Eine von uns: Ulla van der Poel

Hier ist immer was los. So viel, dass für Jubiläumsvorbereitungen kaum Zeit ist: Anfang 2021 wird das „Haus der Familie“ in der Reiherstraße zehn Jahre alt – und ist aus dem gesellschaftlichen Leben des Wohngebietes nicht mehr weg zu denken. Der Motor hinter der Erfolgsstory hat einen Namen: Ulla van der Poel. Neuestes Projekt ist ein tolles gemeinsames Fest für Familien, Nachbarn, Vereine am 20. Juni unter dem Motto: „Ein Dorf – ein Tisch“. 

„Die Idee für das Haus ist eigentlich aus einer Notlage heraus entstanden. Als in den 90er Jahren immer mehr junge Familien nach Rondorf kamen, fehlte dort vieles. Es gab vor allem keine Betreuungsangebote für die Kinder nach dem Schulunterricht, keinen Raum der Begegnung für Jugendliche, kaum Möglichkeiten für alte und neue Bewohner, sich zu treffen“, erinnert sich Ulla van der Poel noch ganz genau an die mühevollen Anfänge. Denn sie selbst erlebte diese Probleme hautnah; sie zog 1995 nämlich ebenfalls nach Rondorf und suchte für ihre beiden Söhne dort verzweifelt nach einer Übermittagsbetreuung. „Also packte ich selbst an und gründete 2002 mit einigen Mitstreitern den gemeinnützigen Verein Haus der Familie“.

Was als Provisorium an zunächst verschiedenen Standorten entstand, wurde im Laufe der Jahre eine richtige kleine Firma, die inzwischen neun feste Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zählt. „Der Beschluss im Jahre 2009, ein modernes Nachbarschaftshaus für generationenübergreifende Begegnung zu bauen, war schon ein bisschen kühn. Und ohne die GAG als Grundstückseigentümer und Bauherr und ohne die Unterstützung seitens des Jugendamtes der Stadt Köln hätte es wohl auch nicht so gut geklappt“, erinnert sich die umtriebige Frau, die hauptberuflich bei der Deutschen Welle arbeitet, auch heute noch dankbar an die Pionierzeit.

Denn seit dem Einzug in das jetzige Gebäude Anfang 2011 haben sich immer mehr Aktivitäten entwickelt. So treffen sich von montags bis freitags viele Jugendliche in der offenen Jugendeinrichtung „eins2null“ zum Spielen, Musikmachen, kreativer Freizeitgestaltung. Oder auch zum Mitternachtsfußball in der Turnhalle der Grundschule an der Adlerstraße. Weitere wöchentliche Angebote des Vereins sind der Gesundheitssport Ü50 und das Begegnungscafé. Regelmäßige Angebote gibt es in den gemütlichen Räumen mit einer modernen Küche in der Reiherstraße ferner für Frauen, die untereinander Kontakt und Austausch suchen. „Der Spieleabend für Frauen immer am letzten Sonntag im Monat ab 18:00 Uhr zum Beispiel bedeutet nicht nur Spaß bei Karten- oder Brettspielen, sondern auch, miteinander zu reden und zu lachen, sich kennenzulernen und voneinander zu lernen“, erläutert Ulla van der Poel. 

Die Kleinsten von 0 bis drei Jahren wiederum finden in der Kita „Pünktchen“ in der Kolberger Straße eine liebevolle Betreuung. Hier hat die Immobilien-Firma Langemann zwei Wohnungen in einem Mehrfamilienhaus umgebaut und an den Verein vermietet. Ulla van der Poel managt dies alles als Vorsitzende ehrenamtlich seit 2004. Und hat mit sehr viel Elan mit ihrem sechsköpfigen Vorstandsteam sowie weiteren Engagierten immer neue Projekte realisiert: Die Ackerparty im Herbst, die nagelneue Jugendhütte auf dem Ackerparty-Gelände an der Talstraße, Ferienangebote, Mitsingkonzert, Filmabend, Adventsnachmittag, Silvesterfeier, Kurse, Seminare … und, und, und … Auch die Idee eines Mehrgenerationenwohnhauses, das im Neubaugebiet Rondorf Nordwest entstehen soll, unterstützt sie derzeit als Mitglied des Aufsichtsrates vom Hof der Familie eG i.G., einer jungen Genossenschaft. 

Jetzt ist wiederum eine neue Idee in Planung. „Wie können wir Nachbarschaften, Vereine, lokale Initiativen noch besser miteinander vernetzen?“ fragten wir uns im Vorstand. „Denn der Stadtteil wächst immer weiter. Und da sind gute Kontakte untereinander das Wichtigste“. „Ein Dorf – ein Tisch“ heißt daher die neue Einladung, die sich an alle richtet. Wenn sich genügend Interessierte anmelden, könnte daraus wiederum eine schöne Tradition werden. „Aber auch hier fangen wir erst einmal mit dem ersten Schritt an. Und aller Anfang ist zunächst bekanntlich noch klein“, weiß Ulla van der Poel aus langjähriger Erfahrung. 

Das Konzept klingt indes verlockend: Alle Personen, die mitwirken wollen bei diesem gemeinsamen Event von Haus der Familie und Dorfgemeinschaft, richten an diesem Tag ab 17:00 Uhr ihren reservierten Tisch für ihre Gästerunde aus Familie, Nachbarn, Vereinsmitgliedern festlich ein. Dann wird gemeinsam gegessen und gefeiert, jeder bringt etwas Kulinarisches mit. Ebenso sollen die Tische von den angemeldeten Teilnehmern fantasievoll ausgeschmückt werden unter dem Thema: Sommerträume – Traumsommer. Eine Jury wird die schönsten Tische küren und auszeichnen. Jeder, der dabei sein möchte, kann sich ab jetzt kostenfrei anmelden.

Zum 10. Geburtstag des markanten Gebäudes Anfang kommenden Jahres hat Ulla van der Poel einen großen Wunsch: „Noch mehr vor allem junge Familien sollten bei unserem Verein Mitglied werden und unsere Projekte unterstützen. Denn nur wenn die Bürgerinnen und Bürger selbst aktiv werden, kann sich gesellschaftliches Zusammenleben gut entwickeln“, ist sie überzeugt. „Wir wollen auch in Zukunft beweglich und bewegend bleiben durch Menschen, die Lust haben, mitzugestalten!“ fügt sie hinzu. Damals, im Bauboom der neunziger Jahre, hieß der Leitgedanke für das „Haus der Familie“, Raum zu schaffen für Begegnung und Miteinander. Jetzt, da Rondorf in den kommenden Jahren wiederum eines der größten Kölner Zuwachsgebiete wird, ist diese Idee aktueller denn je. 

Das „Haus der Familie“ startet somit in seine nächste Phase. Ulla van der Poel bleibt weiter mit an Bord, „denn, wenn man bereit ist, sich auf ein Engagement für diesen Ort einzulassen, ist es wunderbar, hier zu leben!“

Mehr Infos: www.hdf.koelnwww.hdf-eg.koeln

Sie wollen bei der Veranstaltung „Ein Dorf- Ein Tisch“ am 20. Juni dabei sein? Melden Sie sich kostenlos hier an 

Eine von uns: Anastasia Dimitriou

Sie setzen im Veedelszoch am Rosenmontag einen ganz besonderen Farbtupfer, die rund zwei Dutzend Tänzerinnen und Tänzer der griechischen Folkloregruppe der „Thessalicher“. Wenn sie bunt, laut, fröhlich durch den Festzug wirbeln, ist die ganze Straße eine einzige Partymeile. Trainerin Anastasia Dimitriou will auch diesmal traditionelle Volkstänze mit kölscher Musik verbinden.

Aufgeregt? „Warum sollten wir aufgeregt sein? So etwas kennen wir gar nicht“ gibt die junge Griechin mit Kölner Wurzeln charmant zurück. „Aber wenn wir uns dann zum Zoch unter der Rodenkirchener Brücke aufstellen, ist die Vorfreude bei allen riesig“. Anastasia Dimitriou ist die Präsidentin und zugleich Trainerin der Tanzgruppe des Kulturvereins der Thessalicher in Köln. Zum zweiten Mal werden sie am 24. Februar bei der närrischen Parade von Hochkirchen nach Rondorf dabei sein und mit ihrer aufwendig verzierten roten Tracht, deren Ursprünge ins 18. Jahrhundert zurückreicht, ein ausgefallenes Stück heimische Folklore in den Kölner Fastelovend bringen. Drei Gruppen umfasst ihre Formation: Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Der Jüngste ist gerade mal drei Jahre alt. Und während andere Tanzformationen über mangelnden Nachwuchs klagen, ist bei dieser Gruppe das Interesse unverändert hoch. „Momentan läuft es richtig gut“, erfahren wir. Ja, sogar Mitglieder aus anderen Nationen haben sich inzwischen angeschlossen; sie kommen zum Beispiel aus Italien, Portugal oder gar dem afrikanischen Raum. Sie alle lockt das Besondere. „Pentozali oder Kotsari sind keine leichten Tänze, da muss man schon fleißig üben“, lacht Anastasia. Denn es sind vibrierende Tänze mit allerlei hohen Sprüngen. Und wie schwer ist es, die einzelnen Schritte sicher zu beherrschen? „Oh, das kommt ganz auf den Tänzer an“, gibt sie diplomatisch zu verstehen.

Deshalb wird jede Woche fleißig trainiert. Immer am Sonntagabend treffen sich Groß und Klein im „Haus der Familie“ in der Reiherstraße – und dann gibt die BWL-Studentin das Kommando vor. Es ist laut, es wirbelt wild durcheinander; es dauert eine Zeit, bis jeder den richtigen Schritt, den richtigen Rhythmus gefunden hat. Allerdings: In dieser Vereinigung geht es nicht nur um professionelles Bewegen, es wird auch viel gefeiert und noch mehr gelacht. So steht schon bald das nächste große Ereignis an: Am 25. März begehen die Griechen ihren Unabhängigkeitstag und das wird ebenfalls mit Tanz, Livemusik, Gedichten gefeiert. Und da sind die Frauen (viel) und Männer (wenig) wieder kräftig mit auf den Beinen.

Anastasia erzählt aus ihrer Heimat. Thessalien war die größte Region im antiken Griechenland und liegt im Norden des Landes. Musik und Tanz knüpfen heute noch an eine reiche Tradition an, die voller mykenischer Legenden ist. Wer kennt nicht den höchsten und berühmtesten griechischen Berg, den Olymp? Oder das Orakel von Delphi? „Jeder Tanz hat seine eigene Geschichte. Und ebenso jedes Ereignis. Am spektakulärsten sind die Hochzeitstänze, aber auch für traurige Ereignisse gibt es Tänze“ berichtet sie in einer Trainingspause. Das populärste Instrument ihrer Heimat ist die Klarinette, dies prägt vielfach auch die Musik.

Mehr als 7600 Griechen leben derzeit in Köln. Davon gehören rund hundert Familien im Kölner Süden zum Kulturverein der Thessalicher. Als die ersten von ihnen an den Rhein kamen, gründeten sie ein regelmäßiges Treffen für Menschen, die fern von der Heimat den Zusammenhalt pflegen wollten. „Aber für die junge Generation von heute waren diese Veranstaltungen bei Kaffee, Kuchen und voller Nostalgie etwas langweilig, wir suchten nach etwas Neuem“, erzählt die junge Frau, die selbst in Köln geboren wurde. Und so entstand vor rund zehn Jahren die Idee, eine Tanzgruppe zu gründen. Der Erfolg gab ihnen recht. Momentan sind zwei Dutzend Tänzerinnen und Tänzer aktiv dabei.

Und was bedeutet es für sie, am Rosenmontag beim Veedelszoch aufzutreten? „Wir sind Kölsche Jecke durch und durch“, gibt die Präsidentin lachend zu verstehen. Auch in Griechenland wird fröhlich Karneval gefeiert, „aber an Köln kommt da nichts ran“. Im letzten Jahr wurde mitten auf der Rodenkirchener Straße auch Sirtaki getanzt. Und was steht diesmal für den 24. Februar auf dem Programm? Da wird Anastasia sehr professionell: „Lassen Sie sich überraschen“, sagt sie mit einem Augenzwinkern. 

Doch bis zu dem großen Augenblick gibt es noch Einiges zu tun. „Aber alle packen mit an“, strahlt sie in die Runde ihrer Tänzerinnen und Tänzer. Dann geht es weiter. Mit Koftos: Hopp auf dem linken Bein, rechte Hacke vor linker auf dem Boden aufstellen, Schritt mit rechts seitwärts nach rechts und immer so weiter … Oder Sta Tria im 4/4 Takt. Oder Kalamatianos, der aus zwölf Schritten besteht. Kein Fest ohne ihn! Der Fastelovend kann kommen

Einer von uns: Paul Link

Architekt der schönen Künste, so nennen ihn manche, teils bewundernd, teils mit leichtem Unterton, denn Paul Link ist der inspirierende Kopf hinter einem „Kulturtempel“, der für ganz Köln außergewöhnlich ist. Er lockt seit fast 30 Jahren internationale Künstler ebenso wie regionale Newcomer zu ausgewählten Konzerten, Ausstellungen, Lesungen in sein „Kirchenatelier“ in der Rondorfer Hauptstraße. Auch für das neue Jahr hat er viele Pläne. Und im Januar steht zudem ein stolzes Jubiläum an.  Wie es zu diesem viel beachteten Juwel im Kölner Süden kam? Paul Link hat es dem SÜDBLICK erzählt.

Der heute 63jährige ist ein kenntnisreicher Unterhalter. Und so holt er weit aus: „Die Ursprünge des außergewöhnlichen Bauwerkes reichen zurück ins Jahr 1899“. Damals beschloss der Rondorfer Kapellenbauverein, schräg gegenüber der heutigen Pastorats Straße ein neues Gotteshaus zu errichten, weil die Kapelle am Büchel Hof zu klein geworden war. „Und so entstand hier der letzte Kölner Sakralbau mit noch echt gemauertem Gewölbe“ lobt Paul Link die einschiffige Hallenkirche in neugotischer Form aus Ziegelstein.

Die reich verzierte Kapelle überstand sogar beide Weltkriege – auch wenn das Chorgebäude nach 1945 erneuert werden musste. „1957 wurde der markante Bau um einen mächtigen Turm mit vier Glocken erweitert. Er gilt heute als weithin sichtbares Wahrzeichen von Rondorf“ erzählt er bei einem Rundgang. Doch 30 Jahre später erwies sich dieses katholische Gotteshaus erneut als zu klein und die Pfarrei Heilige Drei Könige realisierte einen Neubau an der Hahnenstraße. 

Der Rest ist ein bisschen Zufall. Denn eines Tages entdeckte Vater Rolf Link, renommierter Baumeister und Kirchenrestaurator, eine kleine Anzeige: „Kirche zu verkaufen“. Er war allerdings nicht der einzige, der sich für das wertvolle historische Objekt interessierte. Im Gegenteil: Die Verkaufsverhandlungen mit einem Mitbewerber waren schon so gut wie abgeschlossen. Doch dann bekamen die Kirchenoberen kalte Füße, weil man dem potenziellen Erwerber Nähe zu einer Sekte nachsagte. Der Deal platzte.

„Meine Familie war sich sehr rasch einig, solch ein Schmuckstück darf nicht verloren gehen, denn es war inmitten all der Jahrhundertkatastrophen auch so etwas wie das moralische Gewissen der Gemeinde geworden“, erinnert sich Paul Link, der gemeinsam mit seinem Vater Rolf und seinem Bruder Martin 1983 ein gemeinsames Architekturbüro begründet hatte. Sie bekamen den Zuschlag durch das Erzbistum allerdings nur gegen die schriftliche Zusage, dort „keine Einrichtungen unterzubringen, die gegen die katholische Glaubenslehre verstoßen“. So wurde es sogar im Grundbuch eingetragen.

Und so gestaltete man den künstlerisch wertvollen Sakralbau für neue Aufgaben um. „Als exklusives Kulturatelier steht er im Sinne seiner geistigen Tradition offen für alle, die in einer ganz besonderen Atmosphäre die Begegnung mit der Kunst suchen“, sagt der Hausherr und Impresario. Und seitdem managt er in der ehemaligen Dorfkirche mit ihren großen bunten Glasfenstern und einem verspielten Mobile, das die „hängenden Gärten von Rondorf“ symbolisiert, Ausstellungen, klassische Konzerte, Kulturevents. Spektakulär war der Auftritt von mehr als hundert Jazzmusikern aus New York. Oder im Rahmen einer Vernissage der Aufbau eines Wasserbeckens von 15 Metern Länge. Internationale Spielfilme haben die wertvolle Location ebenso als Drehort genutzt wie Künstler von Montserrat Caballé bis Dieter Bohlen.

Momentan wird an dem Programm für das neue Jahr gefeilt. Der „Tag der Astrologie“ am Samstag, 21. März ist wiederum eine ganz spezielle Idee. Das intensiv gepflegte und zeitaufwändige Hobby „hat mich allerdings schon mehrfach an den Rand der Erschöpfung gebracht“, räumt Paul Link ein. Andererseits passt diese Aufgabe irgendwie auch zu seiner hauptberuflichen Profession. Denn wie sein Vater arbeitet auch er mit besonderer Vorliebe in den Bereichen Kirchen- und Kulturbauten, Denkmalpflege, anspruchsvollem Wohnungs- und Städtebau. Sein Leitmotiv lautet: „Sinn für Architektur – Architektur für die Sinne“. Auch für sein Veedel hat er eine klare Vision: „Ich möchte mithelfen, Rondorf als charaktervollen Stadtteil mit eigenständigem urbanem Leben weiterzuentwickeln“. Auf seine Initiative gehen Projekte zurück wie das „Haus der Familie“, dem ein Mehr-Generationen- „Hof der Familie“ folgen soll.  

Bewusst stets offen hält er seinen Betrieb für Schülerpraktikanten und Auszubildende – nicht zuletzt aus dem Osten wie der Ukraine, Weißrussland oder der Mongolei; auch zwei junge syrische Flüchtlinge sind momentan in Ausbildung. „Damit leisten wir unseren Beitrag zur Völkerverständigung“ sagt Paul Link. Besonders spektakulär war das „Namibia-Projekt“ 2016: Gemeinsam mit seinem Bruder Martin und zwei weiteren Mitstreitern baute er mit an einem Schulzentrum im Omomas Care Center für 90 Waisenkinder im Alter von 6 bis 16 Jahren. „Das war auch für uns eine ganz neue Erfahrung. Da war viel Improvisation gefragt,“ erinnert er sich. „Kultur“ so lautet die Überzeugung des dreifachen Familienvaters „ist die beste Brücke, um Menschen weltweit zusammenzubringen. Wer musiziert, malt, schreibt, kennt eigentlich keine Grenzen“.

Schon seit 30 Jahren leben jetzt drei Generationen unter dem ehemaligen Kirchendach. In wenigen Wochen steht ein ganz besonderes Jubiläum an: Vater Rolf, Begründer des Architekturbüros, feiert am 30. Januar seinen 90. Geburtstag. Seine Familie und enge Wegbegleiter nennen ihn heute noch liebevoll „Unser Cheffi“: Rolf Link begann seine Architektenkarriere als Maurer an der „Kölner Werkschule“; danach wurde er enger Mitarbeiter der berühmten Kirchenbaumeister Dominikus und Gottfried Böhm. Viele außergewöhnliche Gebäude vor allem im Kölner Süden machten danach das „Architekturbüro“ Link zu einem Begriff für kunstvolles Bauen weit über die Stadtgrenzen hinaus. Und so lautet denn auch Paul Links Geburtstagswunsch für den Jubilar, „möge es uns gelingen, diese große Tradition viele weitere Jahrzehnte erfolgreich fortzuführen“. Dafür hat der Architekt und Kunstmäzen noch etliche Ideen in seinen vielen Schubladen.

Eine von uns: Uta Maria Schütze

Sie ist eine Frau für alle Fälle, denn gleich ob Boulevard, klassische Rollen, Dramatik, Musical – das Repertoire der Schauspielerin Uta- Maria Schütze ist schier unbegrenzt: Am Mittwoch den 11. Dezember ist sie zum Beispiel im ZDF-Vorabendkrimi „ Heldt“ in einen heftigen Pflegeskandal verwickelt – und am Freitag, 20. Dezember moderiert sie im heimischen Rondorf besinnlich das große Adventskonzert der Dorfgemeinschaft. 

Natürlich. Auf dem adventlichen Kaffeetisch zuhause steht das berühmte Meissner Porzellan mit dem feinen blauen Zwiebelmuster. Sozusagen als ständige Erinnerung an ihre Geburtsstadt Meißen in Sachsen. „Unsere Porzelline“ nennt Uta-Maria Schütze lachend die weltbekannte Manufaktur. Und sächsisch kann sie selbstredend auch noch. Wenn es sein muss, hat sie ebenso den schwäbischen Dialekt drauf. Nur das rheinische klappt nicht so recht, obwohl sie doch seit Jahren in Köln wohnt und für „Die Anrheiner“, die kölscheste aller Fernsehserien, ebenfalls vor der Kamera gestanden hat. Und dann war da noch die „Lindenstraße“ oder die Rolle der Nachbarin Frau Wolf im „Tatort“. Oder. Oder. Oder. Wenn Uta-Maria Schütze dann in ihrem Aktenordner blättert, um frühere Projekte nachzuschauen, kann es passieren, dass sie durchaus einmal etwas durcheinanderbringt.

Aber eines stellt sie im SÜDBLICK-Gespräch ziemlich schnell klar: Ihre eigentliche Welt ist die Bühne, „auch wenn man im Fernsehen schneller bekannt wird und vielleicht mehr Geld verdienen kann!“ Wohin es sie später im Leben einmal ziehen würde, das wusste die erfolgreiche Mimin schon mit 14 Jahren, als sie nämlich im örtlichen Stadttheater der schönen jungen Maria Stuart beim Herz zerreißenden Abschied zusah, bevor diese zum Schafott geführt wurde. Da flossen auch bei der ergriffenen Schülerin unten im Saal reichlich Tränen. Zuhause stellte sie die dramatische Szene sogleich vor dem Spiegel nach und war überzeugt: „Uta- Maria, das kannst Du auch!“ Schon war es passiert. Selbstredend machte sie auch in der Oberschule beim Laienspielzirkel mit. Mit 16 stand sie erstmals für die berühmte DEFA vor der Kamera. Es folgte eine abgebrochene Buchhandelslehre und die Schauspielausbildung an der renommierten Hochschule Musik und Theater in Leipzig. Am Nationaltheater Weimar hatte die Arzttochter während des Studiums mehrere Auftritte, der Übung halber; es folgte sehr schnell ihr erstes festes Engagement am Theater Meiningen.

Ja und dann, dann geriet die junge Frau in die Mühlen zwischen Liebe und deutsch-deutscher Politik. Sie verliebte sich nämlich in Thüringen in einen Schauspielerkollegen aus Luxemburg, der am gleichen Theater arbeitete. Ein Jahr lang musste sie mit den Behörden um das amtliche „Ja“ zu einer Heirat kämpfen – dann entließ man sie nach etlichem hin und her der gemeinsamen Liebe wegen ins neutrale Österreich. Denn ein Übersiedeln in die „feindliche kapitalistische BRD“ kam für das Regime der DDR nicht in Frage. Mitten im Winter stellte sich die jung Vermählte an vier Tagen an vier Theatern der Alpenrepublik vor – das Landestheater Salzburg gab ihr 1969 den begehrten Vertrag. „In einer verplombten Eisenbahn zog ich mit Geschirr, Möbel, sonstigem Hausrat aus dem Arbeiter- und Bauernstaat aus, in der Tasche einen Pass der DDR und einen von Luxemburg“ erzählt sie. Und auch dies ist ihr in wacher Erinnerung geblieben: „Das wahnsinnige Herzklopfen, wenn ich später wieder einmal in die DDR reiste, um meine Verwandten zu besuchen. Beim Transit über die Grenze dachte ich jedes Mal, hoffentlich geht das gut und du kommst wieder heil raus!“

1971 landete sie dann doch in Westdeutschland, bei den Bühnen der Stadt Köln. Das Staatstheater Hannover, das Stadttheater Aachen, das Theater an der Kö in Düsseldorf, das Schauspiel Essen waren einige der weiteren Stationen. Mal spielte sie die Titelrolle in „Minna von Barnhelm“, mal Hamlets Mutter Gertrude, mal Amalia in Schillers „Räuber“, Marthe Rull in Kleists „Der zerbrochene Krug“ oder die Titelrolle in dem Musical „Kiss me Kate“, um nur einiges zu nennen. Aber am nachdrücklichsten bewegt hat sie die Figur der überaus gestrengen Schwester Aloysius in dem Bühnenstück „Zweifel” von John Patrick Shanley, die sie 40 Mal spielte. Die Inszenierung im Aachener Grenzlandtheater bildete eine überaus spannende Parabel über Kirche, Moral und Missbrauch und wurde als internationaler Filmerfolg mit Meryl Streep 2009 reihenweise mit Golden-Globe- und Oscar-Nominierungen gefeiert. Uta Maria Schütze findet: „Ein großes Thema, das bis heute nichts an Aktualität verloren hat!“ 

Nebenbei fand die viel Beschäftigte noch Zeit, als Dozentin für Rollenstudium an der Schauspielschule des Theaters der Keller in Köln den Nachwuchs zu fördern. Doch warum zieht es sie immer wieder magisch auf die Bretter, die die Welt bedeuten? „Es ist ganz wunderbar, ständig in neue, andere Figuren zu schlüpfen. Wo kann man so seine Emotionen ausleben, Gefühle raus lassen, selbst Wut laut hinausschreien – und wird dafür auch noch bezahlt?“

Es sind dabei die feinen Nuancen, das Hintergründige, was sie fasziniert. Und das Spiel mit der Sprache. Eines möchte sie nämlich nie: „Klischees bedienen. Dagegen will ich viel eher angehen!“ Und deshalb gehört ihre große Liebe auch dem Theater, wo man einen ganzen Abend lang Geschichten mit einer Intensität entwickeln könne, wie sie das Medium Fernsehen so nicht zulasse. 

„Wenn ich manchmal im Fernsehen sehe, was aus Dreharbeiten dann am Ende herauskommt und gesendet wird, bin ich doch immer wieder ganz schön überrascht!“ Und ihr Blick verrät: So etwas kann Dir im Theater nicht passieren!

Uta- Maria Schütze traut sich durchaus vieles zu. Nur eines nicht: „Als Comedian hätte ich wohl kein Talent“. Und auch dies räumt sie freimütig ein: „Einmal musste ich eine Prostituierte in der Zeit der französischen Revolution spielen. Bitte so etwas nie mehr wieder!“ Hat dieser Beruf auch einen Preis? „Naja“, kommt es dann nachdenklich, „eigentlich kann ich nie längerfristig mal Urlaub planen. Denn meist kommt dann wieder ein Engagement dazwischen“. Dabei liebt sie die Bergwelt über alles, sie ist aktiv im Deutschen Alpenverein.

Was wäre wohl aus ihr geworden, wenn nicht das Schauspiel sie so gefesselt hätte? „Vielleicht ein Leben als Naturforscherin, die neue Regionen in der Welt entdeckt und bereist“ kommt es nach kurzem Nachdenken aus ihr heraus. Und dann schränkt sie ein: „Aber wo gibt es heute noch unberührte Natur neu zu entdecken?“

Jetzt lebt Uta -Maria Schütze seit fast acht Jahren in Rondorf. Ausgerechnet an Weiberfastnacht 2012 ist sie hier eingezogen, unterstützt von einem Umzugshelfer, „der sich allerdings sehr beeilt hat, um sich am Nachmittag noch ins Gewühl stürzen zu können, während ich im Chaos meiner Kisten und Kasten da saß“, erinnert sie sich. Dass sie hier im Grünen wohnen kann, hat es ihr angetan. Hier wird sie auch Weihnachten feiern: „aber sehr ruhig – und ohne Kartoffelsalat!“ Auf das große gemeinsame Adventskonzert mit vielen Bewohnern aus Rondorf, Hochkirchen und Höningen in der Kirche Heilige Drei Könige in der Hahnenstraße am Freitag, 20. Dezember freut sie sich ebenfalls sehr und textet schon fleißig an ihren Moderationen. Vorher unterstützt sie noch die Dorfgemeinschaft bei der jährlichen großen Haussammlung. Es kann also sein, dass es demnächst bei Ihnen zuhause klingelt – und die Frau mit der Spendendose kommt ihnen irgendwie bekannt vor.

Ach so, Sie wollen noch wissen, was am 11. Dezember mit Uta-Maria Schütze im ZDF passiert? 

So viel sei hier schon verraten: Ein Mann wird vor seinem Kiosk von einem Vermummten zusammengeschlagen. Auf der Suche nach dem Täter lernt Kommissar Heldt die Mutter des Opfers kennen, Alberta Schmäle, dargestellt von Uta Maria-Schütze, die in diesem ZDF-Vorabendkrimi nach einem schweren Schlaganfall selbst pflegebedürftig ist. Und schon sind die Zuschauer mittendrin im Betrug in der Heimpflege. Der Fall nimmt immer größere Dimensionen an. Bald schwebt auch ein Arzt in Lebensgefahr! Doch sehen Sie selbst …

Und warum hat sich das ZDF für Uta-Maria Schütze entschieden, die in diesem TV- Drama als Beispiel steht für pflegebedürftige Menschen, denen oft nicht genug Zeit geschenkt werden kann und die oft einfach „ruhig gestellt werden“? Die Antwort der Produktionsfirma ist ein wunderbares Kompliment für die starke Charakterdarstellerin: „Wir haben uns für Uta-Maria Schütze in dieser Rolle entschieden, weil sie trotz der zu spielenden Bettlägerigkeit eine große Präsenz hat und viel Wärme ausstrahlt, was für unsere Titelfigur „Heldt“ wichtig ist, um an das Thema nah heranzukommen!“ 

Nah an die Zuschauer heranzukommen, das könnte auch das Lebensmotto dieser beliebten Schauspielerin mit den vielen Facetten sein.

Einer von uns: Berno Huber

Seit drei Jahren ist Berno Huber der umtriebige Kopf der Dorfgemeinschaft. Mitte Oktober wurde er für zwei weitere Jahre in seinem Amt bestätigt. „Gemeinsam für unser Veedel“ ist seine Devise, mit der er mal leidenschaftlich, mal leise für die Interessen der Bürgerinnen und Bürger von Rondorf, Hochkirchen und Höningen kämpft. Vieles hat er erreicht. Doch jetzt stehen neue Projekte und Herausforderungen bevor. Dafür sucht er weitere Mitstreiter. 

Berno Huber hat eine große Stärke: Er ist ein guter Zuhörer. Wenn er unterwegs in seinem Veedel ist, wird er fast immer an der nächsten Straßenecke auf dieses Alltagsproblem und jenes lokale Thema angesprochen. Obwohl er meist in Eile ist, die Termine drängen, hört er sich alles in Ruhe an – und sagt vielleicht erst einmal gar nichts. Aber in seinem hellen Blick ist sofort zu erkennen, wie er jede Frage, jeden Gedanken seines Gesprächspartners aufnimmt. Und am Ende der spontanen Begegnung kommt dann zumeist ein knappes, aber bestimmtes „Ich kümmere mich drum!“. Dann können kommunale Mandatsträger, Abgeordnete, städtische Mitarbeiter oder andere „Zielpersonen“ zuverlässig damit rechnen, dass schon sehr bald ein Brief oder eine E-Mail bei ihnen eintreffen. Und die beginnen dann meist sehr ähnlich: „Wie ich gehört habe …“. Manchmal ist der Unterton allerdings auch etwas drängender: „Warum gibt es noch immer keine Entscheidung …“. 

Der passionierte Handballer lacht. „Eigentlich hat unsere Dorfgemeinschaft ja gar keine unmittelbare Macht, irgendetwas zu entscheiden. Wir können immer nur drängen, mahnen, darauf hinweisen. Aber irgendwie scheint gerade das unsere Stärke zu sein. Weil wir unabhängig sind, nicht irgendwelchen Interessen verpflichtet, werden wir gehört und mit unserer Stimme beachtet. Und je mehr Bürger Mitglied der Dorfgemeinschaft werden, desto nachdrücklicher können wir auftreten“. Was Berno Huber allerdings gern verschweigt: Er hat inzwischen mit seinem Vorstandsteam ein exzellentes Netzwerk aufgebaut und schafft es, selbst die Oberbürgermeisterin zu einem Gespräch nach Rondorf zu holen, wenn es ihm wichtig ist.

Und was treibt den 59jährigen für dieses Ehrenamt an? „Ich spüre sehr stark, dass in unserer zunehmend komplizierter werdenden globalen Welt für den einzelnen Bürger Nachbarschaft, Nähe und Heimat immer wichtiger werden. Genau da wollen wir mit unserer gemeinsamen Arbeit ansetzen. Ich denke, die Idee unserer Dorfgemeinschaft ist vor diesem Hintergrund heute sogar noch aktueller als vielleicht zu früheren Zeiten“, sagt Berno Huber. Er denkt dabei als Beispiel an Veranstaltungen wie das traditionsreiche Brunnenfest am Vorabend des 1. Mai, das in diesem Jahr so gut besucht war wie nie zuvor. Er verweist auf die „Bürgerwerkstatt“, in die viele Engagierte aus der Bevölkerung ihre Ideen eingebracht haben, wie das Wohngebiet in wenigen Jahren aussehen könnte oder sollte. Er verhehlt nicht seinen Stolz darauf, dass es gelungen ist, in dieser „Bürgerwerkstatt“ mit mehreren Arbeitsgruppen Fachleute zu versammeln, die in vielen Monaten intensiver Diskussion ein eigenes Konzept entwickelt haben, wie aus der „Schlafstadt“ ein „lebenswertes Veedel“ werden kann. 

Dazu gehört die Idee eines attraktiven neuen Dorfplatzes, der künftig den lebendigen Mittelpunkt des gewachsenen Wohngebietes bilden soll – als gelungene Verbindung des bisherigen Stadtteils mit dem Neubaugebiet. Von dieser mutigen Idee auch die Planer von Rondorf Nordwest zu überzeugen, ist eine seiner nächsten großen Aufgaben. „Wir sollten bei dieser Entscheidung aus den Erfahrungen und Fehlern anderer lernen. Nur wenn wir für diesen Dorfplatz den richtigen Standort wählen, kann er auch das neue Herz unseres Veedels werden. Der Platz muss deshalb mit einem publikumswirksamen Umfeld da entstehen, wo sich auch das Leben abspielt“, betont Berno Huber mit großem Nachdruck. Deshalb will er mit Unterstützung der Bürger für dieses Vorhaben mit Entschlossenheit kämpfen. „Mit unserem sehr ausgereiften Konzept können wir selbstbewusst und mit klaren Zielvorstellungen in alle Gespräche gehen, die sicher nicht immer einfach werden“.

Seine große Vision lautet: Wir sollten alle gemeinsam das neue geplante Wachstum mit mehr als 4.000 zusätzlichen Wohnungen konsequent nutzen, damit unser Veedel noch deutlich lebenswerter wird. Da gibt es viel zu tun, vor allem die mangelhafte Verkehrsentwicklung und die unzureichende Infrastruktur müssen energisch angepackt werden. Auf diesem Weg wollen wir die gesamte Bevölkerung mitnehmen!“. Fachleute nennen diese moderne Form der Bürgerbeteiligung bereits anerkennend „Das Rondorfer Modell“: Erst die Bürger fragen, dann gemeinsam planen ….

„Ich spüre in unserem Wohngebiet insgesamt schon eine gewisse Aufbruchsstimmung, das beflügelt uns“, konstatiert Berno Huber mit Freude. Er gehörte zu jenen, die schon sehr früh erkannt haben, dass das durchaus umstrittene Großprojekt Rondorf Nordwest nicht nur Risiken, sondern auch Chancen bietet. Genau die will er zielstrebig nutzen: Für eine deutlich verbesserte Verkehrssituation, neue Mobilitätskonzepte, mehr Schulen und Kindergärten, ein besseres Freizeit- und Sportangebot, größere Einkaufsmöglichkeiten und eben einen neuen Marktplatz als lebendigen Ortsmittelpunkt. 

Aber auch unabhängig davon ist seine Wunschliste groß: „Für unsere Jugendlichen brauchen wir einen eigenen Raum der Begegnung und Freizeitgestaltung. Aber auch unsere Vereine beklagen immer wieder heftig, dass es an einem Bürgerzentrum fehlt für Treffen und größere Veranstaltungen“, sagt der gelernte Kaufmann und Finanzexperte.

Um dies alles zu schaffen – genau hierfür braucht die Dorfgemeinschaft noch mehr Unterstützung durch aktive Mitglieder.

An einem zentralen Punkt lässt Berno Huber nicht locker: „Gebaut werden darf Rondorf Nordwest erst dann, wenn auch die Infrastruktur stimmt. Wir brauchen eine Planung aus einem Guss“, lautet sein beständiges Credo. Und auch dies vergisst er bei kaum einer Rede zu sagen: „Wir müssen darauf achten, dass die gewachsenen Strukturen, die den besonderen Charakter und Charme unseres Veedels ausmachen, nicht verloren gehen, wenn in den kommenden Jahren ein ganz neues Wohngebiet dazu kommt. Es muss gelingen, Altes und Neues gut miteinander zu verbinden“. Immerhin ist „Rumenthorp“, wie die Siedlung ursprünglich einmal hieß, ein gewachsener Ort mit großer Tradition – die ersten Bauern siedelten sich hier schon im 6. bis 8. Jahrhundert an.

Hinter verschlossenen Türen, wenn es um solche Zukunftsfragen geht, kann der stets joviale 1,92-Meter-Mann auch durchaus deutlich werden, wenn die Dinge nicht entschlossen genug vorangehen. Die freundlichen Augen blitzen dann auf einmal ziemlich herausfordernd. 

Gewählt wurde Berno Huber in die ehrenamtliche Aufgabe des Vorsitzenden der Dorfgemeinschaft Rondorf, Hochkirchen, Höningen im August 2015 als Nachfolger des 2016 verstorbenen Ehrenvorsitzenden Josef Peter Nägel, der Jahrzehnte mit großer Tatkraft diese lokale Interessensvertretung unterstützt und maßgeblich geprägt hat. Inzwischen hat ein neuer Abschnitt begonnen: Seit 18. Dezember 2017 ist die „Dorfgemeinschaft“ als Verein beim Amtsgericht Köln eingetragen. „Das hat viele Vorteile“, erklärt Berno Huber, „denn damit bieten wir künftig nicht nur unseren Mitgliedern eine bessere Möglichkeit zur Mitwirkung, sondern können uns noch breiter aufstellen und uns für die Interessen unserer Bürgerinnen und Bürger noch intensiver einsetzen“.

Und da gibt es für ihn, sein siebenköpfiges Vorstandsteam und die derzeit rund 130 Personen, die als Einzel- oder Familienmitglieder die Anliegen der Dorfgemeinschaft unterstützen, vieles zu tun. Der Katalog der Aufgaben ist jetzt schon eindrucksvoll lang. Berno Huber liegen nicht zuletzt die Interessen der älteren Mitbürger sehr am Herzen, zum Beispiel mehr seniorengerechte Wohnangebote. Sichere und saubere Wege, gepflegte Grünanlagen, die Unterstützung von Kultur und Sport sind weitere Arbeitsschwerpunkte. Um dies alles zu fördern, findet jedes Jahr im November eine Haussammlung statt. „Aber dies wird von Jahr zu Jahr schwieriger, weil sich die Wohn- und Lebensbedingungen im Laufe der Jahre geändert haben“, räumt Berno Huber ein. Doch damit die erfolgreiche Arbeit weiter fortgesetzt werden kann, ist die Dorfgemeinschaft mehr denn je auf großzügige Spenden angewiesen.

Bleibt dem leitenden Mitarbeiter im Finanzbereich eines Unternehmens für Netzwerktechnik neben diesen vielfältigen Aktivitäten noch Zeit für Hobbies? Er lacht: „Wenigstens gelingt es mir ab und zu, mich mit guten Freunden bei einem Glas Wein oder einem frischen Kölsch in meinem Lieblingslokal zu treffen“. Allerdings bleibt ihm für seine vielen anderen ehrenamtlichen Aufgaben zunehmend weniger Zeit. Berno Huber will sich, nachdem er Mitte Oktober wiedergewählt wurde, deshalb noch mehr auf die Arbeit in der Dorfgemeinschaft konzentrieren und andere Verpflichtungen dafür aufgeben. Denn oberster Lobbyist des Veedels mit seinen derzeit 10.000 Einwohnern zu sein, das ist fast schon ein Fulltime-Job.

Einmal im Monat, am ersten Mittwoch, trifft sich Berno Huber mit seinen Vorstandsmitgliedern der Dorfgemeinschaft, um über Themen und Strategien zu reden. „Ich freue mich sehr, dass sich zu unseren Meetings immer öfter auch Gäste anmelden, um mit uns spezielle Vorschläge oder Anliegen zu diskutieren. Dieser Austausch macht unsere gemeinsame Arbeit so lebendig“ betont er. 

Gibt es Dinge, die ihn richtig ärgern können? „Ja“, sagt er, „wenn wir immer wieder über die gleichen Anliegen verhandeln, dann erst Versprechungen bekommen, aber nichts passiert. Wie zum Beispiel der Spielplatz am Weißdornweg, auf den wir schon seit drei Jahren warten“. Und was wünscht sich Berno Huber am meisten für die Zukunft? „Es wäre phantastisch, wenn sich noch mehr Bürger mit ihren Erfahrungen und Kenntnissen als Mitglieder in unsere Arbeits- und Projektgruppen einbringen würden. Denn jeder, der bei uns mitmacht, erhöht unsere Durchschlagkraft. Das sollte einen Mitgliedsbeitrag von zwei Euro im Monat wert sein.“ Er zeigt sich auch hier optimistisch: „Wie schon gesagt: Heimatbewusstsein ist auf dem Vormarsch“. Sagt`s und braust fröhlich mit seinem roten BMW-Roller noch eine Runde um sein „Dorf“. Bis zu nächsten Ecke, wo ihn bestimmt wieder jemand anspricht…. So erreichen Sie Berno Huber: info@dorfgemeinschaft.koeln

Einer von uns: Marc Kevin Göllner

Mit seinem Markenzeichen, dem umgedrehtem Baseball-Käppi, stürmte Marc Kevin Goellner in den 1990er Jahren die Tennis-Weltrangliste. Er feierte als Profi 14 Jahre lang im internationalen „Tenniszirkus“ große Erfolge, konnte sechs ATP-Tour-Titel einfahren, holte olympisches Bronze und 1993 gleich in seiner Debutsaison für Deutschland den begehrten Davis Cup. Heute bietet er in seiner eigenen Tennisakademie in Hochkirchen professionelles Training und Unterstützung auf dem Weg nach oben an. Doch der Standort muss voraussichtlich Straßenplanungen weichen. Dem SÜDBLICK verriet „MKG“, wie es mit dem beliebten Leistungszentrum dann weitergehen soll. 

Wir treffen den 1,97-Meter-Mann auf dem gepflegten roten Court, der für ihn fast schon zum Wohnzimmer geworden ist. Braungebrannt, als käme er gerade vom Urlaub. Auch heute noch ist Marc Kevin Goellner fast jeden Tag und beinahe zu jedem Wetter hier. Denn er hat sein Hobby zum Beruf gemacht und lacht: „Gibt es etwas Schöneres? Ich freue mich jeden Tag neu, hier weiter Tennis spielen zu können!“

2011 hat der Champion der schnellen Bälle auf dem Großrotter Hof seine eigene Tennisakademie gestartet – und zieht nunmehr zufrieden Bilanz: „Der Schritt hat sich definitiv gelohnt“. Die Anlage ist von morgens früh bis spät in die Nacht fast komplett ausgebucht und kaum noch ausreichend für die wachsenden Ansprüche. Denn Goellners Trainingskonzept kommt bestens an. Für alle Altersgruppen, für alle Leistungsklassen hat er ein spezielles Angebot. Erste Frage: Was macht einen guten Tennisspieler aus? Die Antwort kommt schnell: „Ehrgeiz, hohe Konzentration, Freude am Spiel. Talent natürlich auch, aber dies kann viele Facetten haben!“

»Be professional!« lautet Goellners Erfolgsmotto. Und er erklärt: „Ein bisschen Profi geht nicht, Du musst das Projekt schon hoch professionell anpacken!“ Dabei hat er erkannt: „Hier lernen schon Kinder und Jugendliche Disziplin, Charakter und Durchhaltewille. Das alles sind Tugenden, die später auch im beruflichen Leben den Erfolg ausmachen“.

Über seine heutigen Aktivitäten erzählt er ganz freimütig: „ Ich habe in meiner Karriere auch Fehler gemacht. Die Jugendlichen sollen heute lernen, wie man solche Sachen vermeidet.” Welche Fehler? „Ach“, sagt er lachend, “Es reicht, wenn die Jugendlichen sie kennen.” Hier, herrlich im Grünen stellt Marc Kevin Goellner ambitionierten Tennisspielerinnen und -spielern ein Netzwerk zur Verfügung, welches sämtliche Möglichkeiten abdeckt. Dies beginnt bei kostenlosen Try-Out-Days.

Ganz besonders stolz ist der einstige Weltklassespieler auf sein Trainings- und Spielangebot für Kids ab vier Jahren. „Im Mittelpunkt steht hierbei ein spezielles Kinder-Tennisprogramm, welches mit einem durchdachten Konzept professionell und mit viel Spaß schnelle Lernerfolge verspricht“, erklärt „MKG“. Er sagt aber auch: „Es ist kein Zuckerschlecken, Profi zu werden. Denn das heißt zum Beispiel, nach einer Niederlage sofort wieder alles zu geben!“ Wer Marc Kevin Goellner zuhört, spürt nicht nur seine Freude am Sport, sondern auch seinen nach wie vor ungebremsten Ehrgeiz. „Einmal ein Talent unter die zehn besten der Welt zu begleiten, das wäre schon was“, sagt er mit breitem Grinsen im Gesicht. 

Dann erzählt er von seinem Herzensprojekt: Er ist Botschafter für das Rollstuhl-Tennis. „Was diese Menschen trotz Handicap auf dem Platz schaffen, fasziniert mich immer wieder aufs Neue. Am meisten berührt mich dabei die Leichtigkeit, mit der sie trotz aller Probleme das Leben genießen! Das ist beispielhaft“.

Ihn selbst nannte die Presse in seiner Profi-Zeit „Baby Bum Bum“. Denn mit seiner starken rechten Spielhand besiegte der heute 48jährige unter anderem dreimal den mehrfachen Wimbledon-Sieger Stefan Edberg sowie weitere Tennislegenden wie Ivan Lendl, Michael Stich, Mats Wilander …. Mit seinen Big Points brachte er es in die Top 30 der ATP-Weltrangliste. Einer der Höhepunkte seiner steilen Karriere: Im Doppel holte er gemeinsam mit David Prinosil die Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta. Sein größter Triumph jedoch war sein Finalsieg gegen Ivan Lendl 1993 in Nizza, sein erster Einzeltitel. „Und den Sieg im Daviscup kann uns auch keiner mehr nachmachen, weil es dieses Turnier so nicht mehr gibt“ schaut er zufrieden zurück. Immerhin: Acht Jahre lang lief er im bedeutendsten Mannschaftswettbewerb der Welt mit dem Adler auf der Brust auf. Knapp zwei Millionen Euro Preisgeld verdiente „MKG“ in seiner Karriere, die er 2005 beendete – seiner Familie zuliebe, für die er mehr Zeit aufbringen wollte.

Und was ist im „internationalen Tenniszirkus“ das Schwierigste? „Vielleicht das Heimweh“, hat er von so manchem erfahren. Nur er selbst hat dieses Gefühl so eigentlich nie gekannt, ist er doch viel in seinem Leben umgezogen: Geboren 1970 in Rio de Janeiro, wuchs er in Brasilien als Sohn eines Diplomaten auf. Weiter ging es nach Tel Aviv in Israel, dann nach Sydney in Australien und Recife in Brasilien. Erst mit 16 Jahren kam er nach Deutschland.

„Köln ist eine geile Sportstadt“, sagt er heute. Hier wohnt er im beschaulichen Stadtteil Widdersdorf in jenem Neubaugebiet, das manche als Vorbild, andere als abschreckendes Beispiel für das Projekt „Rondorf-Nordwest“ sehen. Wie ist seine eigene Meinung dazu? „Widdersdorf ist im Ganzen gut gelungen“ hält er der Kritik entgegen – und sieht auch die Pläne für Rondorf positiv: „ Die Vision, die dort entwickelt wird, ist richtig!“ Dieser Optimismus mag erstaunen, denn wenn die Pläne der Stadt Köln in den kommenden Jahren Wirklichkeit werden, könnte dies auch das „Aus“ für seine Tennis-Akademie am jetzigen Standort bedeuten. Das Gelände wird nämlich aller Voraussicht nach gebraucht für die geplante, viel diskutierte Umgehungsstraße. Bis Ende des Jahres rechnet der Tennisprofi dazu mit einer Entscheidung der Stadt Köln. Und dann? Da er täglich zwischen seinem Wohnort und der Tennis-Akademie hin- und herpendelt, kennt er die Verkehrsprobleme rund um Rondorf und Hochkirchen bestens aus eigener Anschauung. Er zeigt deshalb Verständnis für eine neue Entlastungsstraße und gibt sich im SÜDBLICK-Interview gesprächsbereit: „Wenn wir zu einer gemeinsamen guten Lösung kommen, bin ich dafür offen“. Klar, in seine Tennisakademie hat der Erfolgssportler viel Herzblut, Energie und auch Geld gesteckt. Und er möchte deshalb, dass es auf jeden Fall weitergeht. Dann eben an einem neuen Standort, aber auf alle Fälle in Rondorf, ist sein Wunsch. „Sollten wir neu bauen, wäre es gut, größer zu denken und für Sport, Wellness, Gesundheitsversorgung gemeinsam ein großes neues Dach mehrerer Partner zu schaffen“ denkt er schon einmal weit voraus. Er glaubt, die lokale Unterstützung für diese Idee hinter sich zu haben. Er denkt an die Schulen, die kein Schwimmbad in der Nähe haben, an die Vereine im Kölner Süden, die Trainingsmöglichkeiten brauchen. An Gesundheitseinrichtungen, die derzeit fehlen. Vorteil Goellner. 

Freizeit gibt es für ihn nach wie vor nur wenig. Wenn es möglich ist, fährt er Ski. Doch momentan steckt er mitten in den Vorbereitungen für sein nächstes Projekt, die diesjährige »Marc-Kevin Goellner Herbstreise« in den Robinson Club Kyllini Beach als sportorientierter Urlaub für die ganze Familie in den Herbstferien vom 11. bis 25.Oktober 2019. Wer mitmachen will: Telefon: 02861/896520; Email: info@mundm-reisecenter.de) 

Kontakt: Marc-Kevin Goellner Tennis-Akademie, Großrotter Weg 33 | 50997 Köln, Tel.: Telefon: 0151/23064308, E-Mail: info@mkgoellner.de

Einer von uns: Roman Michelfelder

Jugendarbeit, ein vorbildliches Musikangebot für Groß und Klein, neue Gesprächsformen – so will Pfarrer Roman Michelfelder die evangelische Kirchengemeinde Rondorf für alle Menschen unterschiedlicher Generationen und Herkunft in Rondorf noch weiter öffnen. Sein Angebot: »Ein für jeden offenes Haus mit Anspruch«. Am Sonntag, dem 22. September 2019, wird er nach zweijährigem Probedienst im Rahmen des Gemeindefestes feierlich in sein Amt eingeführt.

„Eigentlich war es so nicht geplant, dass ich einmal als Pfarrer hierher zurückkommen würde, wo ich aufgewachsen und zur Schule gegangen bin“, lacht Roman Michelfelder. Aber an die Zeit damals, als Rondorf noch ziemlich dörflich war, erinnert sich der heute 31jährige jederzeit gern, auch an seine Zeit als Jugendlicher beim SC Rondorf denkt er mit Freude zurück. 

Ursprünglich wollte er einmal Lehrer werden. Prägend für seine Entwicklung war für ihn der Zivildienst am St. Antonius Krankenhaus im Bayenthal. „Dort habe ich gelernt, wie wertvoll der Dienst für den Menschen ist. Das war einerseits manchmal durchaus anstrengend. Aber andererseits gab es mir auch sehr viel zurück!“ 

Es folgte ein Studium der Geschichte und Theologie in Tübingen, Zürich und Bonn. Nach dem ersten Theologischen Examen war er für ein Jahr Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Reformationsgeschichte und Kirchengeschichte der neueren Zeit an der Universität Bonn. Dass er sich schon früh für theologische Fragen interessierte, hat sehr viel mit seinem damaligen Pfarrer in Rondorf zu tun: Thomas Hübner, der in der Gemeinde mehr als 35 Jahre wirkte, ihn taufte, konfirmierte und auch traute. Und vor allem ermutigte er den Sohn eines Juristen und einer Lehrerin schließlich zur Ausbildung als Pfarrer. „Ich habe zunächst deshalb gezögert, weil dieser Beruf eine ganz besondere Lebensaufgabe ist, eine Berufung.“ erzählt Roman Michelfelder. Doch dann entschied er sich für diesen Weg – und ist dankbar für den Schritt, der ihn als Vikar zuerst nach Bad Honnef und an das Seminar der Evangelischen Kirche der Pfalz führte. 

Zwei Jahren absolvierte er danach auf Beschluss des örtlichen Presbyteriums in Rondorf seinen Probedienst für die rund 2400 Gemeindeglieder, die nicht nur aus Rondorf, sondern auch aus Immendorf und dem Hahnwald kommen. Der Kontakt zu Thomas Hübner, den als einen großen Theologen unserer Zeit und als „Glücksfall“ für die Gemeinde lobt, ist in dieser Zeit nicht abgerissen. „Wir telefonieren regelmäßig und ich gebe gerne zu, dass ich mir von ihm auch immer wieder so manchen guten Rat geholt habe“, sagt Roman Michelfelder. Er weiß aber auch: „Natürlich bin ich ein anderer Typ als er, habe meinen eigenen Stil. Es bringt Menschen ohnehin nicht weiter, sie immer nur miteinander zu vergleichen“.

In der Tat will „der Neue“ künftig verstärkt eigene Akzente setzen. „Es ist schön für mich, jetzt wiedermit Menschen zusammenzutreffen, die ich noch von früher her gut kenne und die für mich eine sehr persönliche Bedeutung haben. Aber ich merke und sehe auch, dass er Ort sich sehr verändert hat im Laufe der Jahrzehnte und nunmehr vor neuen großen Herausforderungen steht, was ich wiederum als positiv empfinde und als Chance sehe!“. 

Und schon ist der hochgewachsene Pfarrer mitten in seinen Zukunftsplänen. Das in der ganzen Region viel bewunderte Angebot der Musikschule Papageno, die beispielhafte musikalische Früherziehung, die Kurrende, der Kinderchor der Gemeinde, die für alle Kinder offen steht und die große Resonanz für den Rodenkirchener KammerChor und -Orchester, der wie andere Musikensembles im Ev. Gemeindezentrum seine Heimstätte gefunden hat, nennt er einen „Goldberg“, den es zu bewahren und zu mehren gelte.

„Mein Wunsch ist es, dass die Bevölkerung noch viel mehr von diesem kulturellen Reichtum 

Gebrauch macht. Jeder ist eingeladen, aktiv mitzumachen oder an unseren Konzerten teilzunehmen!“ Da sieht sich Roman Michelfelder übrigens auch durchaus selbst in der Pflicht. „Ich will mich künftig, wieder selbst mehr musikalisch beschäftigen und, wenn es die Zeit zulässt, im Chor singen“ sagt er. Ein Pfarrer sollte Freude am Singen haben!

Ein weiterer großer Schwerpunkt ist für ihn die Jugendarbeit. „Wir wollen Jugendliche mit den Themen ansprechen, die sie begeistern“, plant er. Da interessieren weder die Religion noch die Herkunft oder die soziale Situation. „Ich verstehe unser Gemeindezentrum als offenes Haus für jedermann!“. Neben dem regelmäßigen Jugendtreff am Mittwochabend sind ihm die mehrwöchigen Freizeitangebote ein großes Anliegen. So steht jetzt schon fest, dass es im kommenden Sommer von Ende Juni bis Mitte Juli für drei Wochen nach Splügen, in die Schweiz geht.

„Die vielfältigen verschiedenen Aufgaben eines Pfarrers lernt man erst wirklich in der Praxis“, ist die Vorläufige Bilanz von Roman Michelfelder nach zweijähriger Probezeit. Und die Erfahrung, dass die Menschen einem Pfarrer so viel persönliches Vertrauen entgegenbringen wie wohl keinem anderen Beruf. „Und deswegen ist es auch nur schwer möglich, eine scharfe Grenze zu ziehen zwischen dem Berufsleben und dem Privaten. Ich erlebe meinen Beruf als sehr sinnerfüllend. Und in jedem Gespräch lerne ich auch für mich wieder etwas Neues!“ Allerdings, fügt er hinzu: Dies alles gehe nur, wenn die Familie mitziehe. Und seine Familie weiß er hinter sich.

Am Sonntag, 22. September 2019 wird Roman Michelfelder um 11 Uhr von Superintendent Dr. Bernhard Seiger mit einem festlichen Gottesdienst in sein Amt als Pfarrer der evangelischen Gemeinde Rondorf in der Emmanuel Kirche eingeführt – anschließend wird auf dem Platz vor der Kirche an der Carl-Jatho-Straße gemeinsam groß gefeiert. 

Drei Wochen vorher hat auch die katholische Kirchengemeinde von Rondorf einen neuen Pfarrer bekommen. Da liegt die Frage nahe: Was würden Sie Ihrem katholischen Mitbruder gern als erstes sagen, wenn Sie ihn bei einem guten Glas Wein treffen? „Oh, in vielen Bereichen kann ich mir eine enge Zusammenarbeit sehr gut vorstellen. Vor allem würde ich gern anbieten, dass wir uns gegenseitig unterstützen!“ Sagt`s – und schaut noch schnell beim evangelischen Kindergarten gleich um die Ecke vorbei. Kontakt: roman.michelfelder@ekir.de

Einer von uns: Dirk Lottner

Für viele  Fans des FC Köln ist er immer noch  das große Idol: Dirk Lottner führte als Kapitän die Geißböcke  im Jahre 2000 erfolgreich zurück in die Fußballbundesliga. Was wünscht der Rondorfer  heute seinem langjährigen Verein, der ab Mitte August erneut in der 1. Liga starten kann? Der SÜDBLICK hat Dirk Lottner ganz privat besucht und mit ihm über sein großes Thema diskutiert: Wie kann der Fußballnachwuchs besser gefördert werden? 

Nein, Heimweh hat er nicht. Dirk Lottner fühlt sich wohl als Trainer beim Regionalligisten 1. FC Saarbrücken, mit dem er viel erreicht hat. Und doch hängt sein Herz weiterhin  an seinem FC Köln, für den der Junge aus der Südstadt  in mehr als 160 Spielen  fast 60 Tore erzielt hat.  „Klar, das war meine schönste und erfolgreichste Zeit, die prägt mich bis heute“, gibt er 47jährige offen zu. Auch  wenn die Kontakte inzwischen etwas weniger geworden sind, so beobachtet er doch die Entwicklungen beim Bundesligaaufsteiger nach wie vor sehr  intensiv – und nicht ganz frei von Skepsis. „Euphorie und Leichtigkeit“ zum Beispiel vermisst er momentan etwas. „Die Vorfreude auf die Bundesliga war schon mal größer“  konstatiert er. Und schätzt deshalb die Chancen des 1. FC Köln für die kommende Saison  vorsichtig realistisch ein: „ Man darf sehr zufrieden sein,   wenn es gelingt, sich von Anfang an aus dem Abstiegskampf herauszuhalten und am Ende sicher über dem Strich landet“.

Ein solches Urteil hat durchaus Gewicht.  Denn nicht nur als Spieler mit dem berühmten „Linksfuß“ genießt der 1, 87-Meter-Mann noch immer Kultstatus. Auch als Cheftrainer der U 23 des FC Köln, später der  U17- und der U 21 Bundesligamannschaft  hat der heute 47jährige prägende Spuren hinterlassen; zudem war  er 2010 als Co-Trainer auch für den Profikader mitverantwortlich. Und so reden sie im Verein noch heute voller Respekt über seine hohe soziale wie fachliche Kompetenz, seine stets sehr fundierten  Analysen, seine Führungsqualitäten wie etwa sein tolles Geschick, Spieler klug auf Position zu setzen.

Auffallend häufig fallen dann auch Wertungen wie „ Er ist immer im Umgang einer von uns

geblieben“, hat „ stets ein  offenes Ohr für die Probleme von Spielern“, „geht auf Leute zu und ist immer ansprechbar“. Qualitäten, die im heutigen Profi-Geschäft teilweise verloren zu gehen drohen. Und an diesen Qualitäten will Dirk Lottner auch in seinen aktuellen Aufgaben als Trainer umso konsequenter festhalten. „Junge Spieler haben heute oftmals zu wenig Zeit, sich persönlich weiterzuentwickeln. Wer mal einen Fehler macht, nicht rasch genug die erwartete Leistung bringt, muss zu schnell damit rechnen, dass er gleich rausfliegt. Aber der Charakter eines Spielers ist mindestens so wichtig wie sein fußballerisches Können, beides braucht Zeit, Geduld, gute Führung“. 

Sagt  Dirk Lottner, der seit seinem sechsten Lebensjahr zunächst  bei Rot-Weiß Zollstock spielte, dort früh lernte, sich im Wettkampf durchzusetzen bevor er 1985 zu Fortuna Köln wechselte und dort den Sprung in den Profi-Fußball schaffte. „Eigentlich wollte ich Lagerist werden. Ich hatte meine Ausbildung gerade erfolgreich abgeschlossen, da bot mir Fortuna Köln einen zwei-Jahres-Vertrag an. Zum Glück hatte ich einen Chef, der meine Lage gut verstand. Er meinte, wenn es mit dem Fußball nicht klappt, kommst du in zwei Jahren wieder zu unserer  Firma zurück“ lacht  der Mann, der heute mit seiner Familie glücklich in  Rondorf wohnt, aber doch meistens in der Fußballwelt unterwegs ist. 

Denn bekanntlich kam alles anders.  1997 wechselte der wachechte Kölner zu Bayer 04 Leverkusen, wo er sogar Champions-League-Erfahrung sammeln konnte. 1999 kam er dann endlich zur Geißbock-Elf. Lange Zeit führte er die Mannschaft auch als Kapitän auf das Spielfeld, so zum Beispiel im legendären Aufstiegsjahr 2000 unter Trainer Ewald Lienen. Sein letztes Spiel im Müngersdorfer Stadion krönte er 2004 mit einem sehenswerten Treffer und einer emotionalen Verabschiedung von „seinem FC“.

Seitdem ist ihm vor allem die Förderung des Fußballnachwuchses ein Anliegen: „In einer Millionenstadt wie Köln muss es doch viel mehr Talente geben“ war seine Devise. Deshalb eröffnete er  mit DFB-Fußball-Lehrer-Lizenz  im November 2014 seine eigene Fußballschule in Hürth. „Lottes Kicker“ wollen Erlebnisfußball statt Ergebnisfußball bieten. In der Soccer Arena in Hürth hat jeder Fußballbegeisterte  im Alter zwischen 6 und 15 Jahren die Möglichkeit, einmal  in der Woche neben seinem Vereinstraining unter der Leitung lizensierter Trainer ganz gezielt individuell zu üben, seine Technik, sein Passspiel oder seine Torschussqualität zu verbessern.  Das Angebot ist vielfältig – auch der Besuch eines Trainings der Bundesligamannschaft des 1.FC Köln gehört dazu.

Ob wöchentliches Zusatztraining, Feriencamps oder Vereinscamps, stets steht  in dieser Fußballschule  die Freude am Spiel im Mittelpunkt.  „Um das individuelle Potenzial eines Jugendlichen zu erkennen, muss er nicht jeden Tag auf dem Trainingsplatz sein. Weniger ist manchmal mehr. Denn mir ist es wichtig, dass jemand auch seine eigene Kreativität fördern kann“ ist Dirk Lottner überzeugt. Und hat damit offenbar Erfolg.  Denn einige seiner Sprösslinge haben bereits den Sprung zu renommierten Vereinen wie Borussia Mönchengladbach oder Alemannia Aachen geschafft.

Aber dies ist für ihn nicht das Entscheidende: Ihm kommt es darauf an, die Fußballvereine im Kölner Süden  wie etwa  den SC Rondorf mit seinem Angebot zu unterstützen und zu ergänzen. Mit diesen Vereinen würde er gern noch enger kooperieren – sozusagen als „Schnittstelle“. So gibt es bereits die Vereinscamps, bei denen die Trainer von Dirk Lottners Schule zum Verein kommen, mit diesen Trainingseinheiten auf dessen Gelände absolvieren. Dieses Konzept möchte man weiter ausbauen. „Den kleineren Vereinen müssen wir mehr denn je den Rücken stärken. Denn sie sind die wichtigste Basis für den Volkssport Fußball.“ An dieser Stelle wird der sportlich so Erfolgreiche  durchaus auch emotional, wenn er beklagt, dass die Fußball-Verbände des DFB  die Basis vernachlässigen: „ Für die Belange der kleinen Teams setzt sich dort niemand ein!“ Und dann haut der Ex- Profi noch eine weitere  Erkenntnis raus: „ Um die raren Talente gibt es ein immer brutaleres Hauen und Stechen. Das tut den jungen Spielern nicht gut! Dabei gehen Menschlichkeit, Offenheit, Charakter verloren“.  Er weiß, wovon er spricht: Beim  1. FC Saarbrücken hat der Coach eine ganz neue Mannschaft aufgebaut, damit zweimal hintereinander den Sprung in die dritte Liga nur ganz knapp verpasst. Die Folge: Die besten Spieler sind abgewandert – und der Trainer muss jetzt wieder neu aufbauen.

Bei solchen Betrachtungen verliert der erfahrene Profi  nicht den Blick für das größere Ziel: „Der deutsche Fußball war lange Zeit  internationales Vorbild. Dies ist vorbei.  Jetzt ist deshalb der Zeitpunkt, wo man manche Dinge kritisch hinterfragen muss. Was wir wieder stärker fördern müssen, sind starke Persönlichkeiten!“ Wer Dirk Lottner zuhört, spürt: Dieser Mann brennt noch immer für das runde Leder. Vielleicht kann er seiner geballten Energie auch eines Tages wieder in seiner Heimatstadt Köln freien Lauf lassen …..

Wer Näheres zu „Lottes Kicker – die Dirk Lottner Fußballschule“ wissen will, schreibt an

 info@lotteskicker.de

Eine von uns: Shahd aus Syrien

Sie floh mit ihrer Familie vor drei Jahren aus dem syrischen Bürgerkrieg nach Deutschland. Die Fahrt über das Mittelmeer, den harten Weg durch den Balkan hat Shahd bis heute nicht vergessen. Jetzt lebt die 18jährige Schülerin in Rondorf. Sie besucht mit großer Freude das Gymnasium, hat neue Freunde gefunden – während in ihrer Heimatstadt Idleb der Krieg härter tobt denn je. Der SÜDBLICK hat sie besucht.

Ihr Zimmer teilt sie mit ihren drei Geschwistern. Ihre Zwillingsschwestern sind etwas älter als sie, der Bruder ist fünf Jahre jünger. Das Zusammenleben auf engem Raum ist nicht immer ganz einfach. Es fehlt die Ruhe zum Lernen, manchmal möchte man auch einfach mal alleine sein können. Aber Shahd ist  verständnisvoll; sie hat es gelernt, Rücksicht zu nehmen und gelassen zu bleiben. Für sie ist es das wichtigste, dass sie hier, am Ortsrand von Rondorf, endlich ein neues Zuhause gefunden hat. Hier fühlt sie sich jetzt mit ihrer Familie sicher ohne die lauten Geräusche der Flugangriffe, die sie in ihrer syrischen Heimat erleben musste.  Sie gehört nämlich zu den Hunderttausenden, die der Bürgerkrieg zur Flucht zwang. Doch darüber zu reden, fällt ihr auch drei Jahre später noch immer nicht leicht.

Shahd wurde im April 2001 geboren, in der Stadt Idleb im Nordwesten von Syrien, nur 20 Kilometer von der türkischen Grenze entfernt; vor Ausbruch des Bürgerkrieges lebten in dieser Stadt einmal fast 165.000 Menschen. Ihre Familie gehörte dazu.  Als die Lage in Syrien irgendwann hoffnungslos und ohne Perspektive auf eine Arbeit war, ging ihr Vater mehrere Jahre in den Libanon zu einer Werkstatt für Möbelherstellung, Holzlackierung, Küchenaufbau. Bei dem Inhaber, einem Armenier, war er so hoch geschätzt, dass er für seine sechsköpfige Familie daheim ein Haus erwerben und später sogar einen kleinen Laden für Holzbedarf in Idleb eröffnen konnte. Doch dann kam der Bürgerkrieg, die Zeit wurde Jahr für Jahr härter, die Lebenshaltungskosten stiegen stark. Als Mitte 2011 der Bürgerkrieg mit voller Wucht entbrannte, wurde die Lage lebensgefährlich. Der Vater erinnert sich: „ Meine Heimatstadt wurde belagert, bewaffnete Gruppen überfielen unsere Häuser, raubten, töteten, verhafteten viele Menschen. Besonders die Luftschläge der syrischen Regierung auf die Innenstadt waren schrecklich“. Im Zuge des Bürgerkrieges in Syrien wurde die Stadt im März 2015 von der islamistischen Rebellenallianz Dschaisch al-Fatah eingenommen.

Shahd und ihre Geschwister erinnern sich, wie die Kämpfer des IS in ihre Stadt eindrangen. Ihre Eltern versuchten zu verhindern, dass sie die Männer erkannten, um sie nicht zu verängstigen; doch durch die Fenster konnten sie die schwarz Uniformierten dennoch genau beobachten. Die meisten Einwohner flohen aus der Stadt. „Zunächst wussten wir nicht wohin. Dann entschieden wir uns für die nahe gelegene Türkei“ erzählt sie. Nur mit ihrer Schultasche bepackt floh sie mit den Eltern und ihren drei Geschwistern dorthin. Nach fünf Monaten  folgte 2015 die abenteuerliche Flucht  bis nach Deutschland. Zusammen mit 49 anderen wagten sie die riskante Mittelmeerfahrt nach Griechenland.

Dass der Vater in all der Hektik bei einem Sturz auf dem offenen Meer etwa seine Brille verlor, nicht mehr gut sehen konnte, war nur eines der Probleme. Krankheiten kamen dazu. Die Verzweiflung: Was kommt jetzt? Ihr Weg führte weiter durch Mazedonien, Serbien, über den ganzen Balkan bis Ungarn, dann erreichten sie Österreich. Die Flucht endete schliesslich nach mehreren Zwischenaufenthalten in Köln. Und im Mai 2016 vermittelten ihnen engagierte deutsche Unterstützer eine eigene Wohnung in Rondorf. Endlich raus aus der umgebauten stickigen Lagerhalle eines ehemaligen Baumarktes, in der sie mit  vielen anderen eher schlecht als recht zwischen dünnen Sperrholzwänden und unter miserablen hygienischen Bedingungen zunächst untergebracht waren. Aufgrund der Menge der Menschen fehlte auf dem kleinen Fleck jede Privatsphäre. Am Pfingstwochenende aber holten sie deutsche Freunde ab; sie hatten nichts ausser mehreren Plastiktaschen voll schmutziger Wäsche bei sich. Die neue Wohnung selbst war leer; Keine warme Heizung, kein Licht, keine Möbel. Helfer fanden sich ein, die das Notwendigste regelten.

Überhaupt trafen sie in Köln viele freundliche Leute, auch diese Erfahrung hat sich fest in das Gedächtnis von Shahd eingeprägt.  Sie denkt aber auch an ihre Heimat, als das Land noch schön und friedlich war: „Die vielen Religionen haben sich gegenseitig respektiert, wir hatten ein normales Leben. Doch der IS hat vor allem den Frauen ihr Rechte genommen“. Deshalb ist ihr Wunsch groß, dass es eines Tages in Syrien wieder so sein wird wie früher. Sie glaubt daran, dass ihr Land mit seinen vielen gebildeten, fleißigen und weltoffenen Menschen dann wieder neu aufblühen kann. Über Whats App steht ihre Familie von Köln aus weiter in Kontakt mit den Verwandten zuhause, kann die aktuelle Entwicklung dort gut verfolgen. Ihr großer Wunsch ist es, eines Tages wieder dorthin reisen zu können, Familienangehörige und Freunde wiederzusehen, die man zurücklassen musste. Vor allem ihren Freund Najib vermisst sie sehr.

Die Odyssee war für Shahd und ihre Geschwister auch mit mehrmaligem Schulwechsel verbunden. Die Gesamtschule lehnte sie und ihre beiden Schwestern nach dem Umzug leider ab – ohne jedes Gespräch, ohne Begründung. Doch dann hatten sie Glück: Das katholische Irmgardis-Gymnasium im Bayenthal nahm die drei Mädchen aus Syrien im Herbst 2016 auf. „Das war für uns genau das Richtige! Wir hatten gleich das ehrliche Gefühl, willkommen zu sein!“ weiss sie heute, auch wenn der Schulalltag noch immer hart ist – vor allem deutsche Literatur ist für sie schwere Kost; dafür klappt es in den naturwissenschaftlichen Fächern umso besser. „Aber wir haben im Gymnasium von Anfang an neue Freunde gefunden und sehr viel Unterstützung bekommen“ berichtet die junge erwachsene Frau fröhlich.  Und hofft voller Zuversicht, dass es auch mit dem Abitur klappt. Andere Schülerinnen und Schüler haben sich bereitgefunden, zu helfen, wo es Lernschwierigkeiten gibt.

Und was kommt danach? Shahd hat schon durchaus konkrete Pläne: „Ich würde gerne andere Städte kennenlernen und in fremde Länder reisen“. „Ja, ich möchte gerne anschliessend studieren. Am liebsten Architektur“. Dass sie bald vielleicht das Abitur machen kann, motiviert sie sehr. Köln gefällt ihr inzwischen gut: „Mit der Zeit lernte ich die Stadt  richtig zu lieben!“ Sie räumt aber auch ein, dass es immer noch Schwierigkeiten mit der Kommunikation gibt: „Die Deutschen denken vielfach komplett anders als ich“. Und manche Vorurteile machen sie noch immer traurig.

Inzwischen geht auch ihr jüngerer Bruder auf das gleiche Gymnasium. Und hofft: „Wenn  in einigen Jahren ein Gymnasium nach Rondorf kommt, kann ich davon vielleicht sogar noch profitieren!“ Der Vater hat ebenfalls einen großen Wunsch: Er möchte wieder in seinem erlernten Beruf als Schreiner arbeiten. Und ihre Mutter, die in Syrien einen eigenen Frisörsalon hatte, würde auch wieder gern ihr Können zeigen. Für Shahd steht eines  fest: Sie will alles dafür tun, dass sich ihre Familie hier in Deutschland ein neues Leben aufbauen kann. Und für die vielfältige Unterstützung möchte sie allen Rondorfern und den vielen anderen Helfern auf diesem Wege auch einmal DANKE sagen: „Wir haben in Deutschland viel Hilfe, Offenheit und Freundschaft erfahren. Dies möchten wir gern zurückgeben“.

Eine von uns: Marietta Horton, Schulgründerin

Sie baute Kölns angesehenste internationale Schule auf, in der heute 840 Jugendliche aus  50 Nationen zusammen lernen: Marietta Horton ist die Gründerin der St. George´s school, die in Rondorf gerade ihren zehnten Geburtstag feierte. Jetzt hat die Patronin ein neues Ziel:  Sie möchte das weiträumige Haus an der Kappellenstraße öffnen für Projekte mit der Bevölkerung  aus dem  Ort und vor allem die Jugendlichen aus dem Wohngebiet für gemeinsame interessante Club-Angebote  gewinnen.

„Nein, ich bin gar nicht gerne zur Schule gegangen“ erzählt Marietta Horton, die jüngste von fünf Kindern, lachend. „Und deshalb dachte ich mir später, meinen Kindern soll es einmal besser gehen“. Als sie dann einen Briten heiratete, entdeckte sie, dass Kinder in angelsächsischen Ländern „irgendwie  viel fröhlicher beim Unterricht sind. Aber nur dann, wenn Kinder eine freundliche, positive Atmosphäre wahrnehmen, arbeiten sie auch motiviert mit“. Davon überzeugt, kam ihr 1985 die gewagte Idee, eine Schule nach englischem Vorbild zu schaffen. Zunächst vor allem für die Kinder von englischen Soldatenfamilien, von Diplomaten – und für ihre eigenen.  Mit 15 Schülerinnen und Schülern fing es damals in zwei provisorischen Pavillonbauten an. „Das Risiko habe ich ganz alleine getragen und einen ziemlich einsamen Kampf mit den Behörden geführt, die haben uns damals als Paradiesvögel belächelt“ erzählt die überzeugte Rheinländerin.

Allerdings: Damals dachte niemand, dass das Projekt einmal derart wachsen würde. Denn deutsche Kinder konnten zunächst nur mit  Ausnahmegenehmigung aufgenommen werden, so waren seinerzeit die Schulgesetze. Doch die Idee einer traditionellen britischen Privatschule mit  englischem Lehrplan und entsprechenden Abschlüssen setzte sich rasant durch. Heute managt Marietta Horton gleich drei imposante internationale Schulen:  In Duisburg-Düsseldorf, in München und eben in Köln. Dort werden momentan 840 Mädchen und Jungen von 125 Lehrerinnen und Lehrern unterrichtet, die zu 80 Prozent von der Insel kommen, weitere zehn Prozent aus dem common wealth.

Gerade dieser Punkt macht der überzeugten Europäerin momentan jedoch einiges Kopfzerbrechen: „Wenn Großbritannien die Europäische Union verlässt, stehen wir vor vielen ungelösten Problemen, voran die Aufenthaltserlaubnis für unsere Fachkräfte“ bedauert sie ganz offen die aktuelle politische Entwicklung. Und fügt die Frage hinzu: „Wie passt dies alles in eine Zeit, die verstärkte internationale Zusammenarbeit braucht?“ Ihre Schulen, davon ist sie fest überzeugt, leben Internationalität wunderbar vor. Werte wie Toleranz, soziales Denken, Fairness  und Integrität gehören hier ebenso zu den selbstverständlichen Grundlagen der Erziehung wie Offenheit für die Welt. Marietta Horton ist noch ein weiteres Ziel wichtig: Sensibilität für neue Entwicklungen.  Deshalb freut sie sich auch, wenn  Schülerinnen und Schüler die Aktion „Fridays for future“ unterstützen. „Ich bewundere die Kinder, die sich für ein besseres Klima einsetzen. Da hat unsere Generation Fehler gemacht. Wir haben zulange nur geredet“ räumt sie ein.

Eines mag sie deshalb gar nicht: Wenn man ihrer Schule den Stempel aufdrückt, elitär zu sein. „Diese Kritik trifft uns sehr, weil dies gar nicht mit unseren Grundsätzen vereinbar wäre, wie jeder weiss, der einmal in unsere Schulen hineingeschaut hat“. Und sie fügt hinzu: „Auch wenn dies in Deutschland negativ gesehen wird, aber Eliten muss es geben. Wir engagieren uns deshalb bewusst auch dafür, die leader von morgen auf den Weg zu bringen – auch wenn nicht jeder unserer Absolventen ein leader wird“. Aber dass  jene, die in Rondorf erfolgreich die Schulbank gedrückt haben, anschliessend an den besten internationalen Universitäten studieren und  in Spitzenjobs Unternehmen innovativ bewegen, dies macht sie schon ein bisschen stolz. Dann erzählt sie die Anekdote, wie ihr neulich auf einem Flughafen ein sehr erfolgreicher Topmanager auf die Schulter klopfte. „Als ich ihn erstaunt anschaute, sagte er mir, auf Ihrer Schule in Rondorf habe ich meinen Abschluss gemacht! Hier fing es für mich an!“

Die Verbindung von akademischer Bildung mit englischer Kultur und traditionellen englischen Werten – dafür will die St. George´s school stehen. Dass Leistungswille und hohe Lernbereitschaft hier zum britischen Schulalltag gehören, dies wird schon in der Eingangshalle demonstriert:  Auf einer großen Tafel werden dort die besten eines Jahrgangs namentlich verewigt. Doch auch dies ist der Trägerin des Bundesverdienstkreuzes wichtig:  „Wir bekommen ja vom Staat keinen Cent wie andere Privatschulen. Alles müssen die Eltern aus der eigenen Tasche finanzieren. Aber wo das Geld etwas knapper ist, stellen wir sehr großzügig Stipendien zur Verfügung“.

Noch steht der repräsentative gelbe Gebäudekomplex  der St. George´s school solitär auf dem großen Feld an der Kappellenstraße. Wie denkt man darüber, dass dort in wenigen Jahren ringsum ein großes Neubaugebiet mit Schulen, Sportanlagen, Kindergärten, Wohnkomplexen für 4000 Menschen  ein völlig verändertes Umfeld schafft?  Marietta Horton hat da eine klare Meinung: „Ich sehe diese Entwicklung sehr positiv, vieles kommt neu in Bewegung, der gesamte Ort dürfte davon erheblich profitieren“. Und damit ist sie bei einem Gedanken, der sie schon länger beschäftigt: Man fühle sich in Rondorf seit zehn Jahren sehr gut aufgenommen, wünscht sich aber eine noch bessere Integration in die örtliche Gemeinschaft. Ideen dazu gibt es: Im Sportbereich könne man enger kooperieren.  Schulclubs möchte man öffnen für junge externe Gäste aus der Nachbarschaft. Im kommenden Sommer seien bereits entsprechende  Angebote denkbar. Sogar die Realisierung eines Musicals steht zur Debatte, wenn das klappt, würden viele lokale Kräfte zusätzlich gebraucht. Und beim Rosenmontagszug der Rondorfer und Hochkirchener  mitlaufen? „Das ist eine ganz wunderbare Idee“, meint die Patronin, bei der allerdings dazu noch niemand angeklopft hat.

„Mir ist das Wir-Gefühl wichtig“ fasst sie ihre Philosophie zusammen. Und meint damit nicht nur den interkulturellen Zusammenhalt in der bunten schulischen community, sondern mehr denn je auch das Zusammenwirken mit den Bürgerinnen und Bürgern aus der unmittelbaren wie weiteren Nachbarschaft.  Infos: www.stgeorgesschool.com