Die Wüste lebt. Endstation Gambia.

SÜDBLICK-Leserin Kathrin hat es geschafft. Auf ihrer spektakulären Benefiz-Rallye durch acht Länder und quer durch die afrikanische Wüste Afrikas ist die Rondorferin Ende November nach 6.619 Kilometern mit ihrem gebrauchten Honda in Banjul in Gambia angekommen. Ihr Ziel: Sie will dort helfen, ein Projekt für Frauen aufzubauen.  Lesen Sie ihren Bericht über Glücksgefühle, Erschöpfung und unerwartete Erlebnisse auf ihrer Abenteuertour  durch den schwarzen Kontinent.

In Tangier in Marokko hat mein Afrikaabenteuer angefangen – nach einem halben Jahr intensiver Vorbereitung. Nachdem ich aus dem Hafen rausgefahren bin, hat Afrika unser Team sogleich mit starkem Wind und Regen begrüßt. Und ich bin sofort in eine Polizeikontrolle geraten, die waren aber sehr nett und der Polizist hat sich eigentlich mehr für die Rallye interessiert. Im Zentrum von Tanger angekommen, habe ich dann die volle Dröhnung afrikanisches Verkehrschaos erlebt, die Fahrt zu einem bewachten Parkplatz war abenteuerlich.

Weiterfahrt nach Sidi Kaouki: Leider hat sich an meinem Rallyeauto ein bereits vorhandenes Klopfgeräusch vorne links verstärkt. Welche ein Glück, dass ich in Casablanca mehr oder weniger bei einem Honda Autohaus vorbeigekommen bin. Trotz anstehenden Feierabends haben sie sich überreden lassen, sich mein Auto mal anzuschauen. Beim Reinfahren in die Werkstatt hat der Mechaniker fast meine Dachkonstruktion runtergeholt. Dann haben sie nach ausgiebigen Tests einen defekten Verbindungsstabilisator diagnostiziert; ich habe mich  entschieden, weiterzufahren, da sie es erst am nächsten Tag reparieren könnten und ich keine Zeit verlieren wollte. Nach  150 Kilometern unbeleuchteter Landstraße mit Eselkarren und Fußgängern endlich am Tagesziel.

Es folgt die Etappe Sidi Kaouki – Tiznit: Ich werde von  Eslesgeschrei geweckt, Strom und Bad gibt es nicht – so kann ich schon mal für die Wüste trainieren. Mein Gastgeber Mohamed  bringt mit mir das Auto in eine Werkstatt seines Vertrauens. Die Reparatur klappt. Und ich tausche solange  meine 147PS gegen 1 PS  und kann am Strand ausreiten. Traumhaft. Auf der Weiterfahrt habe ich mich leider in einer Steinwüste verirrt. Im Auto hörte ich ein Zischen … der linke Vorderreifen hatte bei diesem Manöver gelitten. Also kurzerhand Radkreuz und Wagenheber rausgeholt sowie Ersatzrad. Zum Glück hat dann auch schon ein netter Marokkaner angehalten und mir geholfen. Er hat zwar etwas rumgeschimpft, aber am Ende war mein Rad gewechselt.  

Am nächsten Tag e geht es weiter nach Bou Jerif: Knappe hundert Kilometer, die es  in sich haben: 

Schotterpiste, ausgefahrene Trampelpfade und ein trocknes Flussbett. So konnte ich mein Allrad mal richtig nutzen. Weiterfahrt in die Westsahara.  Inzwischen sind auch ein paar News der anderen Rallyeteams durchgetröpfelt. Viele hat es leider in das Atlasgebirge verschlagen.

Mich erwarten immer mehr Sandverwehungen. Kamele und Ziegen kreuzen die Straße. Da die Tankstellendichte auch immer geringer wird, befülle ich den ersten Ersatzkanister. Am Abend wollten wir am Meer campen.  Als wir gerade dabei sind, unser Lager aufzubauen, kommt ein Polizist und meint, es wäre zu gefährlich dort zu nächtigen. Im Ort bietet uns ein alter Mann seine Wohnung an – und ein Fladenbrot. Duschen können wir im Waschraum der Moschee. Für mich ist der Honda das erste Mal mein Nachlager.

Dann haben wir fast Halbzeit, Etappe zehn steht an. Entgegen aller Erwartungen hat der Muezzin von der Moschee, vor der wir genächtigt haben, erst um halb acht zum ersten Gebet gerufen. Da waren wir schon längst am Zusammenpacken. Was mir bei der Weiterfahrt auffällt, sind die 

 vielen zerfetzten Autoreifen am Straßenrand.

 In Dakhla (Kitesurfern sollte diese Stadt bekannt sein) erkundige ich mich zum ersten Mal, wieviel mein Auto bei der geplanten Auktion zugunsten des Hilfsprojektes bringen würde.  Ein Marokkaner meinte, der lokale Marktwert wäre so 7000 Euro, da es ja “kaum” Kilometer hätte (derzeit nur gut 145.000km). Andere unserer Autos hatten schon ein paar Wehwechen, aber niemand muss zurückbleiben.

Dann geht es auf nach Bir Gandouz. Briefing für die Wüste und Besprechung für den Grenzübertritt mit allen Rallyefrauen und – Männern.  Hierfür haben wir uns alle auf einem Campingplatz getroffen. Bei der Ausfahrt hat der Platzwart das Geschäft seines Lebens gewittert und wollte von allen Autos 50 Dirham (5 Euro) Gebühr.  Als die meisten sich geweigert haben, verrammelte der Campingplatzwart, ein Schwarzafrikaner, das Ausfahrtstor und fast hätte es eine Schlägerei gegeben. Er hatte schon eine Art Peitsche in der Hand und bereits eins unserer Autos geschlagen. Die meisten haben dann bezahlt. Ich bin mit nur 20 Dirham “davongekommen”. 

Dann weiter Richtung Bir Gandouz, rund 100 Kilometer vor der mauretanischen Grenze. Kaum  Verkehr, wilde Dromedare stehen am Straßenrand und fressen die kargen Wüstengräser. Der  Grenzübertritt dauert rund acht Stunden; zwischen Marokko und Mauretanien liegt ein Stück Niemandsland , das von der UN kontrolliert wird. LKWs warten teilweise Wochen auf ihre Einreise. 

Ab jetzt begleitet uns auch Polizeischutz: Zwölf  Jungs in zwei  Toyota Pickups mit Maschinenpistolen. Wir fahren 150 Kilometer im Konvoi auf wirklich schlechter chinesischer Teerstraße. Nach einer  Stunde Wüstenfahrt hat leider der erste Kühler schlapp gemacht. Bei Sonnenuntergang haben wir unser Camp aufgeschlagen. Der Sternenhimmel ist in der Wüste einmalig. Einfach nur wow! 

Der nächste Wüstentag beginnt  mit einer Fahrt in grenzenlose Weite. Mein lieber Honda hat es  super gemeistert und sich gut durch jeden Boden gewühlt. Es ist nicht immer ganz einfach, eine gute Mischung zu finden zwischen einerseits genügend Geschwindigkeit, um nicht einzusinken und andererseits nicht bei eventuellen Bodenwellen abzuheben. Einige Male bin ich ganz schön hin und her geschleudert und auch fast gesprungen. Zum Glück ohne Verluste.

In Mauretanien erkennt man leider an jeder Ecke, dass dies eins der ärmsten Länder der Welt ist. Es gibt sehr viele Bettler auf der Straße. Auch das Angebot bei Geschäften ist sehr eingeschränkt. Nach einem Tag Aufenthalt in der Stadt geht es nun weiter auf die letzten Etappen über den Senegal nach Banjul in Gambia. Ich bin gespannt, was uns dort erwartet. Denn unser Ziel ist es ja, die Rallyeautos zu versteigern. Das Geld fließt am Zielort in Banjul in Gambia  in ein Projekt, das mir   ganz besonders am Herzen liegt: Der Sukuta Womensgarden ist eine Kooperation, in der Frauen Gemüse anbauen, welches sie später auf dem Markt verkaufen. Dies ermöglicht den Frauen ein eigenes Einkommen und trägt zum Unterhalt der kinderreichen Familien entscheidend bei. Gerade Frauen eine eigene wirtschaftliche Perspektive zu ermöglichen, ist mir wichtig. Und dafür hat sich das Rallye-Abenteuer gelohnt! 

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