EINER VON UNS: Burkhard Bechtel

Auch wenn die Formel Eins jetzt wieder an den Start geht: Für den Rennsportexperten Burkhard Bechtel ist seit der „Corona-Krise“ nichts mehr so wie es war: „Es gibt Dinge, die sind wichtiger als mit Vollgas über die Kerbs des Lebens zu ballern oder als Erster ins Ziel zu kommen“. Dies sagt ein Mann, der immer gerne Vollgas gibt. Denn Burkhard Bechtel aus Hochkirchen ist Stimme und Produzent des populärsten Markenpokals im deutschen Rennsport. Seit 30 Jahren liefert er rund um die Welt die Livebilder und Reportagen des Porsche Carrera Cup Deutschland. Doch jetzt heißt es für ihn plötzlich: Boxenstopp. 

Burkhard Bechtel ist es gewohnt, mit seinen mehr als 30 OnBoard-Kameras immer hautnah dran zu sein an den heißen Reifen des rasanten Porsche 911 GT3 Cup. Egal ob Frontlippe, Spiegel oder Heckspoiler – die kleinen Kameras verfolgen live jede kleinste Drehung auf dem Asphalt. Ob aktuelle TV-Bilder und Livestreams, spannende Instagram-Stories, schnelle Facebook-Posts, Infos per Twitter oder YouTube – hinter allem steht „bbe“, so sein Kürzel. „Wir liefern alles rund um das Renngeschehen bis hin zu spannenden Hintergrundberichten aus dem Fahrerlager“, erzählt er im SÜDBLICK-Gespräch. Im letzten Jahr kamen so mehr als 100 Videos für die verschiedensten Kanäle zustande. Kaum eine Social-Media-Plattform, auf der er nicht präsent ist. Die wachsende Popularität der Rennserie ist nicht zuletzt sein Verdienst. Der Startschuss fiel 1990 im belgischen Zolder. Mehr als 300 Rennen wurden seitdem ausgetragen. 

Aber jetzt ist plötzlich „Boxenstopp“ für den Rennzirkus. Corona legt selbst die schnellsten Männer der Welt lahm. Und jetzt? Wie geht es weiter? „Im Augenblick schlicht und einfach gar nicht. Die Welt der großen Sportereignisse ist nahezu komplett zusammengebrochen; und die des Motorsports nahezu restlos“, bilanziert der 64-Jährige. Und wie verändert dies alles seinen Blick? Auch hier kommt ein klares Bekenntnis: „Ganz deutlich! Dreißig Jahre lang hat der Rennsport das Leben meiner Familie und meins nahezu komplett in Beschlag genommen. 24 Stunden an sieben Tagen die Woche war von März bis Oktober unser Arbeitsrhythmus. Plötzlich muss ich nun zwangsweise erkennen, dass der Motorsport nicht der Nabel der Welt ist“. 

Doch haben dies alle sofort verstanden? „Auf gar keinen Fall. Es gab viele Kollegen, die das eher harmlos gesehen haben. In vier Wochen fahren wir wieder! war zum Beispiel ein immer wieder gehörter Satz. Mittlerweile ist aber wohl jedem Kollegen klar, dass sich unsere TV-Welt vermutlich auf Monate, wenn nicht sogar Jahre verändern wird“, sagt der Sportkenner ganz offen. Um die Zukunft macht er sich deshalb große Sorgen: „Rennfahren ist letztendlich auch ein Beruf, bei dem das sportliche wie das wirtschaftliche Ergebnis stimmen müssen. Fahrerinnen und Fahrer müssen von den Einnahmen des Sports leben. Für sie alle beginnt gerade eine neue Welt“.

Und das gilt aus seiner Sicht für alle großen Sportereignisse – egal, ob Bundesliga, Olympische Spiele, Europameisterschaften. Denn: „Sport ist Emotion. Sport braucht die Menschen, die ihnen vor Ort live zujubeln. Das ist so wie bei Künstlern auf der Bühne und deren Applaus. Sport ohne Fans wird mittelfristig in der Form wie wir ihn kennen, nicht funktionieren“, sagt der langjährige Sportreporter und denkt dabei zugleich auch an den Amateursport: „ Auch die Kreisklasse des Fußballs braucht die Zuschauer, die begeistert live dabei sind“.

Wie groß also wird der Rückschlag für den Spitzensport sein? Bechtels Prognose ist voller Skepsis: „Sehr groß. Da werden nicht nur sportliche Karrieren nicht mehr weiter fortgeführt werden, sondern ich sehe vor allem ein Problem in der sich ändernden Betrachtung auf Nachwuchsförderung und Unterstützung von Talenten. Die Frage der nächsten Jahre lautet schlicht und einfach: Wird das Geld noch da sein, um hier zu unterstützen?“

Burkhard Bechtel kennt dies alles aus eigener Erfahrung. Denn er ist früher selbst Rennen gefahren, mit einem akzeptablen Erfolg, „der mir und meiner Familie finanziell allerdings vieles abverlangt hat. Ich habe mir dann mal im Scherz geschworen, dass ich mir jeden Groschen wiederhole. Das hat zum Glück funktioniert.“

Seine Erfahrungen gibt er inzwischen gerne weiter. Mit seinem Wissen und seinem Knowhow schult er regelmäßig junge Rennfahrer. „Für mich ist es ein echter Kick, junge Leute vom „no name“ zum Spitzensportler zu begleiten. Michael Schumacher war und ist für mich ein solches Beispiel. Ich habe ihn von seinen allerersten Schritten im Automobilrennsport bis zum Einstieg in die Formel 1 begleitet und dort auch immer wieder getroffen. Ein bemerkenswerter Weg eines großen Sportlers, vor dem ich mich nicht tief genug verneigen kann“.

Doch nunmehr muss Burkhard Bechtel lernen, dass die Devise des Sports höher, schneller, weiter „mehr oder weniger zur Bedeutungslosigkeit wird, dass nun ganz andere Themen zu den alles Beherrschenden des Lebens werden“, wie er es ausdrückt. „Gesundheit, Solidarität, das Einstehen für den oder die andere sind plötzlich viel wichtiger, als mit Vollgas im Kreis-Herum-zu-fahren. Die Einsicht bringt uns gerade bei, dass Leerlaufdrehzahl plötzlich ganz viel Sinn macht“, lautet seine aktuelle Erkenntnis. Und er formuliert sein neues Leitmotiv so: „Wir brauchen nicht die schnellste Linie vom Start zum Ziel, sondern die sicherste“. 

Auch wenn der passionierte Anhänger schneller Rennen in den letzten Wochen gemerkt hat, dass Motorsport nicht der Nabel der Welt ist, so bleibt doch seine Hoffnung: „Eines Tages möchte ich schon dabei sein, wenn die Räder wieder ihre Runden drehen“. Und so wartet er auf die Zeit danach; auf die Zeit, in der Motorsport wieder Sinn machen kann. Und seine 30 OnBoard Kameras wieder nur ein Ziel kennen.

Bis dahin betreibt er virtuellen Rennsport, „weil ich fest daran glaube, dass das wohl auch ein Teil unserer Zukunft werden wird. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass ich in den nächsten Jahren in der kurzen Hose in Hochkirchen auf der Couch sitzen werde, um ein Rennen zu kommentieren, zu dem sich gerade Sportler aus der ganzen Welt per Rennsimulator zugeschaltet haben.“

Ach ja, und wie kam der Vielgereiste zu seiner Couch in Hochkirchen? Er erzählt: „Erst bin ich ein wenig durch die Kölner Veedel getingelt“. Dann blieb er 1990 hier hängen. „Ein bemerkenswerter Stadtteil, den ich nicht mehr missen möchte. Er erinnert mich ein wenig an meine alte Heimat, das Siegerland, allerdings offener und mit einem deutlicheren Miteinander. Mit gefällt hier der leicht dörflich geprägte Charakter. Jeder kennt jeden, man hilft sich, ist freundlich im Umgang. Die offene Lebensart erleichtert das Leben hier sehr. Und dann gibt’s noch den Riesenvorteil, dass mein Hund und ich spätestens nach fünf Minuten auf unserer Runde irgendwo im Grünen sind“, lacht er. Und bricht auf zur nächsten Runde. Ganz ohne PS. „Vielleicht aber dann demnächst doch wieder mit Motorkraft“, merkt er noch an. „Ab Mitte August soll es auch bei uns im Motorsport wieder losgehen.“

EINER VON UNS: Frank Dünzl

Er ist Globetrotter in Sachen Fotografie – gleich ob Hochzeitsbilder auf Bali, Tokio bei Nacht, eine Sommerreportage im kalifornischen San Diego. Frank Duenzl aus Hochkirchen hält solche Motive mit einfühlsamem Kameraauge professionell fest. Kein Ort ist ihm dafür zu weit oder zu ungewöhnlich. Besonders gern begleitet der 54jährige Paare beim Ja-Wort für ein Leben zu zweit. Egal wo. Denn das sind für ihn Momente für die Ewigkeit. Dem SÜDBLICK hat er seine schönsten Erlebnisse erzählt.

Am liebsten ist Frank Dünzl auf der Suche nach außergewöhnlichen Bildern und spektakulären Aufnahmen mit dem Fahrrad unterwegs. „So sehe ich einfach mehr, kann genauer beobachten“, ist seine Erfahrung. Beispiel Japan, die Sprache dort spricht er fließend. Er will Locations ausfindig machen, wo er abseits der Tourismuszentren Geishas treffen kann, jene charmanten, geheimnisvollen Frauen, die traditionelle japanische Künste darbieten, aber leider eher zurückhaltend sind, wenn sich neugierige Fotografen nähern.

Vier Wochen ist der gebürtige Kölner unterwegs. Dann hat er Glück. In Gion, einem der malerischsten Stadtteile von Kyoto, gelingt es ihm, zwischen engen Gassen und Teehäusern im typischen Stil des Landes mit einer der Unterhaltungskünstlerinnen und ihrer Schülerin ins Gespräch zu kommen. Es entstehen schließlich perfekte Bilder in einer unglaublichen Atmosphäre: Stimmungen bei Nacht und im Regen, ein Farbenspiel von einmaliger Faszination. „Glück gehört einfach dazu“, freut sich der Kameramann aus Deutschland. Diese Fotos wurden später Teil einer großen Ausstellung, die er 2013 anlässlich des 50. Geburtstages der Städtepartnerschaft zwischen Kyoto und Köln realisieren durfte. 

Frank Dünzl liebt es, Personen in ganz besonderen Situationen aufzunehmen, „denn ich glaube, ich kann gut mit Menschen so umgehen, dass sie möglichst entspannt sind.“ Den richtigen Moment zu erfassen, die entscheidenden Augenblicke zu treffen, das ist seine Mission. Egal, ob er im Auftrag einer Presseagentur unterwegs ist, für ein Event gebucht wird, für ein Lifestyle-Magazin oder er sich der Fine Art widmet. „Es kann aber auch ganz einfach der Mensch von nebenan sein. Ich halte die vergänglichen Momente des Lebens im Bild fest, und zeige den Menschen im Kontext seiner Umgebung, seiner Arbeit und seiner Kultur“. 

Und das sind bei ihm vorzugsweise Paare am glücklichsten Tag ihres Lebens. Wie viele Hochzeiten er schon in seinen Bildern festgehalten hat, weiß er nicht mehr ganz genau. Aber einige Termine bleiben besonders fest in Franks Erinnerung. Wie jene romantische Strandhochzeit auf Bali, die allein schon durch ihren überaus reichen und außergewöhnlichen Blumenschmuck wirkte wie aus dem Poesiealbum gemalt.

Es gab aber auch schon skurrile Situationen. Da wartete ein Termin in Los Angeles auf ihn. Der Hochzeitsfotograf vom Rhein war extra von einem amerikanischen Paar engagiert. Alles läuft bestens. Alle sind höchst zufrieden. Nach dem offiziellen Teil beginnt das Fest. Musik erklingt. Aber was ist da zu hören? Statt amerikanischen Klängen ertönen Schlager Made in Germany aus den Lautsprechern. Ausgerechnet die Münchner Gruppe „Dschingis Khan“ mit ihrem Ohrwurm „Moskau“ hatten sich die frisch Vermählten als Wunschlied ausgesucht. Frank, der weddingshooter, kann darüber noch heute schmunzeln.

Er erzählt: „Früher konnte ich mit solchen Anfragen eher wenig anfangen. Ich fand Hochzeitsbilder eher kitschig und auch langweilig“. Doch dann führte ihn ein Urlaub nach San Diego in Kalifornien. Die Wellen des Pazifiks lockten ihn, er beschloss, dort zu bleiben und „America’s Finest City“ mit dem angenehmen Klima zu seiner zweiten Heimat zu machen. Dort beobachtete er ziemlich bald, wie Amerikaner aus Hochzeiten mit sehr viel Kreativität ganz besondere filmische Ereignisse machten. „Das hat mich inspiriert, ebenfalls in diese Richtung zu gehen. Dabei habe ich im Laufe der Zeit meine eigene Bildsprache entwickelt“, schildert er seine Erfahrungen. Er hat den Schritt nicht bereut. Und seitdem ist er Weltreisender als Fotograf in Sachen Liebe. „Wenn man als Fotograf erstmal Gefallen an der Hochzeitsfotografie gefunden hat, kann man sogar weitaus schönere Bilder als bei einem Mode-Shooting machen“, ist seine Erfahrung.

Wie es ihm gelingt, den Verliebten beim Fotoshooting immer wieder ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern? Da verrät er einen kleinen Trick: „Ist mir eine Aufnahme gut gelungen, dann lächele ich freudig und blinzele zufrieden unter meiner Kamera den beiden zu. Und dann kommt fast immer spontan ein ebenso fröhliches Lächeln zurück!“

Von Schnappschüssen über total posierte Bilder, Arrangements mit Blumen, Luftsprüngen, rennenden Brautpaaren, Aufnahmen mit bombastischen Schlössern im Hintergrund oder einfach nur kitschigen Bildern mit oder ohne Sonnenuntergang können seine „Stars für einen Tag“ alles von ihm haben, was sie wollen: Schwarz/Weiß, Farbe, oder Retro. 

„Ich bemühe mich immer, das Beste aus dem portraitierten Menschen herauszuholen“, lautet die Devise des gefragten Kameraprofis. Er macht alles, um diese Personen im Mittelpunkt gut aussehen zu lassen. Moderne Technik tut dabei ein Übriges. Seit die Dunkelkammer digital geworden ist, verbringt er etliche Stunden vor dem Computer, um die Bilder am Monitor zu optimieren. Vielleicht wird eine DVD daraus, ein Video für Facebook oder YouTube. Alles ist möglich.

Doch momentan arbeitet Frank aus Hochkirchen wieder an einer ganz neuen Idee: Einem Kunstprojekt, für das er noch die passende Galerie sucht. Thema ist ‘Neon Metropolis’ – Nachtaufnahmen von Tokyo, neonglänzende Regennächte, inspiriert von dem Film-Klassiker ‘Blade Runner’ und ‘Ghost in the Shell’. So viel Abwechslung zwischen all den Hochzeitsfeiern muss dann doch mal sein. Mehr Infos: https://www.koeln-hochzeitsfotos-deluxe.de; https://www.shunkan.org/kyoto_japan_exhibition.html; https://www.shunkan.org

EINER VON UNS: Frank Tuchel

In plötzlichen Situationen flexibel zu sein, darin ist Frank Tuchel bestens geübt. Doch so eine Ausnahmesituation hat selbst der erfahrene Eventmanager noch nie erlebt: Corona hat auch seine Planungen gehörig durcheinandergewirbelt. Trotzdem ist dem Neu-Rondorfer die Freude an Shows und Galas nicht vergangen. Im Gegenteil: Er bastelt gerade an neuen kreativen Ideen. Sobald die Krise überstanden ist, will er gemeinsam mit seiner Frau Sonja auch lokalen Veranstaltern im Kölner Süden mit Rat und Tat unter die Arme greifen.

Ganz tief in seinem Herzen ist er immer noch ein Düsseldorfer. Aber der Liebe wegen hat Frank Tuchel vor knapp einem Jahr sein Büro von dort zum rheinischen Rivalen Köln verlegt und ist nach Rondorf gezogen. Denn seine Frau ist hier seit nun fast 20 Jahren heimisch und hat ihn überzeugt: „Hier ist es so schön, hier will ich nie wieder weg!“. Als sie diese Geschichte erzählen, müssen beide lachen. 

Oder liegt der Ortswechsel vielleicht auch daran, dass Köln für Kreative doch inspirierender ist? Seine ehrliche Antwort: „Nein, das glaube ich ehrlich gesagt nicht, auch in Düsseldorf gibt es viele kreative Köpfe. Der wahre Grund ist sehr pragmatisch: Die ständige Fahrerei zwischen Köln und Düsseldorf ging mir ziemlich auf die Nerven. Allerdings mussten wir zunächst einmal das richtige Objekt finden, in dem wir neben dem Privaten auch die Agentur unterbringen konnten. Das haben wir dann im letzten Jahr geschafft und wir fühlen uns jetzt sehr wohl in unserem neuen Domizil in Rondorf“. 

Gerade flimmert ein neuer Videoclip über seinen Bildschirm, der demonstriert, was Frank Tuchel unter modernem Entertainment versteht. Die Events seiner Firma „Public Work“ stehen für Emotion pur. Optische Inszenierungen, viel Action und gefühlvolle Momente, die für den berühmten „wow“-Effekt sorgen, das ist sein Ding. Artistik, Musik, Moderation, Comedy oder komplette Showproduktionen, seit über 30 Jahren überrascht der Unternehmer seine Kunden mit speziell für sie entwickelten Konzepten und realisiert unvergessliche Live-Erlebnisse – von der Planung über die Organisation bis hin zur Durchführung aller Details in Technik, Dekoration oder Spezialeffekten. 

Da werden auch schon mal Top-Größen aus Rock und Pop wie Chris der Burgh, Silbermond, Ray Garvey oder Adel Tawil eigens eingeflogen, um den ganz großen Gig auf die Bühne zu zaubern. Frank Tuchels Geschäftspartner, das sind vor allem Unternehmen, die aus speziellen Anlässen wie Firmenjubiläen, Messen, Produkteinführungen ihre Klientel mit etwas ganz Besonderem begeistern wollen. Deshalb ärgert er sich auch ein bisschen, wenn ihn manche als „Partyveranstalter“ titulieren. Seine Philosophie ist eine andere: „Es kommt nicht unbedingt auf die Größe einer Veranstaltung an, es sollte für die Gäste immer etwas Besonderes sein, was sie mit Heim nehmen. Denn es gibt nichts Schöneres, als die Gäste mit einem Lächeln im Gesicht den Saal verlassen zu sehen! Das ist Emotion pur und macht unseren Job so einmalig. Man sieht das Resultat unserer Arbeit unmittelbar und ungeschminkt in den Gesichtern der Menschen!“

Früher hat der 54-jährige erfolgreich für das Team der Eishockeymannschaft der Düsseldorf EG gespielt. Da liegt die Frage nahe: Wie dünn ist das Eis, auf dem sich die schnell lebige Unterhaltungsbranche bewegt, immer auf der Suche nach neuen Stars und Sensationen? Seine Antwort fällt aktuell ziemlich ernst aus: „Um im Bild zu bleiben, bricht gerade der gesamte Kreativmarkt ein, vielen Veranstaltern von Musikveranstaltungen, Tourneen, Events droht der wirtschaftliche Kollaps durch die flächendeckende Absage von Projekten in diesen Wochen und Monaten.“ Es geht immerhin um rund 40.000 Mitarbeiter in einer Branche, die jährlich mehr als fünf Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet. Darunter sind viele Selbständige und Dienstleister wie Technik-Verleiher, Ausstatter, Künstler, Caterer oder Sicherheitsunternehmen, die jetzt ums Überleben kämpfen, sorgt sich der Eventmanager. 

Für ihn gibt es dennoch nur eine Devise: The show must go on! „Irgendwann wird der Vorhang auch wieder aufgehen!“ ist er überzeugt. Seine langjährigen und vielseitigen Erfahrungen, die er auf den ganz großen Showbühnen und zahllosen nationalen & internationalen Events gesammelt hat, möchte er dann auch in den Dienst lokaler Vereine und Initiativen im Kölner Raum stellen, die vielleicht nicht über das ganz große Budget verfügen. Um dieses zweite Standbein wird sich künftig seine Frau Sonja kümmern. Sie ist seit mehr als 25 Jahren in der Veranstaltungsbranche tätig, davon knapp 12 für den Kölner Circus Roncalli. Die Idee dahinter: 

Wir haben mit „passion4event“ die kleine Tochter der Public Work Entertainment GmbH ins Leben gerufen, die sich als Dienstleister für Veranstaltungen versteht. Hier steht vor allem die organisatorische und dienstleisterische Seite für Firmenfeiern, Jubiläen, Geburtstage, Hochzeiten, Veranstaltungen etc. im Vordergrund. Mit der Erfahrung aus den Events der Public Work bietet „passion4event“ das gesamte Know-how für kleinere Feiern und schmalere Budgets. 

Mal sehen, vielleicht wird aus dem Mann aus Düsseldorf dann doch ein überzeugter Kölner. Herzlich willkommen in Rondorf! Und noch einmal: The show must go on! 

EINE VON UNS: Angela Wotzlaw Leiterin der Justizvollzugsanstalt Köln

Und dann auch noch Corona-Alarm! Die Wochen sind gerade wieder äußerst turbulent im Leben von Angela Wotzlaw, der Leiterin von Deutschlands zweitgrößter Justizvollzugsanstalt. Für die couragierte Rondorferin ist kaum ein Tag wie der andere. Dem SÜDBLICK gab sie einen Einblick in den Alltag hinter den Kölner Gefängnismauern.

„Ja, das ist mein Traumberuf!“ bekennt die 55-jährige Juristin. Und fügt mit fester Stimme hinzu: „Ich wusste bei meiner Berufung zur Leiterin der JVA Köln, auf was ich mich da einlassen würde. Aber wenn der Minister Sie fragt, sagen Sie nicht nein!“ Und so ist Angela Wotzlaw seit Oktober 2011 in Ossendorf für knapp 1200 Inhaftierte verantwortlich und zuständig für rund 500 Mitarbeiter, die im Schichtbetrieb rund um die Uhr im Einsatz sind.

Eigentlich wollte sie Staatsanwältin werden. Dass es dann anders kam, hat sie keinen Tag bereut.

Aber warum „Traumberuf“ in einem Job, in dem sie immer verfügbar sein und ständig auf plötzliche, oft ziemlich heikle Situationen gefasst sein muss?

Recht schnell kommt die Mutter zweier erwachsener Kinder auf ihre sehr klare Überzeugung zu sprechen: „Für mich ist dies ein Dienst für die Gesellschaft. Wir richten ja nicht über Menschen. Das tun die Gerichte. Unsere Aufgabe ist es, Menschen zu resozialisieren, die oftmals nie ein sozial geordnetes Leben gekannt haben!“ Dass die Erfolge dabei begrenzt sind, rund 45 Prozent aller erwachsenen Straftäter in NRW-Gefängnissen wieder rückfällig werden, das beschäftigt sie sehr.

„Ich muss nicht selten Tatvorwürfe, aber auch Lebensgeschichten lesen, die schon deutlich unter die Haut gehen“, gibt sie zu.

Und oft ist ihr Alltag eine „Gratwanderung“. Denn ihre Devise lautet: Konsequentes Handeln ja, aber ebenso auch die Bereitschaft, zuzuhören! Deshalb nimmt sich Angela Wotzlaw auch so viel Zeit wie möglich für persönliche Gespräche, in denen nicht nur ihr juristisches Rüstzeug gefragt ist, sondern auch viel Psychologie und pädagogische Erfahrung. „Einigen fehlt zum Beispiel jedes Problembewusstsein für die begangenen Straftaten bzw. sie verstehen die Gründe nicht, die dazu geführt haben. Diese Personen dann so zu führen, dass sie lernen, mit ihrer Schuld zu leben, ihr Fehlverhalten zu erkennen und sich selbst um einen Ausweg aus ihrer Lebenslage bemühen, das ist eine große Herausforderung!“

Aber wenn sich dann tatsächlich nach Jahren zum Beispiel eine der einstigen Insassen bei ihr meldet und sich bedankt mit dem Satz, die vorgelebte Überzeugung und der soziale Ansatz der Anstaltsleiterin habe „geholfen, Anschluss im normalen Leben zu finden“, dann sind das jene Momente, in denen die JVA-Chefin den täglichen Stress einmal vergessen kann. Oder auch wie jüngst bei der Karnevalsveranstaltung für die Frauen von Ossendorf. Seit 15 Jahren gibt es die Veranstaltung „Mädchensitzung im Klingelpütz“, die dank enger Zusammenarbeit mit dem Festkomitee Kölner Karneval einige der besten Bands und Tanzcorps für einige Stunden in die Strafanstalt holt. „Und dann fangen manche Frauen an, sich zu öffnen, wir kommen besser ins Gespräch – insofern ist auch das ein wichtiger Teil unserer Sozialisierungsanstrengungen“.

Doch Angela Wotzlaw weiß auch: Bei manchen bleibt der gesellschaftliche Makel ein Leben lang. Sie sieht jedoch in den Frauen und Männern hinter Gittern keine Menschen zweiter Klasse, sondern Menschen, die Hilfe brauchen – unabhängig von der Brutalität ihrer Taten oder der berechtigten Härte ihrer Strafen.

Was also muss man für diesen Beruf vor allem mitbringen? Da setzt sie auf den Dreiklang von Empathie, Führungsstärke, Flexibilität. „Soziale Fürsorge“ beschreibt sie selbst das Hauptmerkmal ihrer komplexen Rolle. Ob sie manchmal auch Angst hat, bedroht zu werden? Da kommt ein klares „nein“. Das sei bisher noch nie der Fall gewesen. In all den Jahren ist sie noch nie in eine Situation geraten, in der sie etwa körperlich angegriffen wurde. Als Frau fühlt sie sich im Übrigen keinesfalls schwächer als männliche Kollegen. „Sie müssen einfach nur konsequent auftreten, klare Haltung zeigen, die roten Linien deutlich machen, aber auch gerecht und ansprechbar sein!“ 

Doch einen Preis muss die gebürtige Kölnerin dennoch für ihr wichtiges Amt zahlen: Sie lebt sehr zurückgezogen. „Mich erkennt keiner. Auch dann nicht, wenn ich mit dem Hund spazieren gehe“, sagt sie mit einem Lächeln.

Die Justizvollzugsanstalt Köln ist die zweitgrößte in Deutschland nach München-Stadelheim. Im Jahr durchlaufen sie bis zu 7.500 Gefangene. Einige länger, manche nur für Monate. Aber der „Klingelpütz“ ist nach 50 Jahren reichlich in die Jahre gekommen. Der Brandschutz wurde zwar nachgerüstet, Türschlösser, Sanitäranlagen und Elektrik aber sind veraltet, die Bausubstanz ist in schlechtem Zustand, hinzu kommt eine Schadstoffproblematik u.a. mit Asbest. Deshalb hofft Angela Wotzlaw auf den baldigen Neubau, der durch den Landtag bereits beschlossen wurde. Ihr Ziel: Kleinere Abteilungen. „Wenn 70 Leute auf engem Raum zusammen sind, ist das einfach zu viel. Bei kleineren Gruppen lässt sich soziales Verhalten besser einüben. Ich hätte auch gern größere Zellen, bessere Duschräume und vor allem mehr Räumlichkeiten für Arbeitsplätze“, zählt sie auf. 

Hat ihr Beruf ihren Blick auf die Gesellschaft verändert? Die starke, eher kleine Frau nickt. „Ich sehe heute manches kritischer. Denn wenn Eltern, Schule und Behörden bei der Erziehung eines Menschen schon versagt haben, jemand im Leben nur Misserfolge hatte, ist es für uns am Ende dieser Fahnenstange schwierig, das alles aufzuholen!“

Deshalb legt die Leitende Regierungsdirektorin auch so großen Wert darauf, ihren Häftlingen schulische Abschlüsse und eine berufliche Qualifizierung zu ermöglichen. Da gibt es zum Beispiel Angebote im Textilbereich, bei der Gebäudereinigung, in Werkstätten oder der Küche. „Manche sind ja praktisch sehr begabt, der nächste hoch intelligent, aber leider fehlgeleitet. Dem dritten fehlt es schlicht an Selbstvertrauen, er hat seine Probleme immer nur mit Drogen verdrängt“, zählt sie ihre Alltagserfahrungen auf. Hilfreich für die Sozialisierung sind aber auch die Sportangebote von Fußball bis tänzerische Gymnastik.

Bleibt noch eine Frage. „Frau Wotzlaw, können Sie noch Krimis lesen oder im Fernsehen schauen?“

„Natürlich“ meint sie. „Nur den ARD-Tatort gucke ich nicht.“ Dafür liebt sie Agatha Christie und vor allem ihre Helden Miss Marple und Hercule Poirot. „Wichtig ist mir, dass die Geschichten nicht zu düster sind – und am Ende doch irgendwie gut ausgehen!“ bekennt sie.

So wie im richtigen Leben? Immerhin, der Corona-Verdacht in der Justizvollzugsanstalt Ossendorf hat sich schon am nächsten Tag nicht bestätigt. Endlich eine Sorge weniger für Angela Wotzlaw.

Eine von uns: Ulla van der Poel

Hier ist immer was los. So viel, dass für Jubiläumsvorbereitungen kaum Zeit ist: Anfang 2021 wird das „Haus der Familie“ in der Reiherstraße zehn Jahre alt – und ist aus dem gesellschaftlichen Leben des Wohngebietes nicht mehr weg zu denken. Der Motor hinter der Erfolgsstory hat einen Namen: Ulla van der Poel. Neuestes Projekt ist ein tolles gemeinsames Fest für Familien, Nachbarn, Vereine am 20. Juni unter dem Motto: „Ein Dorf – ein Tisch“. 

„Die Idee für das Haus ist eigentlich aus einer Notlage heraus entstanden. Als in den 90er Jahren immer mehr junge Familien nach Rondorf kamen, fehlte dort vieles. Es gab vor allem keine Betreuungsangebote für die Kinder nach dem Schulunterricht, keinen Raum der Begegnung für Jugendliche, kaum Möglichkeiten für alte und neue Bewohner, sich zu treffen“, erinnert sich Ulla van der Poel noch ganz genau an die mühevollen Anfänge. Denn sie selbst erlebte diese Probleme hautnah; sie zog 1995 nämlich ebenfalls nach Rondorf und suchte für ihre beiden Söhne dort verzweifelt nach einer Übermittagsbetreuung. „Also packte ich selbst an und gründete 2002 mit einigen Mitstreitern den gemeinnützigen Verein Haus der Familie“.

Was als Provisorium an zunächst verschiedenen Standorten entstand, wurde im Laufe der Jahre eine richtige kleine Firma, die inzwischen neun feste Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zählt. „Der Beschluss im Jahre 2009, ein modernes Nachbarschaftshaus für generationenübergreifende Begegnung zu bauen, war schon ein bisschen kühn. Und ohne die GAG als Grundstückseigentümer und Bauherr und ohne die Unterstützung seitens des Jugendamtes der Stadt Köln hätte es wohl auch nicht so gut geklappt“, erinnert sich die umtriebige Frau, die hauptberuflich bei der Deutschen Welle arbeitet, auch heute noch dankbar an die Pionierzeit.

Denn seit dem Einzug in das jetzige Gebäude Anfang 2011 haben sich immer mehr Aktivitäten entwickelt. So treffen sich von montags bis freitags viele Jugendliche in der offenen Jugendeinrichtung „eins2null“ zum Spielen, Musikmachen, kreativer Freizeitgestaltung. Oder auch zum Mitternachtsfußball in der Turnhalle der Grundschule an der Adlerstraße. Weitere wöchentliche Angebote des Vereins sind der Gesundheitssport Ü50 und das Begegnungscafé. Regelmäßige Angebote gibt es in den gemütlichen Räumen mit einer modernen Küche in der Reiherstraße ferner für Frauen, die untereinander Kontakt und Austausch suchen. „Der Spieleabend für Frauen immer am letzten Sonntag im Monat ab 18:00 Uhr zum Beispiel bedeutet nicht nur Spaß bei Karten- oder Brettspielen, sondern auch, miteinander zu reden und zu lachen, sich kennenzulernen und voneinander zu lernen“, erläutert Ulla van der Poel. 

Die Kleinsten von 0 bis drei Jahren wiederum finden in der Kita „Pünktchen“ in der Kolberger Straße eine liebevolle Betreuung. Hier hat die Immobilien-Firma Langemann zwei Wohnungen in einem Mehrfamilienhaus umgebaut und an den Verein vermietet. Ulla van der Poel managt dies alles als Vorsitzende ehrenamtlich seit 2004. Und hat mit sehr viel Elan mit ihrem sechsköpfigen Vorstandsteam sowie weiteren Engagierten immer neue Projekte realisiert: Die Ackerparty im Herbst, die nagelneue Jugendhütte auf dem Ackerparty-Gelände an der Talstraße, Ferienangebote, Mitsingkonzert, Filmabend, Adventsnachmittag, Silvesterfeier, Kurse, Seminare … und, und, und … Auch die Idee eines Mehrgenerationenwohnhauses, das im Neubaugebiet Rondorf Nordwest entstehen soll, unterstützt sie derzeit als Mitglied des Aufsichtsrates vom Hof der Familie eG i.G., einer jungen Genossenschaft. 

Jetzt ist wiederum eine neue Idee in Planung. „Wie können wir Nachbarschaften, Vereine, lokale Initiativen noch besser miteinander vernetzen?“ fragten wir uns im Vorstand. „Denn der Stadtteil wächst immer weiter. Und da sind gute Kontakte untereinander das Wichtigste“. „Ein Dorf – ein Tisch“ heißt daher die neue Einladung, die sich an alle richtet. Wenn sich genügend Interessierte anmelden, könnte daraus wiederum eine schöne Tradition werden. „Aber auch hier fangen wir erst einmal mit dem ersten Schritt an. Und aller Anfang ist zunächst bekanntlich noch klein“, weiß Ulla van der Poel aus langjähriger Erfahrung. 

Das Konzept klingt indes verlockend: Alle Personen, die mitwirken wollen bei diesem gemeinsamen Event von Haus der Familie und Dorfgemeinschaft, richten an diesem Tag ab 17:00 Uhr ihren reservierten Tisch für ihre Gästerunde aus Familie, Nachbarn, Vereinsmitgliedern festlich ein. Dann wird gemeinsam gegessen und gefeiert, jeder bringt etwas Kulinarisches mit. Ebenso sollen die Tische von den angemeldeten Teilnehmern fantasievoll ausgeschmückt werden unter dem Thema: Sommerträume – Traumsommer. Eine Jury wird die schönsten Tische küren und auszeichnen. Jeder, der dabei sein möchte, kann sich ab jetzt kostenfrei anmelden.

Zum 10. Geburtstag des markanten Gebäudes Anfang kommenden Jahres hat Ulla van der Poel einen großen Wunsch: „Noch mehr vor allem junge Familien sollten bei unserem Verein Mitglied werden und unsere Projekte unterstützen. Denn nur wenn die Bürgerinnen und Bürger selbst aktiv werden, kann sich gesellschaftliches Zusammenleben gut entwickeln“, ist sie überzeugt. „Wir wollen auch in Zukunft beweglich und bewegend bleiben durch Menschen, die Lust haben, mitzugestalten!“ fügt sie hinzu. Damals, im Bauboom der neunziger Jahre, hieß der Leitgedanke für das „Haus der Familie“, Raum zu schaffen für Begegnung und Miteinander. Jetzt, da Rondorf in den kommenden Jahren wiederum eines der größten Kölner Zuwachsgebiete wird, ist diese Idee aktueller denn je. 

Das „Haus der Familie“ startet somit in seine nächste Phase. Ulla van der Poel bleibt weiter mit an Bord, „denn, wenn man bereit ist, sich auf ein Engagement für diesen Ort einzulassen, ist es wunderbar, hier zu leben!“

Mehr Infos: www.hdf.koelnwww.hdf-eg.koeln

Sie wollen bei der Veranstaltung „Ein Dorf- Ein Tisch“ am 20. Juni dabei sein? Melden Sie sich kostenlos hier an 

Eine von uns: Anastasia Dimitriou

Sie setzen im Veedelszoch am Rosenmontag einen ganz besonderen Farbtupfer, die rund zwei Dutzend Tänzerinnen und Tänzer der griechischen Folkloregruppe der „Thessalicher“. Wenn sie bunt, laut, fröhlich durch den Festzug wirbeln, ist die ganze Straße eine einzige Partymeile. Trainerin Anastasia Dimitriou will auch diesmal traditionelle Volkstänze mit kölscher Musik verbinden.

Aufgeregt? „Warum sollten wir aufgeregt sein? So etwas kennen wir gar nicht“ gibt die junge Griechin mit Kölner Wurzeln charmant zurück. „Aber wenn wir uns dann zum Zoch unter der Rodenkirchener Brücke aufstellen, ist die Vorfreude bei allen riesig“. Anastasia Dimitriou ist die Präsidentin und zugleich Trainerin der Tanzgruppe des Kulturvereins der Thessalicher in Köln. Zum zweiten Mal werden sie am 24. Februar bei der närrischen Parade von Hochkirchen nach Rondorf dabei sein und mit ihrer aufwendig verzierten roten Tracht, deren Ursprünge ins 18. Jahrhundert zurückreicht, ein ausgefallenes Stück heimische Folklore in den Kölner Fastelovend bringen. Drei Gruppen umfasst ihre Formation: Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Der Jüngste ist gerade mal drei Jahre alt. Und während andere Tanzformationen über mangelnden Nachwuchs klagen, ist bei dieser Gruppe das Interesse unverändert hoch. „Momentan läuft es richtig gut“, erfahren wir. Ja, sogar Mitglieder aus anderen Nationen haben sich inzwischen angeschlossen; sie kommen zum Beispiel aus Italien, Portugal oder gar dem afrikanischen Raum. Sie alle lockt das Besondere. „Pentozali oder Kotsari sind keine leichten Tänze, da muss man schon fleißig üben“, lacht Anastasia. Denn es sind vibrierende Tänze mit allerlei hohen Sprüngen. Und wie schwer ist es, die einzelnen Schritte sicher zu beherrschen? „Oh, das kommt ganz auf den Tänzer an“, gibt sie diplomatisch zu verstehen.

Deshalb wird jede Woche fleißig trainiert. Immer am Sonntagabend treffen sich Groß und Klein im „Haus der Familie“ in der Reiherstraße – und dann gibt die BWL-Studentin das Kommando vor. Es ist laut, es wirbelt wild durcheinander; es dauert eine Zeit, bis jeder den richtigen Schritt, den richtigen Rhythmus gefunden hat. Allerdings: In dieser Vereinigung geht es nicht nur um professionelles Bewegen, es wird auch viel gefeiert und noch mehr gelacht. So steht schon bald das nächste große Ereignis an: Am 25. März begehen die Griechen ihren Unabhängigkeitstag und das wird ebenfalls mit Tanz, Livemusik, Gedichten gefeiert. Und da sind die Frauen (viel) und Männer (wenig) wieder kräftig mit auf den Beinen.

Anastasia erzählt aus ihrer Heimat. Thessalien war die größte Region im antiken Griechenland und liegt im Norden des Landes. Musik und Tanz knüpfen heute noch an eine reiche Tradition an, die voller mykenischer Legenden ist. Wer kennt nicht den höchsten und berühmtesten griechischen Berg, den Olymp? Oder das Orakel von Delphi? „Jeder Tanz hat seine eigene Geschichte. Und ebenso jedes Ereignis. Am spektakulärsten sind die Hochzeitstänze, aber auch für traurige Ereignisse gibt es Tänze“ berichtet sie in einer Trainingspause. Das populärste Instrument ihrer Heimat ist die Klarinette, dies prägt vielfach auch die Musik.

Mehr als 7600 Griechen leben derzeit in Köln. Davon gehören rund hundert Familien im Kölner Süden zum Kulturverein der Thessalicher. Als die ersten von ihnen an den Rhein kamen, gründeten sie ein regelmäßiges Treffen für Menschen, die fern von der Heimat den Zusammenhalt pflegen wollten. „Aber für die junge Generation von heute waren diese Veranstaltungen bei Kaffee, Kuchen und voller Nostalgie etwas langweilig, wir suchten nach etwas Neuem“, erzählt die junge Frau, die selbst in Köln geboren wurde. Und so entstand vor rund zehn Jahren die Idee, eine Tanzgruppe zu gründen. Der Erfolg gab ihnen recht. Momentan sind zwei Dutzend Tänzerinnen und Tänzer aktiv dabei.

Und was bedeutet es für sie, am Rosenmontag beim Veedelszoch aufzutreten? „Wir sind Kölsche Jecke durch und durch“, gibt die Präsidentin lachend zu verstehen. Auch in Griechenland wird fröhlich Karneval gefeiert, „aber an Köln kommt da nichts ran“. Im letzten Jahr wurde mitten auf der Rodenkirchener Straße auch Sirtaki getanzt. Und was steht diesmal für den 24. Februar auf dem Programm? Da wird Anastasia sehr professionell: „Lassen Sie sich überraschen“, sagt sie mit einem Augenzwinkern. 

Doch bis zu dem großen Augenblick gibt es noch Einiges zu tun. „Aber alle packen mit an“, strahlt sie in die Runde ihrer Tänzerinnen und Tänzer. Dann geht es weiter. Mit Koftos: Hopp auf dem linken Bein, rechte Hacke vor linker auf dem Boden aufstellen, Schritt mit rechts seitwärts nach rechts und immer so weiter … Oder Sta Tria im 4/4 Takt. Oder Kalamatianos, der aus zwölf Schritten besteht. Kein Fest ohne ihn! Der Fastelovend kann kommen

Einer von uns: Paul Link

Architekt der schönen Künste, so nennen ihn manche, teils bewundernd, teils mit leichtem Unterton, denn Paul Link ist der inspirierende Kopf hinter einem „Kulturtempel“, der für ganz Köln außergewöhnlich ist. Er lockt seit fast 30 Jahren internationale Künstler ebenso wie regionale Newcomer zu ausgewählten Konzerten, Ausstellungen, Lesungen in sein „Kirchenatelier“ in der Rondorfer Hauptstraße. Auch für das neue Jahr hat er viele Pläne. Und im Januar steht zudem ein stolzes Jubiläum an.  Wie es zu diesem viel beachteten Juwel im Kölner Süden kam? Paul Link hat es dem SÜDBLICK erzählt.

Der heute 63jährige ist ein kenntnisreicher Unterhalter. Und so holt er weit aus: „Die Ursprünge des außergewöhnlichen Bauwerkes reichen zurück ins Jahr 1899“. Damals beschloss der Rondorfer Kapellenbauverein, schräg gegenüber der heutigen Pastorats Straße ein neues Gotteshaus zu errichten, weil die Kapelle am Büchel Hof zu klein geworden war. „Und so entstand hier der letzte Kölner Sakralbau mit noch echt gemauertem Gewölbe“ lobt Paul Link die einschiffige Hallenkirche in neugotischer Form aus Ziegelstein.

Die reich verzierte Kapelle überstand sogar beide Weltkriege – auch wenn das Chorgebäude nach 1945 erneuert werden musste. „1957 wurde der markante Bau um einen mächtigen Turm mit vier Glocken erweitert. Er gilt heute als weithin sichtbares Wahrzeichen von Rondorf“ erzählt er bei einem Rundgang. Doch 30 Jahre später erwies sich dieses katholische Gotteshaus erneut als zu klein und die Pfarrei Heilige Drei Könige realisierte einen Neubau an der Hahnenstraße. 

Der Rest ist ein bisschen Zufall. Denn eines Tages entdeckte Vater Rolf Link, renommierter Baumeister und Kirchenrestaurator, eine kleine Anzeige: „Kirche zu verkaufen“. Er war allerdings nicht der einzige, der sich für das wertvolle historische Objekt interessierte. Im Gegenteil: Die Verkaufsverhandlungen mit einem Mitbewerber waren schon so gut wie abgeschlossen. Doch dann bekamen die Kirchenoberen kalte Füße, weil man dem potenziellen Erwerber Nähe zu einer Sekte nachsagte. Der Deal platzte.

„Meine Familie war sich sehr rasch einig, solch ein Schmuckstück darf nicht verloren gehen, denn es war inmitten all der Jahrhundertkatastrophen auch so etwas wie das moralische Gewissen der Gemeinde geworden“, erinnert sich Paul Link, der gemeinsam mit seinem Vater Rolf und seinem Bruder Martin 1983 ein gemeinsames Architekturbüro begründet hatte. Sie bekamen den Zuschlag durch das Erzbistum allerdings nur gegen die schriftliche Zusage, dort „keine Einrichtungen unterzubringen, die gegen die katholische Glaubenslehre verstoßen“. So wurde es sogar im Grundbuch eingetragen.

Und so gestaltete man den künstlerisch wertvollen Sakralbau für neue Aufgaben um. „Als exklusives Kulturatelier steht er im Sinne seiner geistigen Tradition offen für alle, die in einer ganz besonderen Atmosphäre die Begegnung mit der Kunst suchen“, sagt der Hausherr und Impresario. Und seitdem managt er in der ehemaligen Dorfkirche mit ihren großen bunten Glasfenstern und einem verspielten Mobile, das die „hängenden Gärten von Rondorf“ symbolisiert, Ausstellungen, klassische Konzerte, Kulturevents. Spektakulär war der Auftritt von mehr als hundert Jazzmusikern aus New York. Oder im Rahmen einer Vernissage der Aufbau eines Wasserbeckens von 15 Metern Länge. Internationale Spielfilme haben die wertvolle Location ebenso als Drehort genutzt wie Künstler von Montserrat Caballé bis Dieter Bohlen.

Momentan wird an dem Programm für das neue Jahr gefeilt. Der „Tag der Astrologie“ am Samstag, 21. März ist wiederum eine ganz spezielle Idee. Das intensiv gepflegte und zeitaufwändige Hobby „hat mich allerdings schon mehrfach an den Rand der Erschöpfung gebracht“, räumt Paul Link ein. Andererseits passt diese Aufgabe irgendwie auch zu seiner hauptberuflichen Profession. Denn wie sein Vater arbeitet auch er mit besonderer Vorliebe in den Bereichen Kirchen- und Kulturbauten, Denkmalpflege, anspruchsvollem Wohnungs- und Städtebau. Sein Leitmotiv lautet: „Sinn für Architektur – Architektur für die Sinne“. Auch für sein Veedel hat er eine klare Vision: „Ich möchte mithelfen, Rondorf als charaktervollen Stadtteil mit eigenständigem urbanem Leben weiterzuentwickeln“. Auf seine Initiative gehen Projekte zurück wie das „Haus der Familie“, dem ein Mehr-Generationen- „Hof der Familie“ folgen soll.  

Bewusst stets offen hält er seinen Betrieb für Schülerpraktikanten und Auszubildende – nicht zuletzt aus dem Osten wie der Ukraine, Weißrussland oder der Mongolei; auch zwei junge syrische Flüchtlinge sind momentan in Ausbildung. „Damit leisten wir unseren Beitrag zur Völkerverständigung“ sagt Paul Link. Besonders spektakulär war das „Namibia-Projekt“ 2016: Gemeinsam mit seinem Bruder Martin und zwei weiteren Mitstreitern baute er mit an einem Schulzentrum im Omomas Care Center für 90 Waisenkinder im Alter von 6 bis 16 Jahren. „Das war auch für uns eine ganz neue Erfahrung. Da war viel Improvisation gefragt,“ erinnert er sich. „Kultur“ so lautet die Überzeugung des dreifachen Familienvaters „ist die beste Brücke, um Menschen weltweit zusammenzubringen. Wer musiziert, malt, schreibt, kennt eigentlich keine Grenzen“.

Schon seit 30 Jahren leben jetzt drei Generationen unter dem ehemaligen Kirchendach. In wenigen Wochen steht ein ganz besonderes Jubiläum an: Vater Rolf, Begründer des Architekturbüros, feiert am 30. Januar seinen 90. Geburtstag. Seine Familie und enge Wegbegleiter nennen ihn heute noch liebevoll „Unser Cheffi“: Rolf Link begann seine Architektenkarriere als Maurer an der „Kölner Werkschule“; danach wurde er enger Mitarbeiter der berühmten Kirchenbaumeister Dominikus und Gottfried Böhm. Viele außergewöhnliche Gebäude vor allem im Kölner Süden machten danach das „Architekturbüro“ Link zu einem Begriff für kunstvolles Bauen weit über die Stadtgrenzen hinaus. Und so lautet denn auch Paul Links Geburtstagswunsch für den Jubilar, „möge es uns gelingen, diese große Tradition viele weitere Jahrzehnte erfolgreich fortzuführen“. Dafür hat der Architekt und Kunstmäzen noch etliche Ideen in seinen vielen Schubladen.

Eine von uns: Uta Maria Schütze

Sie ist eine Frau für alle Fälle, denn gleich ob Boulevard, klassische Rollen, Dramatik, Musical – das Repertoire der Schauspielerin Uta- Maria Schütze ist schier unbegrenzt: Am Mittwoch den 11. Dezember ist sie zum Beispiel im ZDF-Vorabendkrimi „ Heldt“ in einen heftigen Pflegeskandal verwickelt – und am Freitag, 20. Dezember moderiert sie im heimischen Rondorf besinnlich das große Adventskonzert der Dorfgemeinschaft. 

Natürlich. Auf dem adventlichen Kaffeetisch zuhause steht das berühmte Meissner Porzellan mit dem feinen blauen Zwiebelmuster. Sozusagen als ständige Erinnerung an ihre Geburtsstadt Meißen in Sachsen. „Unsere Porzelline“ nennt Uta-Maria Schütze lachend die weltbekannte Manufaktur. Und sächsisch kann sie selbstredend auch noch. Wenn es sein muss, hat sie ebenso den schwäbischen Dialekt drauf. Nur das rheinische klappt nicht so recht, obwohl sie doch seit Jahren in Köln wohnt und für „Die Anrheiner“, die kölscheste aller Fernsehserien, ebenfalls vor der Kamera gestanden hat. Und dann war da noch die „Lindenstraße“ oder die Rolle der Nachbarin Frau Wolf im „Tatort“. Oder. Oder. Oder. Wenn Uta-Maria Schütze dann in ihrem Aktenordner blättert, um frühere Projekte nachzuschauen, kann es passieren, dass sie durchaus einmal etwas durcheinanderbringt.

Aber eines stellt sie im SÜDBLICK-Gespräch ziemlich schnell klar: Ihre eigentliche Welt ist die Bühne, „auch wenn man im Fernsehen schneller bekannt wird und vielleicht mehr Geld verdienen kann!“ Wohin es sie später im Leben einmal ziehen würde, das wusste die erfolgreiche Mimin schon mit 14 Jahren, als sie nämlich im örtlichen Stadttheater der schönen jungen Maria Stuart beim Herz zerreißenden Abschied zusah, bevor diese zum Schafott geführt wurde. Da flossen auch bei der ergriffenen Schülerin unten im Saal reichlich Tränen. Zuhause stellte sie die dramatische Szene sogleich vor dem Spiegel nach und war überzeugt: „Uta- Maria, das kannst Du auch!“ Schon war es passiert. Selbstredend machte sie auch in der Oberschule beim Laienspielzirkel mit. Mit 16 stand sie erstmals für die berühmte DEFA vor der Kamera. Es folgte eine abgebrochene Buchhandelslehre und die Schauspielausbildung an der renommierten Hochschule Musik und Theater in Leipzig. Am Nationaltheater Weimar hatte die Arzttochter während des Studiums mehrere Auftritte, der Übung halber; es folgte sehr schnell ihr erstes festes Engagement am Theater Meiningen.

Ja und dann, dann geriet die junge Frau in die Mühlen zwischen Liebe und deutsch-deutscher Politik. Sie verliebte sich nämlich in Thüringen in einen Schauspielerkollegen aus Luxemburg, der am gleichen Theater arbeitete. Ein Jahr lang musste sie mit den Behörden um das amtliche „Ja“ zu einer Heirat kämpfen – dann entließ man sie nach etlichem hin und her der gemeinsamen Liebe wegen ins neutrale Österreich. Denn ein Übersiedeln in die „feindliche kapitalistische BRD“ kam für das Regime der DDR nicht in Frage. Mitten im Winter stellte sich die jung Vermählte an vier Tagen an vier Theatern der Alpenrepublik vor – das Landestheater Salzburg gab ihr 1969 den begehrten Vertrag. „In einer verplombten Eisenbahn zog ich mit Geschirr, Möbel, sonstigem Hausrat aus dem Arbeiter- und Bauernstaat aus, in der Tasche einen Pass der DDR und einen von Luxemburg“ erzählt sie. Und auch dies ist ihr in wacher Erinnerung geblieben: „Das wahnsinnige Herzklopfen, wenn ich später wieder einmal in die DDR reiste, um meine Verwandten zu besuchen. Beim Transit über die Grenze dachte ich jedes Mal, hoffentlich geht das gut und du kommst wieder heil raus!“

1971 landete sie dann doch in Westdeutschland, bei den Bühnen der Stadt Köln. Das Staatstheater Hannover, das Stadttheater Aachen, das Theater an der Kö in Düsseldorf, das Schauspiel Essen waren einige der weiteren Stationen. Mal spielte sie die Titelrolle in „Minna von Barnhelm“, mal Hamlets Mutter Gertrude, mal Amalia in Schillers „Räuber“, Marthe Rull in Kleists „Der zerbrochene Krug“ oder die Titelrolle in dem Musical „Kiss me Kate“, um nur einiges zu nennen. Aber am nachdrücklichsten bewegt hat sie die Figur der überaus gestrengen Schwester Aloysius in dem Bühnenstück „Zweifel” von John Patrick Shanley, die sie 40 Mal spielte. Die Inszenierung im Aachener Grenzlandtheater bildete eine überaus spannende Parabel über Kirche, Moral und Missbrauch und wurde als internationaler Filmerfolg mit Meryl Streep 2009 reihenweise mit Golden-Globe- und Oscar-Nominierungen gefeiert. Uta Maria Schütze findet: „Ein großes Thema, das bis heute nichts an Aktualität verloren hat!“ 

Nebenbei fand die viel Beschäftigte noch Zeit, als Dozentin für Rollenstudium an der Schauspielschule des Theaters der Keller in Köln den Nachwuchs zu fördern. Doch warum zieht es sie immer wieder magisch auf die Bretter, die die Welt bedeuten? „Es ist ganz wunderbar, ständig in neue, andere Figuren zu schlüpfen. Wo kann man so seine Emotionen ausleben, Gefühle raus lassen, selbst Wut laut hinausschreien – und wird dafür auch noch bezahlt?“

Es sind dabei die feinen Nuancen, das Hintergründige, was sie fasziniert. Und das Spiel mit der Sprache. Eines möchte sie nämlich nie: „Klischees bedienen. Dagegen will ich viel eher angehen!“ Und deshalb gehört ihre große Liebe auch dem Theater, wo man einen ganzen Abend lang Geschichten mit einer Intensität entwickeln könne, wie sie das Medium Fernsehen so nicht zulasse. 

„Wenn ich manchmal im Fernsehen sehe, was aus Dreharbeiten dann am Ende herauskommt und gesendet wird, bin ich doch immer wieder ganz schön überrascht!“ Und ihr Blick verrät: So etwas kann Dir im Theater nicht passieren!

Uta- Maria Schütze traut sich durchaus vieles zu. Nur eines nicht: „Als Comedian hätte ich wohl kein Talent“. Und auch dies räumt sie freimütig ein: „Einmal musste ich eine Prostituierte in der Zeit der französischen Revolution spielen. Bitte so etwas nie mehr wieder!“ Hat dieser Beruf auch einen Preis? „Naja“, kommt es dann nachdenklich, „eigentlich kann ich nie längerfristig mal Urlaub planen. Denn meist kommt dann wieder ein Engagement dazwischen“. Dabei liebt sie die Bergwelt über alles, sie ist aktiv im Deutschen Alpenverein.

Was wäre wohl aus ihr geworden, wenn nicht das Schauspiel sie so gefesselt hätte? „Vielleicht ein Leben als Naturforscherin, die neue Regionen in der Welt entdeckt und bereist“ kommt es nach kurzem Nachdenken aus ihr heraus. Und dann schränkt sie ein: „Aber wo gibt es heute noch unberührte Natur neu zu entdecken?“

Jetzt lebt Uta -Maria Schütze seit fast acht Jahren in Rondorf. Ausgerechnet an Weiberfastnacht 2012 ist sie hier eingezogen, unterstützt von einem Umzugshelfer, „der sich allerdings sehr beeilt hat, um sich am Nachmittag noch ins Gewühl stürzen zu können, während ich im Chaos meiner Kisten und Kasten da saß“, erinnert sie sich. Dass sie hier im Grünen wohnen kann, hat es ihr angetan. Hier wird sie auch Weihnachten feiern: „aber sehr ruhig – und ohne Kartoffelsalat!“ Auf das große gemeinsame Adventskonzert mit vielen Bewohnern aus Rondorf, Hochkirchen und Höningen in der Kirche Heilige Drei Könige in der Hahnenstraße am Freitag, 20. Dezember freut sie sich ebenfalls sehr und textet schon fleißig an ihren Moderationen. Vorher unterstützt sie noch die Dorfgemeinschaft bei der jährlichen großen Haussammlung. Es kann also sein, dass es demnächst bei Ihnen zuhause klingelt – und die Frau mit der Spendendose kommt ihnen irgendwie bekannt vor.

Ach so, Sie wollen noch wissen, was am 11. Dezember mit Uta-Maria Schütze im ZDF passiert? 

So viel sei hier schon verraten: Ein Mann wird vor seinem Kiosk von einem Vermummten zusammengeschlagen. Auf der Suche nach dem Täter lernt Kommissar Heldt die Mutter des Opfers kennen, Alberta Schmäle, dargestellt von Uta Maria-Schütze, die in diesem ZDF-Vorabendkrimi nach einem schweren Schlaganfall selbst pflegebedürftig ist. Und schon sind die Zuschauer mittendrin im Betrug in der Heimpflege. Der Fall nimmt immer größere Dimensionen an. Bald schwebt auch ein Arzt in Lebensgefahr! Doch sehen Sie selbst …

Und warum hat sich das ZDF für Uta-Maria Schütze entschieden, die in diesem TV- Drama als Beispiel steht für pflegebedürftige Menschen, denen oft nicht genug Zeit geschenkt werden kann und die oft einfach „ruhig gestellt werden“? Die Antwort der Produktionsfirma ist ein wunderbares Kompliment für die starke Charakterdarstellerin: „Wir haben uns für Uta-Maria Schütze in dieser Rolle entschieden, weil sie trotz der zu spielenden Bettlägerigkeit eine große Präsenz hat und viel Wärme ausstrahlt, was für unsere Titelfigur „Heldt“ wichtig ist, um an das Thema nah heranzukommen!“ 

Nah an die Zuschauer heranzukommen, das könnte auch das Lebensmotto dieser beliebten Schauspielerin mit den vielen Facetten sein.

Einer von uns: Berno Huber

Seit drei Jahren ist Berno Huber der umtriebige Kopf der Dorfgemeinschaft. Mitte Oktober wurde er für zwei weitere Jahre in seinem Amt bestätigt. „Gemeinsam für unser Veedel“ ist seine Devise, mit der er mal leidenschaftlich, mal leise für die Interessen der Bürgerinnen und Bürger von Rondorf, Hochkirchen und Höningen kämpft. Vieles hat er erreicht. Doch jetzt stehen neue Projekte und Herausforderungen bevor. Dafür sucht er weitere Mitstreiter. 

Berno Huber hat eine große Stärke: Er ist ein guter Zuhörer. Wenn er unterwegs in seinem Veedel ist, wird er fast immer an der nächsten Straßenecke auf dieses Alltagsproblem und jenes lokale Thema angesprochen. Obwohl er meist in Eile ist, die Termine drängen, hört er sich alles in Ruhe an – und sagt vielleicht erst einmal gar nichts. Aber in seinem hellen Blick ist sofort zu erkennen, wie er jede Frage, jeden Gedanken seines Gesprächspartners aufnimmt. Und am Ende der spontanen Begegnung kommt dann zumeist ein knappes, aber bestimmtes „Ich kümmere mich drum!“. Dann können kommunale Mandatsträger, Abgeordnete, städtische Mitarbeiter oder andere „Zielpersonen“ zuverlässig damit rechnen, dass schon sehr bald ein Brief oder eine E-Mail bei ihnen eintreffen. Und die beginnen dann meist sehr ähnlich: „Wie ich gehört habe …“. Manchmal ist der Unterton allerdings auch etwas drängender: „Warum gibt es noch immer keine Entscheidung …“. 

Der passionierte Handballer lacht. „Eigentlich hat unsere Dorfgemeinschaft ja gar keine unmittelbare Macht, irgendetwas zu entscheiden. Wir können immer nur drängen, mahnen, darauf hinweisen. Aber irgendwie scheint gerade das unsere Stärke zu sein. Weil wir unabhängig sind, nicht irgendwelchen Interessen verpflichtet, werden wir gehört und mit unserer Stimme beachtet. Und je mehr Bürger Mitglied der Dorfgemeinschaft werden, desto nachdrücklicher können wir auftreten“. Was Berno Huber allerdings gern verschweigt: Er hat inzwischen mit seinem Vorstandsteam ein exzellentes Netzwerk aufgebaut und schafft es, selbst die Oberbürgermeisterin zu einem Gespräch nach Rondorf zu holen, wenn es ihm wichtig ist.

Und was treibt den 59jährigen für dieses Ehrenamt an? „Ich spüre sehr stark, dass in unserer zunehmend komplizierter werdenden globalen Welt für den einzelnen Bürger Nachbarschaft, Nähe und Heimat immer wichtiger werden. Genau da wollen wir mit unserer gemeinsamen Arbeit ansetzen. Ich denke, die Idee unserer Dorfgemeinschaft ist vor diesem Hintergrund heute sogar noch aktueller als vielleicht zu früheren Zeiten“, sagt Berno Huber. Er denkt dabei als Beispiel an Veranstaltungen wie das traditionsreiche Brunnenfest am Vorabend des 1. Mai, das in diesem Jahr so gut besucht war wie nie zuvor. Er verweist auf die „Bürgerwerkstatt“, in die viele Engagierte aus der Bevölkerung ihre Ideen eingebracht haben, wie das Wohngebiet in wenigen Jahren aussehen könnte oder sollte. Er verhehlt nicht seinen Stolz darauf, dass es gelungen ist, in dieser „Bürgerwerkstatt“ mit mehreren Arbeitsgruppen Fachleute zu versammeln, die in vielen Monaten intensiver Diskussion ein eigenes Konzept entwickelt haben, wie aus der „Schlafstadt“ ein „lebenswertes Veedel“ werden kann. 

Dazu gehört die Idee eines attraktiven neuen Dorfplatzes, der künftig den lebendigen Mittelpunkt des gewachsenen Wohngebietes bilden soll – als gelungene Verbindung des bisherigen Stadtteils mit dem Neubaugebiet. Von dieser mutigen Idee auch die Planer von Rondorf Nordwest zu überzeugen, ist eine seiner nächsten großen Aufgaben. „Wir sollten bei dieser Entscheidung aus den Erfahrungen und Fehlern anderer lernen. Nur wenn wir für diesen Dorfplatz den richtigen Standort wählen, kann er auch das neue Herz unseres Veedels werden. Der Platz muss deshalb mit einem publikumswirksamen Umfeld da entstehen, wo sich auch das Leben abspielt“, betont Berno Huber mit großem Nachdruck. Deshalb will er mit Unterstützung der Bürger für dieses Vorhaben mit Entschlossenheit kämpfen. „Mit unserem sehr ausgereiften Konzept können wir selbstbewusst und mit klaren Zielvorstellungen in alle Gespräche gehen, die sicher nicht immer einfach werden“.

Seine große Vision lautet: Wir sollten alle gemeinsam das neue geplante Wachstum mit mehr als 4.000 zusätzlichen Wohnungen konsequent nutzen, damit unser Veedel noch deutlich lebenswerter wird. Da gibt es viel zu tun, vor allem die mangelhafte Verkehrsentwicklung und die unzureichende Infrastruktur müssen energisch angepackt werden. Auf diesem Weg wollen wir die gesamte Bevölkerung mitnehmen!“. Fachleute nennen diese moderne Form der Bürgerbeteiligung bereits anerkennend „Das Rondorfer Modell“: Erst die Bürger fragen, dann gemeinsam planen ….

„Ich spüre in unserem Wohngebiet insgesamt schon eine gewisse Aufbruchsstimmung, das beflügelt uns“, konstatiert Berno Huber mit Freude. Er gehörte zu jenen, die schon sehr früh erkannt haben, dass das durchaus umstrittene Großprojekt Rondorf Nordwest nicht nur Risiken, sondern auch Chancen bietet. Genau die will er zielstrebig nutzen: Für eine deutlich verbesserte Verkehrssituation, neue Mobilitätskonzepte, mehr Schulen und Kindergärten, ein besseres Freizeit- und Sportangebot, größere Einkaufsmöglichkeiten und eben einen neuen Marktplatz als lebendigen Ortsmittelpunkt. 

Aber auch unabhängig davon ist seine Wunschliste groß: „Für unsere Jugendlichen brauchen wir einen eigenen Raum der Begegnung und Freizeitgestaltung. Aber auch unsere Vereine beklagen immer wieder heftig, dass es an einem Bürgerzentrum fehlt für Treffen und größere Veranstaltungen“, sagt der gelernte Kaufmann und Finanzexperte.

Um dies alles zu schaffen – genau hierfür braucht die Dorfgemeinschaft noch mehr Unterstützung durch aktive Mitglieder.

An einem zentralen Punkt lässt Berno Huber nicht locker: „Gebaut werden darf Rondorf Nordwest erst dann, wenn auch die Infrastruktur stimmt. Wir brauchen eine Planung aus einem Guss“, lautet sein beständiges Credo. Und auch dies vergisst er bei kaum einer Rede zu sagen: „Wir müssen darauf achten, dass die gewachsenen Strukturen, die den besonderen Charakter und Charme unseres Veedels ausmachen, nicht verloren gehen, wenn in den kommenden Jahren ein ganz neues Wohngebiet dazu kommt. Es muss gelingen, Altes und Neues gut miteinander zu verbinden“. Immerhin ist „Rumenthorp“, wie die Siedlung ursprünglich einmal hieß, ein gewachsener Ort mit großer Tradition – die ersten Bauern siedelten sich hier schon im 6. bis 8. Jahrhundert an.

Hinter verschlossenen Türen, wenn es um solche Zukunftsfragen geht, kann der stets joviale 1,92-Meter-Mann auch durchaus deutlich werden, wenn die Dinge nicht entschlossen genug vorangehen. Die freundlichen Augen blitzen dann auf einmal ziemlich herausfordernd. 

Gewählt wurde Berno Huber in die ehrenamtliche Aufgabe des Vorsitzenden der Dorfgemeinschaft Rondorf, Hochkirchen, Höningen im August 2015 als Nachfolger des 2016 verstorbenen Ehrenvorsitzenden Josef Peter Nägel, der Jahrzehnte mit großer Tatkraft diese lokale Interessensvertretung unterstützt und maßgeblich geprägt hat. Inzwischen hat ein neuer Abschnitt begonnen: Seit 18. Dezember 2017 ist die „Dorfgemeinschaft“ als Verein beim Amtsgericht Köln eingetragen. „Das hat viele Vorteile“, erklärt Berno Huber, „denn damit bieten wir künftig nicht nur unseren Mitgliedern eine bessere Möglichkeit zur Mitwirkung, sondern können uns noch breiter aufstellen und uns für die Interessen unserer Bürgerinnen und Bürger noch intensiver einsetzen“.

Und da gibt es für ihn, sein siebenköpfiges Vorstandsteam und die derzeit rund 130 Personen, die als Einzel- oder Familienmitglieder die Anliegen der Dorfgemeinschaft unterstützen, vieles zu tun. Der Katalog der Aufgaben ist jetzt schon eindrucksvoll lang. Berno Huber liegen nicht zuletzt die Interessen der älteren Mitbürger sehr am Herzen, zum Beispiel mehr seniorengerechte Wohnangebote. Sichere und saubere Wege, gepflegte Grünanlagen, die Unterstützung von Kultur und Sport sind weitere Arbeitsschwerpunkte. Um dies alles zu fördern, findet jedes Jahr im November eine Haussammlung statt. „Aber dies wird von Jahr zu Jahr schwieriger, weil sich die Wohn- und Lebensbedingungen im Laufe der Jahre geändert haben“, räumt Berno Huber ein. Doch damit die erfolgreiche Arbeit weiter fortgesetzt werden kann, ist die Dorfgemeinschaft mehr denn je auf großzügige Spenden angewiesen.

Bleibt dem leitenden Mitarbeiter im Finanzbereich eines Unternehmens für Netzwerktechnik neben diesen vielfältigen Aktivitäten noch Zeit für Hobbies? Er lacht: „Wenigstens gelingt es mir ab und zu, mich mit guten Freunden bei einem Glas Wein oder einem frischen Kölsch in meinem Lieblingslokal zu treffen“. Allerdings bleibt ihm für seine vielen anderen ehrenamtlichen Aufgaben zunehmend weniger Zeit. Berno Huber will sich, nachdem er Mitte Oktober wiedergewählt wurde, deshalb noch mehr auf die Arbeit in der Dorfgemeinschaft konzentrieren und andere Verpflichtungen dafür aufgeben. Denn oberster Lobbyist des Veedels mit seinen derzeit 10.000 Einwohnern zu sein, das ist fast schon ein Fulltime-Job.

Einmal im Monat, am ersten Mittwoch, trifft sich Berno Huber mit seinen Vorstandsmitgliedern der Dorfgemeinschaft, um über Themen und Strategien zu reden. „Ich freue mich sehr, dass sich zu unseren Meetings immer öfter auch Gäste anmelden, um mit uns spezielle Vorschläge oder Anliegen zu diskutieren. Dieser Austausch macht unsere gemeinsame Arbeit so lebendig“ betont er. 

Gibt es Dinge, die ihn richtig ärgern können? „Ja“, sagt er, „wenn wir immer wieder über die gleichen Anliegen verhandeln, dann erst Versprechungen bekommen, aber nichts passiert. Wie zum Beispiel der Spielplatz am Weißdornweg, auf den wir schon seit drei Jahren warten“. Und was wünscht sich Berno Huber am meisten für die Zukunft? „Es wäre phantastisch, wenn sich noch mehr Bürger mit ihren Erfahrungen und Kenntnissen als Mitglieder in unsere Arbeits- und Projektgruppen einbringen würden. Denn jeder, der bei uns mitmacht, erhöht unsere Durchschlagkraft. Das sollte einen Mitgliedsbeitrag von zwei Euro im Monat wert sein.“ Er zeigt sich auch hier optimistisch: „Wie schon gesagt: Heimatbewusstsein ist auf dem Vormarsch“. Sagt`s und braust fröhlich mit seinem roten BMW-Roller noch eine Runde um sein „Dorf“. Bis zu nächsten Ecke, wo ihn bestimmt wieder jemand anspricht…. So erreichen Sie Berno Huber: info@dorfgemeinschaft.koeln

Einer von uns: Marc Kevin Göllner

Mit seinem Markenzeichen, dem umgedrehtem Baseball-Käppi, stürmte Marc Kevin Goellner in den 1990er Jahren die Tennis-Weltrangliste. Er feierte als Profi 14 Jahre lang im internationalen „Tenniszirkus“ große Erfolge, konnte sechs ATP-Tour-Titel einfahren, holte olympisches Bronze und 1993 gleich in seiner Debutsaison für Deutschland den begehrten Davis Cup. Heute bietet er in seiner eigenen Tennisakademie in Hochkirchen professionelles Training und Unterstützung auf dem Weg nach oben an. Doch der Standort muss voraussichtlich Straßenplanungen weichen. Dem SÜDBLICK verriet „MKG“, wie es mit dem beliebten Leistungszentrum dann weitergehen soll. 

Wir treffen den 1,97-Meter-Mann auf dem gepflegten roten Court, der für ihn fast schon zum Wohnzimmer geworden ist. Braungebrannt, als käme er gerade vom Urlaub. Auch heute noch ist Marc Kevin Goellner fast jeden Tag und beinahe zu jedem Wetter hier. Denn er hat sein Hobby zum Beruf gemacht und lacht: „Gibt es etwas Schöneres? Ich freue mich jeden Tag neu, hier weiter Tennis spielen zu können!“

2011 hat der Champion der schnellen Bälle auf dem Großrotter Hof seine eigene Tennisakademie gestartet – und zieht nunmehr zufrieden Bilanz: „Der Schritt hat sich definitiv gelohnt“. Die Anlage ist von morgens früh bis spät in die Nacht fast komplett ausgebucht und kaum noch ausreichend für die wachsenden Ansprüche. Denn Goellners Trainingskonzept kommt bestens an. Für alle Altersgruppen, für alle Leistungsklassen hat er ein spezielles Angebot. Erste Frage: Was macht einen guten Tennisspieler aus? Die Antwort kommt schnell: „Ehrgeiz, hohe Konzentration, Freude am Spiel. Talent natürlich auch, aber dies kann viele Facetten haben!“

»Be professional!« lautet Goellners Erfolgsmotto. Und er erklärt: „Ein bisschen Profi geht nicht, Du musst das Projekt schon hoch professionell anpacken!“ Dabei hat er erkannt: „Hier lernen schon Kinder und Jugendliche Disziplin, Charakter und Durchhaltewille. Das alles sind Tugenden, die später auch im beruflichen Leben den Erfolg ausmachen“.

Über seine heutigen Aktivitäten erzählt er ganz freimütig: „ Ich habe in meiner Karriere auch Fehler gemacht. Die Jugendlichen sollen heute lernen, wie man solche Sachen vermeidet.” Welche Fehler? „Ach“, sagt er lachend, “Es reicht, wenn die Jugendlichen sie kennen.” Hier, herrlich im Grünen stellt Marc Kevin Goellner ambitionierten Tennisspielerinnen und -spielern ein Netzwerk zur Verfügung, welches sämtliche Möglichkeiten abdeckt. Dies beginnt bei kostenlosen Try-Out-Days.

Ganz besonders stolz ist der einstige Weltklassespieler auf sein Trainings- und Spielangebot für Kids ab vier Jahren. „Im Mittelpunkt steht hierbei ein spezielles Kinder-Tennisprogramm, welches mit einem durchdachten Konzept professionell und mit viel Spaß schnelle Lernerfolge verspricht“, erklärt „MKG“. Er sagt aber auch: „Es ist kein Zuckerschlecken, Profi zu werden. Denn das heißt zum Beispiel, nach einer Niederlage sofort wieder alles zu geben!“ Wer Marc Kevin Goellner zuhört, spürt nicht nur seine Freude am Sport, sondern auch seinen nach wie vor ungebremsten Ehrgeiz. „Einmal ein Talent unter die zehn besten der Welt zu begleiten, das wäre schon was“, sagt er mit breitem Grinsen im Gesicht. 

Dann erzählt er von seinem Herzensprojekt: Er ist Botschafter für das Rollstuhl-Tennis. „Was diese Menschen trotz Handicap auf dem Platz schaffen, fasziniert mich immer wieder aufs Neue. Am meisten berührt mich dabei die Leichtigkeit, mit der sie trotz aller Probleme das Leben genießen! Das ist beispielhaft“.

Ihn selbst nannte die Presse in seiner Profi-Zeit „Baby Bum Bum“. Denn mit seiner starken rechten Spielhand besiegte der heute 48jährige unter anderem dreimal den mehrfachen Wimbledon-Sieger Stefan Edberg sowie weitere Tennislegenden wie Ivan Lendl, Michael Stich, Mats Wilander …. Mit seinen Big Points brachte er es in die Top 30 der ATP-Weltrangliste. Einer der Höhepunkte seiner steilen Karriere: Im Doppel holte er gemeinsam mit David Prinosil die Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta. Sein größter Triumph jedoch war sein Finalsieg gegen Ivan Lendl 1993 in Nizza, sein erster Einzeltitel. „Und den Sieg im Daviscup kann uns auch keiner mehr nachmachen, weil es dieses Turnier so nicht mehr gibt“ schaut er zufrieden zurück. Immerhin: Acht Jahre lang lief er im bedeutendsten Mannschaftswettbewerb der Welt mit dem Adler auf der Brust auf. Knapp zwei Millionen Euro Preisgeld verdiente „MKG“ in seiner Karriere, die er 2005 beendete – seiner Familie zuliebe, für die er mehr Zeit aufbringen wollte.

Und was ist im „internationalen Tenniszirkus“ das Schwierigste? „Vielleicht das Heimweh“, hat er von so manchem erfahren. Nur er selbst hat dieses Gefühl so eigentlich nie gekannt, ist er doch viel in seinem Leben umgezogen: Geboren 1970 in Rio de Janeiro, wuchs er in Brasilien als Sohn eines Diplomaten auf. Weiter ging es nach Tel Aviv in Israel, dann nach Sydney in Australien und Recife in Brasilien. Erst mit 16 Jahren kam er nach Deutschland.

„Köln ist eine geile Sportstadt“, sagt er heute. Hier wohnt er im beschaulichen Stadtteil Widdersdorf in jenem Neubaugebiet, das manche als Vorbild, andere als abschreckendes Beispiel für das Projekt „Rondorf-Nordwest“ sehen. Wie ist seine eigene Meinung dazu? „Widdersdorf ist im Ganzen gut gelungen“ hält er der Kritik entgegen – und sieht auch die Pläne für Rondorf positiv: „ Die Vision, die dort entwickelt wird, ist richtig!“ Dieser Optimismus mag erstaunen, denn wenn die Pläne der Stadt Köln in den kommenden Jahren Wirklichkeit werden, könnte dies auch das „Aus“ für seine Tennis-Akademie am jetzigen Standort bedeuten. Das Gelände wird nämlich aller Voraussicht nach gebraucht für die geplante, viel diskutierte Umgehungsstraße. Bis Ende des Jahres rechnet der Tennisprofi dazu mit einer Entscheidung der Stadt Köln. Und dann? Da er täglich zwischen seinem Wohnort und der Tennis-Akademie hin- und herpendelt, kennt er die Verkehrsprobleme rund um Rondorf und Hochkirchen bestens aus eigener Anschauung. Er zeigt deshalb Verständnis für eine neue Entlastungsstraße und gibt sich im SÜDBLICK-Interview gesprächsbereit: „Wenn wir zu einer gemeinsamen guten Lösung kommen, bin ich dafür offen“. Klar, in seine Tennisakademie hat der Erfolgssportler viel Herzblut, Energie und auch Geld gesteckt. Und er möchte deshalb, dass es auf jeden Fall weitergeht. Dann eben an einem neuen Standort, aber auf alle Fälle in Rondorf, ist sein Wunsch. „Sollten wir neu bauen, wäre es gut, größer zu denken und für Sport, Wellness, Gesundheitsversorgung gemeinsam ein großes neues Dach mehrerer Partner zu schaffen“ denkt er schon einmal weit voraus. Er glaubt, die lokale Unterstützung für diese Idee hinter sich zu haben. Er denkt an die Schulen, die kein Schwimmbad in der Nähe haben, an die Vereine im Kölner Süden, die Trainingsmöglichkeiten brauchen. An Gesundheitseinrichtungen, die derzeit fehlen. Vorteil Goellner. 

Freizeit gibt es für ihn nach wie vor nur wenig. Wenn es möglich ist, fährt er Ski. Doch momentan steckt er mitten in den Vorbereitungen für sein nächstes Projekt, die diesjährige »Marc-Kevin Goellner Herbstreise« in den Robinson Club Kyllini Beach als sportorientierter Urlaub für die ganze Familie in den Herbstferien vom 11. bis 25.Oktober 2019. Wer mitmachen will: Telefon: 02861/896520; Email: info@mundm-reisecenter.de) 

Kontakt: Marc-Kevin Goellner Tennis-Akademie, Großrotter Weg 33 | 50997 Köln, Tel.: Telefon: 0151/23064308, E-Mail: info@mkgoellner.de