EINER VON UNS: Christoph Hittmeyer – Auf der Suche nach dem Glück

Er ist Rheinländer mit echt kölschem Gemüt: Fröhlich und herzlich lachend, so begrüßt Christoph Hittmeyer am liebsten seine Mitmenschen. Vermutlich wurde ihm das in die Wiege gelegt. Denn der jüngste von sieben Kindern wuchs in Köln-Longerich auf, wo sich die Närrinnen und Narrhalesen vorzugsweise mit „Lunke Alaaf“ begrüßen. Dass er einmal Pastor werden würde, war längere Zeit keineswegs ausgemacht. Doch genau mit dieser Mission ist er Mitte Juni in Rondorf angekommen. Und freut sich schon jetzt, dort kommendes Jahr beim Straßenkarneval aktiv dabei zu sein.

„Oje, ich hab‘ Sie ganz vergessen!“ Diesen Stoßseufzer gegenüber dem SÜDBLICK mag Christoph Hittmeyer in den letzten Wochen öfter ausgerufen haben, denn der neue Chef der weit verzweigten Pfarrei Heilige Drei Könige ist noch immer mitten im Stress zwischen Umzug und Neustart. Immerhin, der Empfang beim Begrüßungsgottesdienst am 20. Juni war herzlich, einladend, erwartungsvoll. Dennoch kommt viel Arbeit auf ihn zu. Seine größte Baustelle: Der 56jährige übernimmt eine Gemeinde, die im letzten Jahrzehnt stark geschrumpft ist.

Lag der Anteil der Katholiken an der Gesamtbevölkerung im Stadtteil Rondorf im Jahr 2010 mit 4343 Frauen und Männern noch bei 45,6 Prozent, so wurden Ende 2020 nur noch 37,4 Prozent (in absoluten Zahlen: 3497) Konfessionsangehörige gezählt. Seitdem hat sich die Austrittswelle weiter bemerkbar gemacht. Ergebnis: Unter den aktuell 9357 Rondorfern (Stichtag: 31.12.2020) stellen inzwischen Menschen, die weder der katholischen noch der evangelischen Gemeinde angehören, mit 45,3 Prozent die größte „Fraktion“. Die Zahlen aus Godorf, Immendorf, Meschenich, die ebenfalls zum Pfarrverband gehören, weisen ähnliche Trends auf. Da gleichzeitig auch der Anteil der evangelischen Christen in Rondorf in der letzten Dekade von 20,2 Prozent (1926 Personen) auf 17,3 Prozent (1619 Personen) gesunken ist, wünschen sich immer mehr Mitglieder aus beiden Kirchengemeinden, ökumenisch enger zusammenzurücken und mehr gemeinsam zu machen.

Angesprochen auf diesen Punkt, wird Christoph Hittmeyer recht konkret: „Ich werde wohl in Meschenich schon sehr zügig meinem evangelischen Mitbruder begegnen. Es ist eine Freude, dort zukünftig die Kirche zu teilen. Ein Neben- und auch Miteinander ist wichtig“, beschreibt er seine Position. Er steht selbst für gelebte Ökumene, denn er kennt beide Seiten: Seine Mutter katholisch, der Vater, der ihn im Glauben stark prägte, evangelisch, konvertierte später zum Katholizismus.

Hat der neue Chef der Gemeinde Heilige Drei Könige auch ein Konzept, verlorenes Vertrauen in die Kirche zurückgewinnen? Christoph Hittmeyer hat in den letzten zehn Jahren in Pulheim die Ortsteile Stommeln, Sinnersdorf und Stommelner Busch betreut. Von dort geht ihm der Ruf voraus, den Dialog zu suchen und erfolgreich neue Wege zu beschreiten, Gemeindemitglieder stärker an Projekten und Ideen zu beteiligen. Aber jetzt, gerade in Rondorf angekommen, will er erst einmal zuhören, denn „ich bin der Neue, der zunächst was kennenlernen muss“.

Doch eine erste Idee hat er schon: In den Sommerferien will er an Sonntagnachmittagen in einer kleinen Reihe zum “TEE-o-LOGISCHEN” einladen, um beim Tee über ein Thema der Gemeinde zu diskutieren. Die genauen Stichworte stehen noch nicht fest, aber der Bogen soll durchaus weit gespannt sein: Was haben wir Jugendlichen zu bieten? Wie feiern wir Liturgie? Wie erreichen wir Menschen, die was von uns hören möchten? Das wären aus seiner Sicht so einige der denkbaren Fragen. Alle Interessierten sind eingeladen, sich dort auszutauschen. Und darauf ist er schon jetzt ganz gespannt. „Es sind die Menschen, auf die ich mich freue. Denn die unterschiedlichen Lebensläufe und Entwürfe, die verschiedenen Lebensgeschichten interessieren mich immer. Gern lerne ich etwas über die Geschichte und höre gern etwas zu den unterschiedlichen beruflichen Erfahrungen. Da lerne ich selbst immer viel und das freut mich“, beschreibt er selbst seine Erwartungen an die neue Aufgabe im Kölner Süden. Dort wird er künftig mit seinem blauen VW-Bus unterwegs sein und auch so das direkte Gespräch suchen. Umgeschaut hat er sich schon in seinem neuen „Revier“.

In Gedanken ist Christoph Hittmeyer bereits bei der Frage, was sich „nach Corona“ alles ändern wird. Seine Antwort ist knapp und klar: „Zurück geht´s nicht mehr, zumal nach den letzten Wochen, Monaten in unserem Erzbistum.“ Dann fügt er noch hinzu: „Die Dinge, die wir tun, müssen wir mit Herz und Verstand tun.“ Er denkt zum Beispiel an Aktivitäten im Jugend- und Kinderbereich, „damit Gemeinschaft wieder möglich ist“. Oder die grundsätzliche Herausforderung, „ansprechende Wege zu finden, Menschen wirklich wesentliches an die Seite stellen zu können“. Da gilt für ihn die Überzeugung: „Nur der Begeisterte kann begeistern!“ 

Hat er dafür auch ein Lebensmotto? „Nein“, meint der passionierte Wanderer, „Kein Lebensmotto, dennoch halte ich viel davon, Glück zu suchen, jedoch nicht nur das eigene Glück, wir können uns oft helfen bei der Suche“. Und wie lautet seine Lieblingsstelle aus der Bibel? „Früher hätte ich andere Stellen genannt, aber mittlerweile ist der barmherzige Vater, der Samariter und auch Paulus mir wichtiger geworden. Aber die Bibel überrascht mich immer wieder, denn in verschiedenen Lebensmomenten eröffnen sich die unterschiedlichsten Bibelstellen, möge sie noch so bekannt sein, ganz neu“, lautet seine persönliche Erfahrung.

Bevor er sich für die Theologie entschied, studierte Christoph Hittmeyer zunächst einige Semester Mathematik und Betriebswirtschaft. „Aber dieses Wissen ist langsam versickert“, räumt er schmunzelnd ein. Dafür hat er ein neues Talent entdeckt: „In der Pandemie habe ich begonnen, meiner Mischlingshündin Suzi die Haare zu schneiden, vielleicht tauge ich als Hundefriseur…“ Weitere Hobbies? „Ich mag Lyrik und Hörbücher“, gibt er im SÜDBLICK-Interview zu Protokoll.

Und dann sind wir auch schon wieder bei seiner echt kölschen Herkunft. „Karneval geht immer, wenngleich ich wohl am Besten für den Straßenkarneval tauge. Ich mag die Umzüge“, schwärmt er. Aber dann macht er doch eine Einschränkung: „Ich singe gern, aber – so sagen es meine Schwestern – nicht schön. Eigentlich singe ich gern Karnevalslieder, aber auch Kirchenlieder.“ Dass er ein Mann mit viel Humor ist, spürt man gleich. Worüber also amüsiert er sich am liebsten? „Ich lache gern und über viele Dinge und auch Missgeschicke, vor allem eigene.“ 

Ganz zum Schluss verrät er uns dann auch noch eine persönliche Schwäche: „Manchmal nasche ich zu viel!“ Schnell fügt er hinzu: „Aber Fehler gehören zum Leben und somit ist´s schon okay. Manchmal wünschte ich mir nur, wir würden mehr zu ihnen stehen!“ Von dem erfolgreichen Basketballspieler Vladimir Kadlec hat er gelernt, aus Schwächen Stärken zu machen. Und so gibt er zum Schluss noch den guten Rat mit: „Keine Furcht vor der Schwäche, lern damit zu leben!“ 

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