheiten zu schaffen. Mit der Entwicklung des Wohnquartiers kann ein wesentlicher Beitrag zur Versorgung der Bevölkerung mit Einfamilienhäusern, Eigentumswohnungen sowie Wohnungen im geförderten Geschosswohnungsbau geleistet werden. Es ist vorgesehen, verschiedene Wohnquartiere zu entwickeln und 30 Prozent der neuen Wohneinheiten als öffentlich geförderte Wohnungen zu errichten. Der Anteil von gefördertem Wohnungsbau beträgt somit circa 390 Wohneinheiten.

Bestandteil des städtebaulichen Planungskonzeptes ist auch ein neuer Quartiersplatz für Rondorf. Die Lage und Gestaltung des Quartiersplatzes war einem dynamischen Planungsprozess unterworfen, der im Zusammenhang mit den Belangen der Dorfgemeinschaft zu planerischen Veränderungen geführt hat. Zunächst war der Platz zentral im Plangebiet angeordnet. Im aktuellen städtebaulichen Planungskonzept wird die Lage nun am Übergang zum bestehenden Stadtteil vorgeschlagen, um die Verbindung zwischen “Alt- und Neu-Rondorf” zu stärken. 

Am Platz sind neben Einkaufsmöglichkeiten in einem Lebensmittelvollversorger auch weitere kleine Geschäfte gewünscht. Neben Dienstleistungsangeboten können hier auch Büroflächen entstehen. Hier werden dementsprechend auch Arbeitsplätze entstehen. Arbeiten und Wohnen enger zu verbinden hat den ökologischen Vorteil, dass das Pendeln vom Wohnquartier außerhalb der Stadt zur Arbeitsstätte deutlich verringert wird.

SÜDBLICK: Auch Arbeiten und Familienleben sind so leichter zu organisieren. Sind das Aspekte, die Sie bei der weiteren Entwicklung des neuen Baugebietes berücksichtigen? 

MARKUS GREITEMANN: Die Auswirkungen einer stärkeren Nutzung von Homeoffice sind derzeit in aller Munde. Erste Erkenntnisse zeigen, dass dies eine gesellschaftliche Aufgabe ist, die nur dann gelingen kann, wenn in den Lebens- und Arbeitsbereichen auch entsprechende räumliche Möglichkeiten vorhanden sind. Die Vereinbarkeit von familiengerechtem Wohnen und dem Homeoffice-Arbeitsplatz sind daher aktuell eher noch als kritisch zu bewerten. 

Um der komplexen Planungsaufgabe dieser Stadtteilerweiterung gerecht zu werden, wurde bereits am Anfang des Projektes eine Projektstruktur eingeführt, die aus mehreren Arbeitsgruppen und einer regelmäßig tagenden Lenkungsgruppe besteht. Es wurden verschiedene Teilprojektgruppen ins Leben gerufen. Es ist vorgesehen, dass das Thema einer stärkeren Nutzung von Homeoffice und der damit verbunden Auswirkung auf die Planung in einer der nächsten Teilprojektgruppen „Städtebau“ zum Thema wird. 

SÜDBLICK: In den Innenstädten würden riesige Bürokomplexe in der bisherigen Form nicht mehr gebraucht, könnten zu Wohnungen und Lofts umgebaut werden und so die Wohnungsknappheit in den Ballungszentren entschärfen. Ist das eine Utopie? 

MARKUS GREITEMANN: Auch wenn diese Fragestellung für Rondorf eher nicht zu stellen ist, möchte ich hierzu eine Antwort geben. Soweit Büroflächen im Stadtgebiet nicht mehr benötigt werden, wird sich die Stadt grundsätzlich der Aufgabe einer Nachnutzung stellen. Dies kann bei geeigneten Standorten auch eine Wohnnutzung sein. 

SÜDBLICK: Ganz konkret: Können Sie sich für Rondorf Nordwest innovative Gebäude vorstellen, die einerseits Büros, Werkstatt, Dienstleistung, Handel zulassen und gleichzeitig fließende Übergänge zu Wohnen und Freizeit? 

MARKUS GREITEMANN: Solche Projekte wurden im Kölner Süden in der Vergangenheit bereits realisiert. Stichwort: EURONOVA – Loft- und Ateliermeile Süd am Zollstockgürtel in Köln-Zollstock. Hier wurde eine Loft- und Ateliermeile in Zentrumsnähe entwickelt, die als flexible Arbeitswelt funktioniert. Ähnliche Einrichtungen sind auch im Plangebiet Rondorf Nord-West denkbar, soweit hierfür eine Nachfrage besteht. 

SÜDBLICK: Welche Ideen haben Sie, dass Rondorf Nordwest nicht ein reines Schlafquartier wird, sondern zur Vitalisierung des gesamten Stadtteils beiträgt? 

MARKUS GREITEMANNEs wird einen gesunden Mix aus verschiedenartigen Nutzungsmöglichkeiten geben, um ein vielfältiges Leben und Arbeiten im geplanten Quartier zu ermöglichen. Darüber hinaus soll mit der Siedlungserweiterung auch die Chance für Rondorf genutzt werden, die vorhandenen Probleme des bestehenden Verkehrsaufkommens regeln zu können. Unmittelbar nach der Fertigstellung der Entflechtungsstraße sind umfassende Verkehrsberuhigungsmaßnahmen für den Ortsteil vorgesehen. Wie genau diese Maßnahmen aussehen werden, wird mit Politik und Bürgern rechtzeitig im Vorfeld diskutiert. Weiterhin ist zu erwähnen, dass für Rondorf ein Anschluss an die Stadtbahn mit mehreren Haltestellen sowie der Ausbau des Radwegenetzes vorgesehen sind. Diese Maßnahmen tragen ebenso dazu bei, dass die Urbanität von Rondorf gefestigt werden kann. 

SÜDBLICK: Wann ist mit der Vorlage des Bebauungsplanes zu rechnen? 

MARKUS GREITEMANN: Die Verwaltung hat den Satzungsbeschluss für den Bebauungsplan Rondorf Nordwest für das Jahr 2023 eingeplant.

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