Einer von uns: Sead Licina

„Unser Veedel braucht bessere Pflegeangebote!“

Morgens um sechs hat er meist schon seinen ersten Einsatz. Denn die ambulante Pflege von Patienten fragt nicht nach der Uhr. „Menschlichkeit erleben“ ist für Sead Licina Alltag. So hat der Hochkirchener mit „Virtus“ einen der erfolgreichsten Pflegedienste in der Kölner Region aufgebaut. Er gilt als Pionier einer Gesundheitsbranche im Umbruch. Jetzt macht er sich vor allem Gedanken über bessere Betreuungsangebote für die wachsende Zahl der Senioren in unserem Veedel.

Sein Vater lag im Krankenhaus. Bei den regelmäßigen Besuchen lernte Sohn Sead das pflegerische Personal dort kennen, kam mit den Mitarbeitern ins Gespräch; mehr und mehr faszinierten ihn deren wertvolle Leistungen in der Betreuung der Patienten. Für Fragen rund um die Gesundheit hatte sich der kräftige junge Mann, mehrfacher Deutscher Meister in Taekwondo, eigentlich schon immer interessiert. Deshalb wollte er nach seinem Abitur Medizin studieren und die Wartezeit bis dahin mit einer Ausbildung zum Krankenpfleger sinnvoll nutzen. „Durch die Aufenthalte in der Klinik spürte ich dann immer mehr mein Talent, gerade mit kranken oder gebrechlichen Menschen gut umgehen zu können“, schildert er seine Motivation.

So gründete Sead Licina mit 23 Jahren seinen ersten eigenen Pflegedienst in Arnsberg mit sechs Standorten und sechs Sanitätshäusern im Hochsauerlandkreis. Das Unternehmen wuchs rasant an, es wurde eines der gefragtesten Pflegeunternehmen in der Region. Der Gesundheitsmanager sammelte danach weitere Erfahrungen in der freien Wirtschaft; als Berater war er u.a. verantwortlich für ein Unternehmen mit mehr als 1600 Mitarbeitern und 250 Führungskräften an 34 Standorten bundesweit.

Dann kam wieder eine Wende in seinem Leben: Als seine Frau Zwillinge bekam, wollte er privat mehr Zeit haben und trat beruflich kürzer. Doch seine Profession holte ihn bald wieder ein. Mit zwei Partnern gründete er im September 2012 die „Virtus Pflegedienste“; so fasste der Mann aus dem Sauerland beruflich wie privat in Hochkirchen Fuß. Tag für Tag koordiniert er seitdem von der Rodenkirchener Straße 79 aus mehr als 150 Einsätze: Gestaltung des Pflegealltags, Wohnumfeldberatungen, Pflege in all ihren individuellen Bedürfnissen von der medizinischen und pflegerischen bis zur postoperativen Nachsorge. Das komplette Programm. 

Das Telefon steht kaum still. Der Notdienst läuft 24 Stunden rund um die Uhr. Doch Sead Licina empfindet jedes Mal aufs Neue eine große innere Befriedigung, wenn er irgendwo professionell helfen kann. Am meisten erfüllt ihn die gemeinsame Zeit vor Ort mit seinen Patienten. „Wenn ich nach einem Besuch aus dem Zimmer herauskomme und sehe, dass ich etwas Gutes erreicht habe, macht mich das glücklich“, sagt er bescheiden, aber dankbar.

Man spürt, die Aufgabe liegt ihm. „Oftmals ist es nur der stumme Blick des Gegenübers, der mir klar sagt, was er möchte“, berichtet er von seinen Erfahrungen als Geschäftsführender Pflegedienstleiter. Die letzten Monate waren besonders hart. „Die Herausforderungen durch Corona haben mein gesamtes Team schon sehr belastet“, gibt er zu. „Aber wir hatten in der ganzen Zeit nicht einen einzigen Infektionsfall“. Aufgrund der hohen Anzahl der Einsätze ist das keine Selbstverständlichkeit, betont er. Denn sein Anspruch ist nicht weniger als „eine selbstbestimmte und persönliche Lebensführung unserer Patienten, ihre Teilnahme am Gemeinschaftsleben wo immer möglich“. Er kooperiert mit Ärzten, Therapeuten, Krankenhäusern in der gesamten Region zur Steigerung von Lebensqualität und Wohlbefinden der Pflegebedürftigen. Heute gehören 45 Mitarbeitern an zahlreichen Standorten in Köln und dem Umland zu dem „Virtus“-Team.

Doch längst denkt der heute 45jährige über den Alltag hinaus. Aktiv arbeitet er daran mit, das Berufsbild der pflegerischen Berufe attraktiver zu machen und auf die Zukunft auszurichten. Hierüber hat er mehrere Fachartikel geschrieben. Er ist als Experte in zahlreichen Gremien der Gesundheitspolitik ein gefragter Gesprächspartner. Dann der nächste große Schritt: 2016 gründete Sead Licina mit der „VS Virtuals Akademie GmbH“ sogar eine eigene Weiterbildungsakademie, die in Deutschland ebenso einzigartig wie international vorbildlich ist: Sie bildet Pflegeberufe mit modernen digitalen Lehrmethoden weiter auf der Grundlage neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse aus internationalen Spitzenuniversitäten. Hier gibt es nicht nur Kurse, sondern auch eine vollumfängliche dreijährige Ausbildung bis zum Abschluss. Unter Einbezug der eigens programmierten Lernsoftware ist es den Teilnehmern möglich, die Lernzeit individuell zu gestalten. Er schmunzelt: „Alle reden in Corona Zeiten von digitalem Lernen. E-Learning Plattformen sind aktuell gefragt wie nie zuvor. Viele versuchen nun, digitalen Unterricht aus dem Boden zu stampfen. Aber wir haben damit als erste angefangen und haben deshalb auch die meiste Erfahrung!“ Seine Partner sind Kliniken, Altenpflegeheime oder ambulante Dienste.

Und was ist seine Ambition dabei? „Wir wollen die Pflegeberufe für junge Menschen attraktiver und interessanter machen“, wirbt er. „Die älter werdende Gesellschaft verlangt neue Antworten. Wir möchten, dass jeder unserer Mitarbeiter oder Kursteilnehmer aus ganz Deutschland sein volles Potential entfalten kann“. Deshalb wird das Spektrum der beruflichen Aufgaben immer breiter: „Es reicht vom Gesundheits- und Krankenpflegeassistenten oder der Assistentinnen über den Alltagsbegleiter oder die Mediatorin bis zum Datenschutzbeauftragten mit dem Schwerpunkt Pflege und den vielfältig spezialisierten examinierten Altenpflegern“, zählt er Beispiele und Trends auf. Dass auch immer mehr junge Männer dieses Berufsfeld für sich entdecken, ist ihm wichtig.

Inzwischen genießt das Lernmodell der VS Virtuals Akademie hohen Zuspruch auf politischen Ebenen. Der diplomierte Pflegewirt aus Hochkirchen begrüßt das neue Denken in der Gesundheitspolitik: „Die anstehenden Reformen im Pflegebereich können eine große Chance sein – wenn wir jetzt die richtigen Schritte auch konsequent gehen!“.

Sead Licina, der sich auch im lokalen Sport in Hochkirchen und Rondorf engagiert, macht sich viele Gedanken. „Warum gibt es in unserem Veedel keine Angebote für die Bedürfnisse unserer Senioren? Unsere Bürger werden immer älter. Aber wo sind Plätze für die Kurzzeitpflege? Warum fehlt ein modernes Seniorenhostel? Wer plant für unser wachsendes Wohngebiet altersgerechte Wohnungen mit den dazu gehörenden pflegerischen Leistungsangeboten?“ In diese Aufgaben möchte der erfahrene Pflegepionier gerne seine Erfahrungen einbringen. Ideen hat er viele. Und offenbar auch die notwendige Energie, das in die Tat umzusetzen. Denn seine Devise gegen den Pflegenotstand heißt: „Menschlichkeit erleben!“ Mehr Infosinfo@virtus-pflegedienste.de. Tel. 02233/ 605 1914

Meine Straße: Im Rabengrund

Randlage? Ganze 6,1 Kilometer sind es vom Rabengrund bis zur Stadtmitte. Kein Problem, sagt Walter Wortmann. Er muss es wissen. Denn der Unternehmensberater wurde gerade erneut in den Rat der Stadt Köln gewählt, ist also viel im Zentrum unterwegs. Doch zuhause ist er in Hochkirchen, im – wie er sagt – steilsten Straßenstück einer Wohnstraße im Kölner Stadtgebiet. Wie lebt es sich da? Und was vermisst er?

Hochkirchen und der Rabengrund sind meine Heimat; hier hat meine Frau Lisa ihre familiären Wurzeln. Und unsere drei Töchter – mittlerweile alle auf den Kölner Süden verteilt – sind hier aufgewachsen; Kita und Grundschulbesuche inklusive. Würde man mich über ein unverwechselbares Merkmal dieser eher typischen, etwas verschlafen wirkenden Wohnstraße befragen, dann wäre es spontan die Topografie mit dem wahrscheinlich steilsten Straßenstück einer Wohnstraße im Kölner Stadtgebiet. 

Wohltuend ist die bis auf wenige Ausnahmen gewachsene, unveränderbare Bebauung mit Ein- und moderat höhenbebauten Mehrfamilienhäusern, was die Optik der engen Straßenführung ausmacht. Ebenso typisch sind die hinter den Häusern liegenden, großen Wiesengrundstücke, wo sich eher versteckt das Familienleben abspielt. Der geschätzte doppelte Kfz-Besitz pro Familie beschert dem Rabengrund einen engen Straßenverlauf. Hier zeigen sich besonders die Fahrkünste der AWB-Fahr-zeuge während der Straßenreinigung und Müllabfuhren. 

Die Fluktuation der letzten Jahre war und ist bezogen auf die Kürze des Straßenzugs eher hoch. Es mag sein, dass das dem Durchschnitt solcher Wohnstraßen in Köln entspricht, aber kognitiv fällt es mir auf. Ich bin wirklich nicht der Typ, tieferes Wissen über die Familien- und Bewohnerverhältnisse meines Wohnumfeldes kennen zu müssen; aber ein Straßenfest wäre bestimmt eine formidable Option zum gegenseitigen Kennenlernen und späteren Anlächeln und Grüßen beim Vorübergehen. Besonders freut mich, dass durch den Zuzug junger Familien Kinder die Straße als Spielgrund beleben.

Neben meiner kommunalpolitischen Arbeit für die Freien Wähler betreue ich als Mitglied der Wirtschaftssenioren NRW ehrenamtlich Unternehmerkonzepte, Krisensituationen sowie von den Jobcentern ausgewählte Unternehmensgründungen. In diesem Zusammenhang wünsche ich mir auch mehr Unterstützung für unsere Mittelständler und Geschäftsleute vor Ort, denn unser Veedel sollte nicht eine reine „Schlafstadt“ werden, sondern ein Wohnquartier, das durch attraktive und vielfältige wirtschaftliche Angebote lebt.

Was ich an „meiner Straße“ sehr schätze: Ein gutes gastronomisches Angebot hat sich in direkter Nachbarschaft des Rabengrunds angesiedelt: Dimi´s griechische Bistroküche gleich gegenüber; Valentino`s Pizzen fast nebenan; aber auch ein guter Döner, – dort wo früher eine Tankstelle war, das passt also – sind sehr zu empfehlen. Trotz meiner Kochleidenschaft lege ich nämlich gerne eine „to-go-Pause“ hier oder da ein. Manchmal freilich bleibe ich dort auch etwas länger hängen.

Was stört mich an der Wohnlage (als Bewohner und Kommunalpolitiker)? Es ist die je nach Windrichtung lautstarke Geräuschkulisse von Autobahn und Flughafen. In Köln scheint Nachtflugverbot eben neu geschrieben zu werden. Und mir will überhaupt nicht einleuchten, weshalb die Autobahnpolizei den lärmenden Nacht- und Sonntagsrasern zwischen Verteiler Süd und Ausfahrt Rondorf nicht nachstellt und diese aus dem Verkehr zieht. Und wenn wir schon beim Verkehr sind, eins will ich entschieden einfordern: Bevor die Bebauung des Neubaugebietes zwischen Weißdornweg und Brühler Landstraße beginnt, muss die Umgehungsstraße fertiggestellt und zugleich ebenso die Umsetzung der versprochenen Verkehrsberuhigung auch für Hochkirchen abgeschlossen sein. Damit wäre auch das Nadelöhr für die Linie 132 abgeschafft.

Deshalb will ich mich dafür stark machen, dass der Bau der Verkehrsumgehung absolute Priorität hat und vor Beginn der Baumaßnahmen für Rondorf Nordwest fertiggestellt ist. Kein Stein auf den anderen, bevor nicht das Verkehrsproblem mit einem überzeugenden Konzept gelöst ist! Wie zum Beispiel wird der Kreuzungsbereich Weißdorn Weg und Rodenkirchener Hauptstraße so gestaltet, dass unser Ort vom Durchgangsverkehr befreit wird?

Und wenn ich schon über Infrastrukturmaßnahmen und meine politischen Ziele rede: Dass der sogenannte Quartierplatz gegen den Willen der „Hochdorfer“ nun doch Zentrum des Neubaugebiets Nord-West werden soll, ist eine krasse Fehlentscheidung, ein Geschenk an das Investorenduo Amand/Deutsche Bahn. Der Platz sollte Alt- und Neu-Rondorf verbinden und einen neuen Ortskern entstehen lassen. Was jetzt kommt, steigert ausschließlich Attraktivität und Wert des Neubaugebietes, hängt den bisherigen Ortskern ab. Weitere Knackpunkte sind die schleppende Lösung der ÖPNV-Anbindung und die Ablehnung einer Gesamtschule für Rondorf. Für mich ist Rondorf Nord-West im Sinne der Anwohner-Bedarfe und Willensbildung gescheitert. Aber noch ist kein Spatenstich getan, und nach der Wahl ist vor der Wahl. Ich wünsche mir, dass die Zahl der konstruktiv-kritischen Einwohner deutlich schneller zunimmt. Statistikfans finden mehr über den Rabengrund unterhttps://onlinestreet.de/strassen/Im+Rabengrund.K%C3%B6ln.114316.html

MEINE STRASSE: Am Rodderpfädchen

So gesehen von Markus Schöneberger

Kennen Sie Howard Carpendale? Wegen ihm geriet Markus Schöneberger ganz zufällig ins Rodderpfädchen. Weil er nämlich nicht so gut singen kann wie der Schmusesänger mit dem „Hello again“-Sound. Und seitdem grübelt er unablässig darüber, was dieser ungewöhnliche Straßenname wohl bedeuten soll.

Hamburg ist schön, sogar sehr schön. Gibt es also einen Grund, von dort freiwillig wegzugehen? Natürlich nein. Bei mir war es jedoch so: Das Telefon klingelte und ich wurde mit der Frage konfrontiert, ob ich wenigstens für ein paar Jahre in Köln beim Aufbau eines neuen Fernsehsenders, der damals noch RTL plus hieß, mithelfen könne? Hmmm. Von der eleganten Elbe an den mir noch ziemlich unbekannten Rhein umziehen? Doch es sollte so sein. Und deshalb brauchte ich so schnell wie möglich eine passende Wohnung für meine junge vierköpfige Familie. Aber in Köln wollte uns niemand. Keine Wohnung für Fischköppe, hieß es überall, wo ich auch anklopfte. Mehrere Makler setzte ich in Marsch. Der eine bot mir ein „rustikales Haus im bäuerlichen Landhausstil“ an, das sich bei der Ortsbesichtigung allerdings als verlassene Hofruine entpuppte. Beim nächsten Objekt flüsterte mir eine Nachbarin aufgeregt zu, ich sollte im Falle eines Einzugs unbedingt auch an Gummistiefel denken wegen der nahen Rheinlage, Hochwasser und so. Vielen Dank! Dann wurde mein Blick auf ein „Architektenhaus“ gelenkt: Schmal, hoch, fast ganz aus Glas. Dort würde ich bestimmt rund um die Uhr sehr gut unter Beobachtung stehen – transparent von allen Seiten. Aber so viel Aufmerksamkeit scheute ich dann doch. Es folgte ein Objekt in „Stadtrandlage“, leider erwies sich diese als Eifelvorort. Weitere Hochglanzprospekte verdienten nicht einmal ein mattes Lächeln. Wochen vergingen so ins Land…

Doch dann ein verheißungsvoller Treffer: Der inzwischen vierte Makler stellte mir „etwas ganz Besonderes“ in Aussicht, „etwas, was absolut zu Ihnen passt, da Sie ja mit Fernsehen zu tun haben“. Als wir das Haus ganz in der Nähe des Senders über ein paar Stufen betraten, strahlte er mich an: „Hier hat bis jetzt Howard Carpendale gewohnt“. Hätte ich ahnen können, denn der Eingangsbereich war an allen Wänden von oben bis unten inklusive Boden und Decke voller großflächiger Spiegel. Hinter dem einen ging es ins Bad, der zweite öffnete sich diskret zum Wohnraum, der dritte versteckte die Treppe nach oben. Der Makler meinte, das sei doch so etwas wie ein Treffer im Lotto. Ich musste allerdings bescheiden zu bedenken geben: „Ich kann gar nicht singen – und benötige deshalb auch keinen eigenen Showroom zum Einüben diverser Hits und Konzertauftritte.“ Als der freundliche Herr gar nicht lockerlassen wollte, raunte ich noch, meine Frau habe zudem eine hartnäckige Allergie gegen Spiegelputzen. Kurz und gut: Deshalb platzte auch dieses Traumhaus. 

Stattdessen pendelte ich viele Monate jedes Wochenende in den hohen Norden. Gute Nachrichten von der rheinischen Immobilienfront hatte ich keine im Gepäck, dafür aber viel schmutzige Wäsche. Bis das Glück mir doch noch zulächelte: Fünf junge Damen hätten da etwas ganz in der Nähe des berühmten Grüngürtels, den Konrad Adenauer einst bauen ließ. Das klang gut: Konrad Adenauer statt Howard Carpendale. Allerdings: Ich müsste ganz schnell zugreifen. Der Makler nuschelte den Straßennamen ins Telefon, aber leider in ziemlich unverständlichem rheinischem Dialekt. Ich hatte wohl einen Hörfehler. Und verstand nur etwa: „Hottepferdchen“ – „Wie? Was? Was für ein Pferdchen soll das sein?“ Doch eine Entscheidung musste dringend her – und schon drei Tage später saß ich deshalb in Köln beim Notar den erwartungsfrohen Damen gegenüber. Während der Notar die Beschaffenheiten der Lage „Am Rodderpfädchen“ in allen Details herunterbetete, schielte ich diskret zu ihnen herüber: Ob die auch alle dort wohnen werden? Gelangweilt fing ich an, auf meinem Notizblock zu dichten: 

„Warum wohl wohnen die schönsten Mädchen

von ganz Köln im Rodderpfädchen?“

(Den weiteren Teil erspare ich mir hier, das tut nämlich nichts zu Sache!).

Kurz danach bin ich also in diesem gepflegten, familienfreundlichen Rodderpfädchen gelandet – wenn dort nur nicht so viele vergessliche Hunde(besitzer) unterwegs wären! Den Ursprung des Straßennamens aber konnte mir bis heute keiner überzeugend erklären. „Roden“ oder „Rottern“ steckt da wohl darin, also die Beseitigung von Feldwurzeln und altem Gehölz durch Bauern. Davon gab es in jener Gegend wohl einmal etliche. Und auch der nahe „Großrotter Hof“ erinnert an diese einstigen Ursprünge. 

Später lernte ich, dass die älteren Rondorfer die Gegend noch bis heute am liebsten meiden. Denn irgendwo hier lag auch der berüchtigte „Jaleschberg“: Als Ausdruck der Gerichtsbarkeit befand sich in früherer Zeit oberhalb unserer friedlichen Straße ein durchaus gefürchteter Galgen. Der Galgen des Hochgerichts war eine gemauerte kreisförmige Erhöhung, auf der zwei Pfeiler den tödlichen Querbalken trugen. Zum Glück wird diese Richtstätte heute – soviel ich weiß – nicht mehr für den finalen Justizvollzug genutzt. Aber die älteren Nachbarn nennen jene Anhöhe heute noch respektvoll „Jaleschberg“. 

Egal. Den fünf wunderbaren Damen war ich jedenfalls damals von Herzen dankbar – und ebenso Konrad Adenauer, immer wenn mich später im nahen Grüngürtel meine leuchtend gelben Laufschuhe durch Wiesen, Felder, Wald trugen. Sitze ich im Garten, zieht bei schönem Wetter zuverlässig aus irgendeiner Ecke des Rodderpfädchens der verführerische Geruch von Bratwurst oder Grillfleisch herüber, mitunter wird auch fröhlich musiziert. Dann summe ich leise mit. Manchmal auch „Hello again“. Doch Medienleute sind wie fahrendes Volk. Nirgendwo richtig zuhause. Ihre Reise führt immer weiter. Und manchmal vermisse ich in der rheinischen Tiefebene doch arg den frischen Wind des Nordens. Dann spüre ich tief in mir: Hamburg, Hello again. 

Einer von uns: Guido M. Schmitt

Der Duft der großen weiten Welt. 

Sie möchten Ihre ganz persönliche und unverwechselbare Duftnote kreieren? Guido M. Schmitt, der kreative Kopf der renommierten Kölner ars Parfum-Manufaktur, verwirklicht diesen Traum. Der SÜDBLICK hat ihn in seinem eleganten neuen Studio in Rondorf besucht. Die liebevoll restaurierte Anlage in einem ehemaligen Bauernhof soll künftig auch als inspirierende Begegnungsstätte für Parfum- und Beautyfreunde sowie Kulturinteressierte dienen.  

Hinter dem Haus duftet es auf kleinen Beeten verführerisch nach Lavendel, Rosmarin, Rosa Centifolia und englischen Duftrosen, den Blüten der Osmanthus; Thymian neben Blaubeeren, dazwischen auch ein Mandelbaum. Hier beginnt die Welt des Mannes, der sich selbst ein „Unikat“ nennt. Guido M. Schmitt entstammt zwar einer weitverzweigten hundert Jahre alten Kölner Parfumfamilie, die schon in der dritten Generation für ihre vielfältigen Mixturen aus wohlriechenden Essenzen und Aromen berühmt ist. „Aber“, so klärt uns der 59jährige gleich darauf, „ich bin kein gelernter Parfumeur im klassischen Sinne; ich bin eher ein innovativer Erfinder, der die Strahlkraft der Parfumwelt immer wieder neu entfalten möchte!“ Also ein Parfum-Pionier, immer auf der Suche nach Inspiration und Innovation. „Das kreative Schnellboot der Parfumbranche“ nennt er sich selbst nicht ohne Stolz.        Und setzt dann noch eines drauf: „Düfte sind meine Leidenschaft – meine ganz individuelle DNA“. 

Mit seiner feinen Nase hat er es weit gebracht. Seine Produkte stehen längst in den vorderen Regalen fast aller großen Drogerie- und Parfumunternehmen. Als etwa die populäre Influencerin Shirin David am Valentinstag 2017 ihre Follower einlud, gemeinsam eine neue Duftnote mit ihr online über einen Persönlichkeitstest zu entwickeln, kreierten Hunderttausende Fans dieses erste Shirin David Parfum. Fast 70.000 der begehrten Fläschchen gingen schon in den ersten Tagen bei dm über die Ladentische. Eine Weltsensation war entstanden, der – online kreierte – damals bestverkaufte Damen-duft. Und einer weiteren jungen Influencerin, Sängerin und Schauspielerin Julia Beautx kreierte er passend zu ihren Songs „Love“ und „Dance“ ihre eigene Parfummarke. Hier entschieden online sogar 5,5 Millionen Stimmen, welcher Duft bei den Rossmann Drogerien gelauncht wird. Der Siegersong auf Youtube, Tiktok, u.a. von Julia Beautx „Love“ erhielt 2.8 Mio. Stimmen. 

Für die Fußballweltmeisterschaften 2006 FIFA World Cup und 2014 FIFA World Cup lieferte Guido M. Schmitt als exklusiver Lizenznehmer der FIFA die originalen WM-Parfums. Das Sommermärchen 2006 beduftete er damals exklusiv in Deutschland mit Douglas. Aber es sollte noch besser kommen: „Mit meinem orientalisch-würzigen Herrenwasser 2014 FIFA World Cup wurde die deutsche Elf in Brasilien Weltmeister!“ freut er sich noch heute über seinen Coup. So haben immer neue Eigenkreationen, weltweit erfolgreiche Lifestyle- und exklusive Marken-Düfte für Handel, Mode, Sport und Fashion den Rondorfer und seine international vernetzte Manufaktur berühmt gemacht. In wenigen Wochen wird eine weitere große Premiere gefeiert: Im Oktober startet eine völlig neuartige Damen- und Herrenlinie im Handel in Zusammenarbeit mit dem Modeschöpfer Wolfgang Joop unter dem Label LOOKS by Wolfgang Joop.         

Die Fantasie des gebürtigen Kölners kennt schier keine Grenzen. In den berühmtesten Traditionshäusern der Welt hat der Duftcréateur von der Pike auf 30 Jahre lang Erfahrungen sammeln können. Heute dirigiert er ein kompetentes und engagiertes Team, das gemeinsam die Leidenschaft für Parfums und Beauty täglich lebt. Das elegant ausgerüstete Parfumlab mit Beautylounge hält Hunderte von Duftstoffen vor, die das gesamte Spektrum der Duftstoffe und Aromen und Essenzen abbilden. Darunter befinden sich Rose oder Meeresbrise, aber auch Gurke, Schokolade, Fichte, Leder und Weihrauch. „Da lassen sich mühelos mehr als 20 Millionen neuartige Kreationen und Mischungen herstellen. Jeden Tag entdeckt unsere Parfumeurin hier etwas Neues“, begeistert sich der Meister der edlen Gerüche bei einem Rundgang durch sein Ambiente. „Bei jungen Menschen sind zumeist fruchtige Düfte mehr im Trend, Ältere stehen mehr auf einer Melange floraler, aromatischer und orientalischer Elemente oder begeistern sich gar für exklusive Nischenkreationen“, hat er beobachtet.

Für seine Privatkunden, Modedesigner, Influencer, Handelspartner arbeiten Parfumeure in New York, Paris, Sao Paolo, Shanghai und München. Aber er selbst ist in Rondorf zuhause und auch hier befindet sich sein eigenes fast 400 Quadratmeter großes Parfum-Atelier. Noch ist nicht alles ganz fertig. An der Lichttechnik wird noch gearbeitet; kleine Details bei Design und Ausstattung sind Schmitt wichtig. Die Arbeitsatmosphäre muss stimmen. Und weil er hier gerade an seinem wohl größten Traum arbeitet, wird auch der bisherige Firmenname „ars Parfum Manufaktur“, unter dem er sich 1996 selbständig gemacht hat, demnächst einem neuen Markenbegriff weichen. Dann wird aus dem schmucken gläsernen Atelier die „Parfumlovers Cologne“.

Ab Frühjahr kommenden Jahres soll hier nämlich in großem Stil das ganz und gar individuelle Parfum für jeden kreiert werden. Denn der gewiefte Marktkenner hat erkannt: Die Kunden von heute sind mit der Inflation neuer Parfums und der Suche nach dem für sie perfekten Duft überfordert. Sie suchen nach Individualität und sind oft überfordert mit dem Angebot in Drogerien oder Parfümerien, wenn sie sich selbst oder ihrer Freundin eine Freude machen wollen. Doch Dutzende von Aromen, hier ein Flakon, da ein Spray, dort ein dezenter Tupfer auf die Hand, lassen sie rasch ratlos werden; denn ihr Gehirn macht schon nach der konzentrierten Aufnahme von wenigen Gerüchen schlapp. Und dann? Dann geht man oftmals ohne wirklich überzeugendes Ergebnis wieder aus dem Laden. Enttäuscht oder verunsichert. 

Das will Guido M. Schmitt jetzt gründlich ändern. Die Suche nach der persönlichen Duftnote soll die Liebhaber des Besonderen künftig statt in irgendeine Boutique in seinen leicht versteckten, aber romantischen und stilvollen Altbau im Kölner Süden locken. Hier in Rondorf residiert er seit letztem Dezember als eine der äußerst rar gewordenen individuellen Spürnasen der Branche; denn es gibt gegenüber all den internationalen industriellen Herstellern nur noch sehr wenige handwerkliche Produzenten, die es verstehen, das Parfum mit der jeweils höchst persönlichen Note zu komponieren.

Und genau diese revolutionäre Idee soll ab dem kommenden Jahr neue Wirklichkeit werden – unterstützt von fleißigen Algorithmen. Die Testphase für das neue „Scentist 2.0“ startet im Herbst. Doch auch schon jetzt mischt der erfahrene Kreateur exklusiv aus Duftstoffen, Aromen und ätherischen Ölen jeweils eine ganz individuelle Rarität für eben all jene Parfumliebhaber von Hand ab, die schon immer ihre ganz eigene wow- Komposition genießen wollten. Egal ob eine sinnliche Damennote, ein erfrischender Herrenstil oder eine flexible Unisex-Mischung – bei Guido M. Schmitt soll jeder ganz seiner wohlriechenden Leidenschaft frönen können. Das ist seine Vision: „Düfte sind ein wahres Elixier für die Sinne. Sie können berauschen, Stimmungen und Gefühle freisetzen. Sie geben der persönlichen Aura ihre unverwechselbare Note! Und das wird bei uns bald Wirklichkeit“ lautet seine nächste große Ambition. Für diesen Schritt weg von der netten, aber beliebigen Massenherstellung hin zu einem Produkt, das ganz dem eigenen Stil des Kunden Rechnung trägt, hat er bereits eine hochtalentierte Mitarbeiterin aus Persien angeworben, die sich in der Welt der Aromen ebenso souverän auskennt wie mit künstlicher Intelligenz (KI). Denn um die Kombination von beidem geht es.  

Seit fünf Jahren arbeitet Guido M. Schmitt in mühevoller Detailarbeit an seiner Idee einer Duftmarke, die perfekt auf die persönlichen Vorlieben seiner Klientel abgestimmt ist.  Wie diese Parfuminnovation möglich ist? Nur so viel sei hier verraten: Ein feinsinnig ausgetüftelter Fragebogen in der Form eines speziell entwickelten, bilderbasierten Persönlichkeitstests hilft dem Kunden, sich selbst genauer kennenzulernen, seine geheimen Wünsche herauszufiltern.  Das Ziel ist nichts weniger als ein Premiumprodukt aus langjährigem Parfumeurshandwerk und modernster Computertechnologie – „abgestimmt auf Kunden, die ihren ganz eigenen und unverwechselbaren Stil verwirklichen möchten“. Fachleute zeigen sich jetzt schon begeistert von dieser Revolution. Der Herr der tausend Düfte weiß aber auch: „Der persönliche Duft ist kein Wunschkonzert. Entscheidend ist, wer ich bin. Parfum und Mensch müssen in den charakteristischen Merkmalen zusammenpassen. Wenn es gelingt, heimliche Vorlieben und Sehnsüchte harmonisch zu verbinden, das gesamte Wesen zu berücksichtigen, gelingt tatsächlich eine ganz exklusive Eleganz“. 

Diese besorgt dann das parfumistische Mastermind „THE SCENTIST“ (www.thescentist.com) und die hinterlegten Algorithmen. Denn aus den Bildantworten komponiert das System eine gekonnte Mischung aus Akkorden, Duftölen, Aromen mit dem berühmten „I-Tüpfelchen“. Das einzigartige Duftgemisch wird dann noch von der Parfumeurin geprüft und dann endlich ist auch der Chef der „Parfumlovers“ zufrieden. „Denn es sind die kleinen Geheimnisse, die die Aura einer Persönlichkeit ausmachen!“ lacht er. So entstehen in der Rondorfer Manufaktur hochwertige Parfums aus vielfältigen Duftstoffen und reinen Naturextrakten, die mit hundert Prozent veganer Fertigung überzeugen – stilvoll und ästhetisch verpackt in einem eleganten Flakon, mit Etikett, individuellem Code und Zertifikat in einer hochwertigen Metallbox. 

Doch die Räumlichkeiten im Kölner Süden sollen künftig noch mehr bieten:  Workshops zum Beispiel für Parfuminteressierte, die bei der Kreation selbst mitwirken wollen. Exklusive Parfumseminare und Events. Gepflegte Begegnungen für ausgesuchte Weine, Rum-, Gin- oder Whisky-Tastings. Aber auch bieten die Räume Platz für Kunst in der Galerie und besondere Treffen im Freundes- und Bekanntenkreis – die Rondorfer Parfum-Manufaktur „Parfumlovers Cologne“ als Ort der puren sinnlichen Freude für Genießer.     

Guido M. Schmitt also der perfekt dufte Typ? Nein, dieser Joke wäre zu banal. Er ist viel eher einer der letzten Magier, die es verstehen, den Duft der großen weiten Welt immer wieder neu in die Flasche zu zaubern. Für jede und jeden nach persönlichem Geschmack. Willkommen also in der wunderbaren Welt der Düfte und Kosmetikprodukte von Rondorf!

Mehr Infos:  www.parfum-lovers.com

Meine Straße: Hans Berge-Straße

Erlebt von Peter Heinzlmeier

Als ehrenamtlicher Kommunalpolitiker schaut Peter Heinzlmeier besonders aufmerksam auf unser örtliches Straßenbild: Was fehlt und wird gebraucht? Was entwickelt sich neu? Sein privates Zuhause hat er in der Hans-Berge-Straße gefunden. Deren Namensgeber, ein früher, aber modern denkender Kölner Stadtplaner, inspiriert ihn durchaus. 

Mir gefallen Straßenentwicklungen, bei denen es gelingt, die notwendigen Bauaktivitäten so ansprechend zu gestalten, dass sie gleichzeitig, so weit als möglich, ein Wohnen im Grünen zulassen und damit Lebensqualität im Alltag schaffen. Ich glaube, unsere Straße ist dafür ein durchaus gelungenes Beispiel. Und sie macht damit unserem Namensgeber durchaus Ehre.

Wer aber war Hans Berge, von dem wir heute noch lernen können? Während in vielen anderen Städten nach dem Zweiten Weltkrieg Felder und Waldstücke für städtebauliche Zwecke geopfert wurden, ging Köln in seiner Grünpolitik einen durchaus anderen Weg. Auf den Spuren Konrad Adenauers, dem die Stadt Köln nicht zuletzt den inneren und äußeren Grüngürtel verdankt, entwickelte Hans Berge, der 1955 Kölner Stadtdirektor wurde, als großer Naturfreund und Pflanzenliebhaber seine Ideen. Ihm verdanken wir zum Beispiel ganz in unserer Nähe mit dem Forstbotanischen Garten eine Grünanlage, die seit 1964 den Menschen im Kölner Süden Naherholung in einer einmaligen wald- und parkartigen Landschaft von bemerkenswerter Artenvielfalt bietet und Experten wie botanisch interessierte Gartenfreunde in großer Zahl anlockt.

Hans Berge warb unermüdlich dafür, in der Bauplanung die Grüngestaltung nicht zu vernachlässigen und auch in einer entwickelten Stadtgesellschaft der Natur genügend Freiräume zu belassen. Er bekannte schon 1958: „Alle Möglichkeiten zur Schaffung neuer Wald- und Erholungsgebiete müssen erkannt und ausgenutzt werden, damit wir vor unseren Kindern und kommenden Generationen bestehen können“. 

Hans Berge war also ein vorausschauender Kölner Kommunalpolitiker mit Visionen, der schon ökologisch dachte, als dieses Wort noch kaum jemand kannte. Zugleich ein moderner Stadtplaner, der wusste, wie wichtig es ist, den Ruf nach mehr Wohnraum mit „grünen Konzepten“ zu verbinden. „Er sorgte für großflächige Aufforstungen mit Mischwald, die sich jetzt in den Klimaveränderungen bewähren“, erläuterte kürzlich Dr. Bauer, stellvertretender Leiter des städtischen Grünflächenamtes. „Sogar die sog. „Kölner Mischung“ mit Buche, Ahorn, Linde, Haselnuss und Exoten wie Mammutbaum und Blauglockenbaum geht auf Hans-Berge und seine Person als Vorreiter der heutigen Zeit zurück.“ Kaum ein Thema ist heute auch in unserem wachsenden Wohngebiet aktueller. „Ich jedenfalls freue mich jedes Mal,“ so Peter Heinzlmeier, „wenn ich nach einem intensiven Arbeitstag bzw. einer mehrstündigen Sitzung noch in „meiner“ Straße eine Runde mit dem Rad starten oder einen Lauf in herrlicher Natur zum Forstbotanischen Garten beginnen kann, um in der Umgebung den Termindruck des Alltags ein wenig zu vergessen.“ 

Meine Frau und ich zogen unmittelbar nach Geburt unserer Tochter vor fast genau 20 Jahren von Rösrath nach Rondorf um – in das Haus meiner Schwiegereltern, die sich damals räumlich veränderten. Entscheidende Kriterien waren für uns die Nähe zu unseren Arbeitsstellen, die Lage zum hervorragenden Kindergarten der Evangelischen Kirchengemeinde in der Carl-Jatho-Straße und die fußläufig erreichbare Anne-Frank-Gemeinschaftsgrundschule. Aber schon damals überzeugten uns auch die guten Einkaufsmöglichkeiten für den täglichen Bedarf, buchstäblich um die nächste Ecke.

Unsere Straße ist eine verkehrsberuhigte Sackgasse, die nach rund 200 Metern endet und deren Geschichte im Jahre 1992 beginnt. Damals war der – parallel verlaufende – Sperberweg bereits durch einen Bauträger vermarktet und bebaut. Daher konnte die Erschließung „meiner Straße“ als Arrondierung des Ortes nur über eine Baustraße, einem heutigen Fußweg vom Sperberweg, aus stattfinden. Nach dem Bau einer in überwiegend dunkelbraunen Farbtönen gehaltenen Hausreihe, die zusätzlich über eine Baustraße von der nördlich gelegenen Carl-Jatho-Straße aus erreichbar war, verlief ab 1993 parallel der Verkauf und Bau von drei Hausreihen in der Hans-Berge-Straße durch ein Kölner Unternehmen. 

Zunächst wurden die westlichen, mit weißen Klinkern versehenen und danach die ostwärts gelegenen in rötlichem Klinker gehaltenen Hausreihen erstellt und bereits Ende 1993 war die erste Hausnummer 30 bezogen; aber noch ohne fließendes Wasser – ein großzügiger Nachbar aus dem Sperberweg half den „Erstbeziehern“ im Übergang mit dem Nötigsten aus. Der Lückenschluss zur Giesdorfer Straße war schnell geschafft, aber die eigentliche südliche Zufahrt wurde erst nach Bezug aller Häuser fertiggestellt; mit dem Nachteil, dass bis 1995 die LKW aller Umzugsfirmen vom Sperberweg aus anfahren mussten. 

Aus den Anfangsjahren wohnen noch heute viele (Erst-)Eigentümer hier in der Hans-Berge-Straße und schätzen seit fast 30 Jahren den weiten Blick über die im Osten von Rondorf angrenzenden Felder – landwirtschaftlich durch Getreide-, Spargel-, Zuckerrüben- oder Kartoffelanbau genutzt. Gerne genießen sie, auch mit Nachbarn aus den angrenzenden Straßen, „ihren“ Naherholungsbereich; einen Fuß- und Radweg, der 2014 von der „Regionalen“ noch zusätzlich mit einer Allee gesäumt und mit Ruhebänken versehen worden ist. Dieser lädt Spaziergänger, Familien mit Kindern und so manchen Sportbegeisterten dazu ein, sich friedlich „im Grünen“ am kleinen Rondorfer Friedhof vorbei bis nach Immendorf fortzubewegen. Ein Geschenk, das sie auffordert, es zu bewahren und an ihre Nachkommen weiterzugeben.

EINER VON UNS: Burkhard Bechtel

Auch wenn die Formel Eins jetzt wieder an den Start geht: Für den Rennsportexperten Burkhard Bechtel ist seit der „Corona-Krise“ nichts mehr so wie es war: „Es gibt Dinge, die sind wichtiger als mit Vollgas über die Kerbs des Lebens zu ballern oder als Erster ins Ziel zu kommen“. Dies sagt ein Mann, der immer gerne Vollgas gibt. Denn Burkhard Bechtel aus Hochkirchen ist Stimme und Produzent des populärsten Markenpokals im deutschen Rennsport. Seit 30 Jahren liefert er rund um die Welt die Livebilder und Reportagen des Porsche Carrera Cup Deutschland. Doch jetzt heißt es für ihn plötzlich: Boxenstopp. 

Burkhard Bechtel ist es gewohnt, mit seinen mehr als 30 OnBoard-Kameras immer hautnah dran zu sein an den heißen Reifen des rasanten Porsche 911 GT3 Cup. Egal ob Frontlippe, Spiegel oder Heckspoiler – die kleinen Kameras verfolgen live jede kleinste Drehung auf dem Asphalt. Ob aktuelle TV-Bilder und Livestreams, spannende Instagram-Stories, schnelle Facebook-Posts, Infos per Twitter oder YouTube – hinter allem steht „bbe“, so sein Kürzel. „Wir liefern alles rund um das Renngeschehen bis hin zu spannenden Hintergrundberichten aus dem Fahrerlager“, erzählt er im SÜDBLICK-Gespräch. Im letzten Jahr kamen so mehr als 100 Videos für die verschiedensten Kanäle zustande. Kaum eine Social-Media-Plattform, auf der er nicht präsent ist. Die wachsende Popularität der Rennserie ist nicht zuletzt sein Verdienst. Der Startschuss fiel 1990 im belgischen Zolder. Mehr als 300 Rennen wurden seitdem ausgetragen. 

Aber jetzt ist plötzlich „Boxenstopp“ für den Rennzirkus. Corona legt selbst die schnellsten Männer der Welt lahm. Und jetzt? Wie geht es weiter? „Im Augenblick schlicht und einfach gar nicht. Die Welt der großen Sportereignisse ist nahezu komplett zusammengebrochen; und die des Motorsports nahezu restlos“, bilanziert der 64-Jährige. Und wie verändert dies alles seinen Blick? Auch hier kommt ein klares Bekenntnis: „Ganz deutlich! Dreißig Jahre lang hat der Rennsport das Leben meiner Familie und meins nahezu komplett in Beschlag genommen. 24 Stunden an sieben Tagen die Woche war von März bis Oktober unser Arbeitsrhythmus. Plötzlich muss ich nun zwangsweise erkennen, dass der Motorsport nicht der Nabel der Welt ist“. 

Doch haben dies alle sofort verstanden? „Auf gar keinen Fall. Es gab viele Kollegen, die das eher harmlos gesehen haben. In vier Wochen fahren wir wieder! war zum Beispiel ein immer wieder gehörter Satz. Mittlerweile ist aber wohl jedem Kollegen klar, dass sich unsere TV-Welt vermutlich auf Monate, wenn nicht sogar Jahre verändern wird“, sagt der Sportkenner ganz offen. Um die Zukunft macht er sich deshalb große Sorgen: „Rennfahren ist letztendlich auch ein Beruf, bei dem das sportliche wie das wirtschaftliche Ergebnis stimmen müssen. Fahrerinnen und Fahrer müssen von den Einnahmen des Sports leben. Für sie alle beginnt gerade eine neue Welt“.

Und das gilt aus seiner Sicht für alle großen Sportereignisse – egal, ob Bundesliga, Olympische Spiele, Europameisterschaften. Denn: „Sport ist Emotion. Sport braucht die Menschen, die ihnen vor Ort live zujubeln. Das ist so wie bei Künstlern auf der Bühne und deren Applaus. Sport ohne Fans wird mittelfristig in der Form wie wir ihn kennen, nicht funktionieren“, sagt der langjährige Sportreporter und denkt dabei zugleich auch an den Amateursport: „ Auch die Kreisklasse des Fußballs braucht die Zuschauer, die begeistert live dabei sind“.

Wie groß also wird der Rückschlag für den Spitzensport sein? Bechtels Prognose ist voller Skepsis: „Sehr groß. Da werden nicht nur sportliche Karrieren nicht mehr weiter fortgeführt werden, sondern ich sehe vor allem ein Problem in der sich ändernden Betrachtung auf Nachwuchsförderung und Unterstützung von Talenten. Die Frage der nächsten Jahre lautet schlicht und einfach: Wird das Geld noch da sein, um hier zu unterstützen?“

Burkhard Bechtel kennt dies alles aus eigener Erfahrung. Denn er ist früher selbst Rennen gefahren, mit einem akzeptablen Erfolg, „der mir und meiner Familie finanziell allerdings vieles abverlangt hat. Ich habe mir dann mal im Scherz geschworen, dass ich mir jeden Groschen wiederhole. Das hat zum Glück funktioniert.“

Seine Erfahrungen gibt er inzwischen gerne weiter. Mit seinem Wissen und seinem Knowhow schult er regelmäßig junge Rennfahrer. „Für mich ist es ein echter Kick, junge Leute vom „no name“ zum Spitzensportler zu begleiten. Michael Schumacher war und ist für mich ein solches Beispiel. Ich habe ihn von seinen allerersten Schritten im Automobilrennsport bis zum Einstieg in die Formel 1 begleitet und dort auch immer wieder getroffen. Ein bemerkenswerter Weg eines großen Sportlers, vor dem ich mich nicht tief genug verneigen kann“.

Doch nunmehr muss Burkhard Bechtel lernen, dass die Devise des Sports höher, schneller, weiter „mehr oder weniger zur Bedeutungslosigkeit wird, dass nun ganz andere Themen zu den alles Beherrschenden des Lebens werden“, wie er es ausdrückt. „Gesundheit, Solidarität, das Einstehen für den oder die andere sind plötzlich viel wichtiger, als mit Vollgas im Kreis-Herum-zu-fahren. Die Einsicht bringt uns gerade bei, dass Leerlaufdrehzahl plötzlich ganz viel Sinn macht“, lautet seine aktuelle Erkenntnis. Und er formuliert sein neues Leitmotiv so: „Wir brauchen nicht die schnellste Linie vom Start zum Ziel, sondern die sicherste“. 

Auch wenn der passionierte Anhänger schneller Rennen in den letzten Wochen gemerkt hat, dass Motorsport nicht der Nabel der Welt ist, so bleibt doch seine Hoffnung: „Eines Tages möchte ich schon dabei sein, wenn die Räder wieder ihre Runden drehen“. Und so wartet er auf die Zeit danach; auf die Zeit, in der Motorsport wieder Sinn machen kann. Und seine 30 OnBoard Kameras wieder nur ein Ziel kennen.

Bis dahin betreibt er virtuellen Rennsport, „weil ich fest daran glaube, dass das wohl auch ein Teil unserer Zukunft werden wird. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass ich in den nächsten Jahren in der kurzen Hose in Hochkirchen auf der Couch sitzen werde, um ein Rennen zu kommentieren, zu dem sich gerade Sportler aus der ganzen Welt per Rennsimulator zugeschaltet haben.“

Ach ja, und wie kam der Vielgereiste zu seiner Couch in Hochkirchen? Er erzählt: „Erst bin ich ein wenig durch die Kölner Veedel getingelt“. Dann blieb er 1990 hier hängen. „Ein bemerkenswerter Stadtteil, den ich nicht mehr missen möchte. Er erinnert mich ein wenig an meine alte Heimat, das Siegerland, allerdings offener und mit einem deutlicheren Miteinander. Mit gefällt hier der leicht dörflich geprägte Charakter. Jeder kennt jeden, man hilft sich, ist freundlich im Umgang. Die offene Lebensart erleichtert das Leben hier sehr. Und dann gibt’s noch den Riesenvorteil, dass mein Hund und ich spätestens nach fünf Minuten auf unserer Runde irgendwo im Grünen sind“, lacht er. Und bricht auf zur nächsten Runde. Ganz ohne PS. „Vielleicht aber dann demnächst doch wieder mit Motorkraft“, merkt er noch an. „Ab Mitte August soll es auch bei uns im Motorsport wieder losgehen.“

EINER VON UNS: Frank Dünzl

Er ist Globetrotter in Sachen Fotografie – gleich ob Hochzeitsbilder auf Bali, Tokio bei Nacht, eine Sommerreportage im kalifornischen San Diego. Frank Duenzl aus Hochkirchen hält solche Motive mit einfühlsamem Kameraauge professionell fest. Kein Ort ist ihm dafür zu weit oder zu ungewöhnlich. Besonders gern begleitet der 54jährige Paare beim Ja-Wort für ein Leben zu zweit. Egal wo. Denn das sind für ihn Momente für die Ewigkeit. Dem SÜDBLICK hat er seine schönsten Erlebnisse erzählt.

Am liebsten ist Frank Dünzl auf der Suche nach außergewöhnlichen Bildern und spektakulären Aufnahmen mit dem Fahrrad unterwegs. „So sehe ich einfach mehr, kann genauer beobachten“, ist seine Erfahrung. Beispiel Japan, die Sprache dort spricht er fließend. Er will Locations ausfindig machen, wo er abseits der Tourismuszentren Geishas treffen kann, jene charmanten, geheimnisvollen Frauen, die traditionelle japanische Künste darbieten, aber leider eher zurückhaltend sind, wenn sich neugierige Fotografen nähern.

Vier Wochen ist der gebürtige Kölner unterwegs. Dann hat er Glück. In Gion, einem der malerischsten Stadtteile von Kyoto, gelingt es ihm, zwischen engen Gassen und Teehäusern im typischen Stil des Landes mit einer der Unterhaltungskünstlerinnen und ihrer Schülerin ins Gespräch zu kommen. Es entstehen schließlich perfekte Bilder in einer unglaublichen Atmosphäre: Stimmungen bei Nacht und im Regen, ein Farbenspiel von einmaliger Faszination. „Glück gehört einfach dazu“, freut sich der Kameramann aus Deutschland. Diese Fotos wurden später Teil einer großen Ausstellung, die er 2013 anlässlich des 50. Geburtstages der Städtepartnerschaft zwischen Kyoto und Köln realisieren durfte. 

Frank Dünzl liebt es, Personen in ganz besonderen Situationen aufzunehmen, „denn ich glaube, ich kann gut mit Menschen so umgehen, dass sie möglichst entspannt sind.“ Den richtigen Moment zu erfassen, die entscheidenden Augenblicke zu treffen, das ist seine Mission. Egal, ob er im Auftrag einer Presseagentur unterwegs ist, für ein Event gebucht wird, für ein Lifestyle-Magazin oder er sich der Fine Art widmet. „Es kann aber auch ganz einfach der Mensch von nebenan sein. Ich halte die vergänglichen Momente des Lebens im Bild fest, und zeige den Menschen im Kontext seiner Umgebung, seiner Arbeit und seiner Kultur“. 

Und das sind bei ihm vorzugsweise Paare am glücklichsten Tag ihres Lebens. Wie viele Hochzeiten er schon in seinen Bildern festgehalten hat, weiß er nicht mehr ganz genau. Aber einige Termine bleiben besonders fest in Franks Erinnerung. Wie jene romantische Strandhochzeit auf Bali, die allein schon durch ihren überaus reichen und außergewöhnlichen Blumenschmuck wirkte wie aus dem Poesiealbum gemalt.

Es gab aber auch schon skurrile Situationen. Da wartete ein Termin in Los Angeles auf ihn. Der Hochzeitsfotograf vom Rhein war extra von einem amerikanischen Paar engagiert. Alles läuft bestens. Alle sind höchst zufrieden. Nach dem offiziellen Teil beginnt das Fest. Musik erklingt. Aber was ist da zu hören? Statt amerikanischen Klängen ertönen Schlager Made in Germany aus den Lautsprechern. Ausgerechnet die Münchner Gruppe „Dschingis Khan“ mit ihrem Ohrwurm „Moskau“ hatten sich die frisch Vermählten als Wunschlied ausgesucht. Frank, der weddingshooter, kann darüber noch heute schmunzeln.

Er erzählt: „Früher konnte ich mit solchen Anfragen eher wenig anfangen. Ich fand Hochzeitsbilder eher kitschig und auch langweilig“. Doch dann führte ihn ein Urlaub nach San Diego in Kalifornien. Die Wellen des Pazifiks lockten ihn, er beschloss, dort zu bleiben und „America’s Finest City“ mit dem angenehmen Klima zu seiner zweiten Heimat zu machen. Dort beobachtete er ziemlich bald, wie Amerikaner aus Hochzeiten mit sehr viel Kreativität ganz besondere filmische Ereignisse machten. „Das hat mich inspiriert, ebenfalls in diese Richtung zu gehen. Dabei habe ich im Laufe der Zeit meine eigene Bildsprache entwickelt“, schildert er seine Erfahrungen. Er hat den Schritt nicht bereut. Und seitdem ist er Weltreisender als Fotograf in Sachen Liebe. „Wenn man als Fotograf erstmal Gefallen an der Hochzeitsfotografie gefunden hat, kann man sogar weitaus schönere Bilder als bei einem Mode-Shooting machen“, ist seine Erfahrung.

Wie es ihm gelingt, den Verliebten beim Fotoshooting immer wieder ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern? Da verrät er einen kleinen Trick: „Ist mir eine Aufnahme gut gelungen, dann lächele ich freudig und blinzele zufrieden unter meiner Kamera den beiden zu. Und dann kommt fast immer spontan ein ebenso fröhliches Lächeln zurück!“

Von Schnappschüssen über total posierte Bilder, Arrangements mit Blumen, Luftsprüngen, rennenden Brautpaaren, Aufnahmen mit bombastischen Schlössern im Hintergrund oder einfach nur kitschigen Bildern mit oder ohne Sonnenuntergang können seine „Stars für einen Tag“ alles von ihm haben, was sie wollen: Schwarz/Weiß, Farbe, oder Retro. 

„Ich bemühe mich immer, das Beste aus dem portraitierten Menschen herauszuholen“, lautet die Devise des gefragten Kameraprofis. Er macht alles, um diese Personen im Mittelpunkt gut aussehen zu lassen. Moderne Technik tut dabei ein Übriges. Seit die Dunkelkammer digital geworden ist, verbringt er etliche Stunden vor dem Computer, um die Bilder am Monitor zu optimieren. Vielleicht wird eine DVD daraus, ein Video für Facebook oder YouTube. Alles ist möglich.

Doch momentan arbeitet Frank aus Hochkirchen wieder an einer ganz neuen Idee: Einem Kunstprojekt, für das er noch die passende Galerie sucht. Thema ist ‘Neon Metropolis’ – Nachtaufnahmen von Tokyo, neonglänzende Regennächte, inspiriert von dem Film-Klassiker ‘Blade Runner’ und ‘Ghost in the Shell’. So viel Abwechslung zwischen all den Hochzeitsfeiern muss dann doch mal sein. Mehr Infos: https://www.koeln-hochzeitsfotos-deluxe.de; https://www.shunkan.org/kyoto_japan_exhibition.html; https://www.shunkan.org

Meine Straße: Waldkauzweg

von Jan Noeske

Wir haben die perfekte Straße für „Schnitzeljagd nach Hausnummern“ – meint Waldkauzweg-Bewohner Jan Noeske, der 2011 mit seiner Familie per Bollerwagen dorthin gezogen ist. Doch die Verteilung der Hausnummern zwischen Abzweigen und Fußwegen lässt hier so manchen Briefboten schlicht verzweifeln. Für das Ordnungsamt wiederum scheint die Straße eine richtig gute Einnahmequelle zu sein.

Für alle, die es nicht wissen: Der Waldkauzweg ist zwischen Edeka und Anne-Frank-Schule gut erkennbar an den grünen Fenstern und Garagen – auch wenn es zum Glück ein paar Farbausbrecher gibt. Ganz unterschiedlich ist der Baubestand mit Apartmenthäusern, Doppelhaushälften und Reihenhäusern. Lustig ist, dass von außen alle Häuser gleich aussehen, aber (auf jeden Fall bei uns in der Reihe) innen alle ganz unterschiedlich sind.

Der Waldkauzweg ist die perfekte Straße für „Schnitzeljagd nach Hausnummern“… sie geht wie ein U von der Reiherstrasse ab und endet da auch wieder. Dazwischen gibt es einige Abzweigungen und Fußwege. Wie die Hausnummern vergeben sind, habe ich bis jetzt nicht verstanden und so manchen hilflosen Paketzusteller schulterzuckend auf Google Maps verwiesen.😉

Aber die verkehrsberuhigte Straße, die zwischen 1993 und 1995 in mehreren Bauabschnitten durch die Baufirma WILMA entstand, ist ein Idyll für Familien. Inzwischen sind zwar viele Kinder der „1. Bewohner-Generation“ schon zu alt zum Spielen auf der Straße, aber die Hinzugezogenen (wie wir) sorgen für Nachschub. Daher ist der Waldkauzweg regelmäßig Tennis-, Basketball- Fußball- oder einfach nur Spielplatz. 

Die Nähe zu den Läden an der Rodenkirchener Straße ist super. Die unmittelbare Nähe zum Edeka führt (leider) dazu, dass wir beim Einkaufen oft nicht viel nachdenken, was wir brauchen. Wenn beim Kochen etwas fehlt, geht man einfach nochmal kurz rüber.

Sehr schön sind auch die „essbaren Verkehrsinseln“. Auf einigen Inseln wachsen schon recht große Beerensträucher, die im Sommer reichlich Früchte tragen. Umso ärgerlicher ist, dass fast alle Bäume auf den Verkehrsinseln ein ziemlich jämmerliches Dasein fristen. Sie sind nahezu alle krank und sehen nicht sehr schön aus. Die Versuche, sie durch radikalen Schnitt zu verjüngen, waren bislang leider vergeblich. Wir sind gespannt, wie das in den nächsten Jahren weiter geht.

Der Grünstreifen zwischen Merlinweg und Waldkauzweg ist die perfekte Naherholung für Kinder. Die zwei Spielplätze bieten Kindern superviele Möglichkeiten. Er wird auch gerne von den gefühlt 500 Hunden in Rondorf/ Hochkirchen genutzt. Ärgerlich ist, dass ein (wahrscheinlich verschwindend geringer) Anteil der Hundebesitzer ihre „Haufen“ hinterlassen. Das führt leider regelmäßig dazu, dass auf der Wiese spielende Kinder stinkend aus der Wiese kommen. Die Meinung zu dem beliebten Treffpunkt für die Jugendlichen gehen bei den Anwohnern auseinander. Allgemein nervig ist die laute Musik (die zumindest nicht meinen Musikgeschmack trifft) und der ständige „Kifferduft“ zwar schon, aber ich finde keinen Grund zur Aufregung. Inakzeptabel ist der Dreck, der viel zu oft von den Gelagen zurückbleibt. Warum drei Meter entfernte Mülleimer nicht genutzt werden, ist mir ein Rätsel! Ein Hoch auf alle Nachbarn, die wahrscheinlich deutlich öfter als die AWB den Dreck wegräumen.

Dass der Waldkauzweg morgens regelmäßig von Elterntaxis genutzt wird, um die Kinder zu der nur wenige Meter entfernten Anne-Frank-Schule abzusetzen, finde ich eigentlich gut, da dadurch das Verkehrschaos an der Adlerstraße entlastet wird. Inakzeptabel jedoch ist, dass es viele Elterntaxis eilig haben und viel zu schnell durch den verkehrsberuhigten Waldkauzweg brausen. Schade, wie so oft sind die Eltern die größte Gefahr für die Kinder. Es kam leider auch schon zu einem bis heute ungeklärten Todesfall… eine gutmütige Katze aus der Nachbarschaft ist einmal nicht rechtzeitig ausgewichen. Absolutes Unverständnis, wie sowas in einer verkehrsberuhigten Straße passieren konnte! Der Trend zum 2. oder 3. Auto je Familie wurde bei der Planung vor 30 Jahren auch noch nicht vorhergesagt. So ist der Waldkauzweg eine sichere Einnahme-Quelle für das Ordnungsamt, dessen Mitarbeiter/innen bestimmt einmal im Monat hier fleißig ihre Knöllchen verteilen.

Der Zusammenhalt der Bewohner ist toll. Auch wenn es (vielleicht auch wegen der Unübersichtlichkeit des Waldkauzweges) nicht die „eine Nachbarschaft“ gibt, so laden zumindest im hinteren Teil (beim Wendehammer) jährlich Reibekuchen beim Martinsumzug, Bierchen am Rosenmontagsumzug ein; selbst Apfelsaft wurde schon mit einer mobilen Mosterei im Waldkauzweg hergestellt. Im kleinen Kreis gibt es auch Wanderausflüge oder gemeinsame Kochevents. Viele Bewohner (auch aus benachbarten Straßen) sind jetzt über nebenan.de organisiert, was uns schon oft gerettet hat mit Skischuhen, Werkzeug etc. Wir nennen das Nachbarschaftshilfe 2.0

Als der Martinsumzug früher noch an der Grundschule in der Adlerstraße endete, war der Waldkauzweg ein wahres Eldorado für singende Kinder an den Haustüren. Da konnte man ohne weiteres 50 singende Kinder innerhalb einer Stunde vor der Türe erleben. Seit der Zug einen anderen Weg nimmt, ist das leider deutlich weniger geworden. 

Mein persönliches Fazit: In Summe kann ich mir keine bessere Straße zum Leben vorstellen. Vor ein paar Jahren hatten wir überlegt, nochmal umzuziehen. Das hatten wir aber sehr schnell wieder verworfen, da unsere Nachbarschaft einfach die beste der Welt ist!

Nächsten Monat besuchen wir die Hans Bergestraße. Und wie lebt es sich In Ihrer Lieblingsstraße? Erzählen Sie es uns! Lob, Kritik, Alltagsbeobachtungen – alles ist in dieser SÜDBLICK-Serie möglich. Schreiben Sie an: newsletter@dorfgemeinschaft.koeln

MEINE STRASSE: Reiherstraße, vorgestellt von Mathilde Voss

Siebengebirge oder Rondorf? Ein Bauwagen lockte Mathilde Voss 1978 in die Reiherstraße. Seit 40 Jahren lebt sie jetzt hier. Hier feierte sie auch Ende April ihren Geburtstag. Und lässt sich selbst in Zeiten wie diesen nicht unterkriegen. 

Ich erinnere mich noch gut an das Jahr 1973. In diesem Jahr gab es einen autofreien Sonntag. Diesen Sonntag nutzten wir, um mit öffentlichen Verkehrsmitteln ins Siebengebirge zum Wandern zu fahren. Da wir das Siebengebirge sehr liebten, wollten wir eventuell im Alter auch dort wohnen. Aber schon auf dem Heimweg mit Bahn und Bus wurde uns klar, die Landschaft im Siebengebirge gibt Erholung; diese ist jedoch mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu umständlich zu erreichen.

Unser Heimweg führte uns über die Bussard Straße. Hier stand ein Bauwagen und ein Bauunternehmer bot vier Wohnblöcke an, von denen zwei Blocks in der Bussard Straße und zwei in der Reiherstraße erbaut werden sollten. Da ich bereits seit 1960 in Rondorf wohnte, war mir der Ort gut bekannt. In den Jahren meiner Ausbildung zur Lehrerin hospitierte ich oft in der Volksschule Rondorf und war auch aktiv in der Kirchengemeinde. So war das Betreten des Bauwagens und ein Gespräch mit den Anbietern der Wohnung eine schnelle Entscheidung. 1980 konnten wir einziehen. 

Die Reiherstraße wurde zunächst nur auf einer Seite bebaut. Auf der gegenüberliegenden Seite, die zur Autobahn gerichtet war, gab es zu dieser Zeit eine kleine Siedlung mit Schrebergärten. Daran schlossen sich Getreidefelder an. Von unserem Balkon konnten wir im Frühjahr die blühenden Obstbäume und dahinter die gelb blühenden Raps- und Getreidefelder genießen. Im Sommer feierten die Besitzer der Schrebergärten ihre Feste und frohe Musikklänge ließen uns daran teilnehmen. 

Unser Ort hatte zu der Zeit noch einige Landwirte, die ihre Felder bearbeiteten. Milch, Eier und Gemüse kaufte ich beim Bauern vor Ort. Rondorf war bis in die 80er Jahre ein Straßendorf. Kirche, Schule und eine Poststation bildeten den Mittelpunkt. Nachdem 1968 die Schule bereits am Rande von Hochkirchen neu gebaut wurde (aus der Volksschule entstanden Grund- und Hauptschule) errichtete auch die katholische Kirchengemeinde eine neue Kirche in der Nachbarschaft.

Als ein paar Jahre später die Stadt veröffentlichte, die Felder als Bauland zu nutzen, verschwand in den Jahren 2000 bis 2005 unsere wunderbare Gartenlandschaft; Wohnungsbaugesellschaften errichteten mehrgeschossige Häuser. Anfänglich regte sich in unserer Siedlung noch Widerstand. Aber heute, nach mehr als 20 Jahren, möchte ich sagen, dass die Aufteilung sowohl von Mehrfamilienhäusern und Einfamilienhäusern mit Grünflächen eine gute Wohnparklandschaft darstellen.

Das Zentrum von Rondorf ist in Richtung Hochkirchen immer weitergewachsen. Mit Stadtparkasse, Post, Apotheke, Kirche und Schule bildet die Reiherstraße heute eine gute Tangente. Auch zum Einkaufen ist es möglich, sich als älterer Mensch hier gut zu versorgen.

Nächsten Monat besuchen wir den Waldkauzweg. Wollen auch Sie uns Ihre Straße vorstellen? Wie ist dort der Alltag in diesen Zeiten? Schreiben Sie an: newsletter@dorfgemeinschaft.koeln

EINER VON UNS: Frank Tuchel

In plötzlichen Situationen flexibel zu sein, darin ist Frank Tuchel bestens geübt. Doch so eine Ausnahmesituation hat selbst der erfahrene Eventmanager noch nie erlebt: Corona hat auch seine Planungen gehörig durcheinandergewirbelt. Trotzdem ist dem Neu-Rondorfer die Freude an Shows und Galas nicht vergangen. Im Gegenteil: Er bastelt gerade an neuen kreativen Ideen. Sobald die Krise überstanden ist, will er gemeinsam mit seiner Frau Sonja auch lokalen Veranstaltern im Kölner Süden mit Rat und Tat unter die Arme greifen.

Ganz tief in seinem Herzen ist er immer noch ein Düsseldorfer. Aber der Liebe wegen hat Frank Tuchel vor knapp einem Jahr sein Büro von dort zum rheinischen Rivalen Köln verlegt und ist nach Rondorf gezogen. Denn seine Frau ist hier seit nun fast 20 Jahren heimisch und hat ihn überzeugt: „Hier ist es so schön, hier will ich nie wieder weg!“. Als sie diese Geschichte erzählen, müssen beide lachen. 

Oder liegt der Ortswechsel vielleicht auch daran, dass Köln für Kreative doch inspirierender ist? Seine ehrliche Antwort: „Nein, das glaube ich ehrlich gesagt nicht, auch in Düsseldorf gibt es viele kreative Köpfe. Der wahre Grund ist sehr pragmatisch: Die ständige Fahrerei zwischen Köln und Düsseldorf ging mir ziemlich auf die Nerven. Allerdings mussten wir zunächst einmal das richtige Objekt finden, in dem wir neben dem Privaten auch die Agentur unterbringen konnten. Das haben wir dann im letzten Jahr geschafft und wir fühlen uns jetzt sehr wohl in unserem neuen Domizil in Rondorf“. 

Gerade flimmert ein neuer Videoclip über seinen Bildschirm, der demonstriert, was Frank Tuchel unter modernem Entertainment versteht. Die Events seiner Firma „Public Work“ stehen für Emotion pur. Optische Inszenierungen, viel Action und gefühlvolle Momente, die für den berühmten „wow“-Effekt sorgen, das ist sein Ding. Artistik, Musik, Moderation, Comedy oder komplette Showproduktionen, seit über 30 Jahren überrascht der Unternehmer seine Kunden mit speziell für sie entwickelten Konzepten und realisiert unvergessliche Live-Erlebnisse – von der Planung über die Organisation bis hin zur Durchführung aller Details in Technik, Dekoration oder Spezialeffekten. 

Da werden auch schon mal Top-Größen aus Rock und Pop wie Chris der Burgh, Silbermond, Ray Garvey oder Adel Tawil eigens eingeflogen, um den ganz großen Gig auf die Bühne zu zaubern. Frank Tuchels Geschäftspartner, das sind vor allem Unternehmen, die aus speziellen Anlässen wie Firmenjubiläen, Messen, Produkteinführungen ihre Klientel mit etwas ganz Besonderem begeistern wollen. Deshalb ärgert er sich auch ein bisschen, wenn ihn manche als „Partyveranstalter“ titulieren. Seine Philosophie ist eine andere: „Es kommt nicht unbedingt auf die Größe einer Veranstaltung an, es sollte für die Gäste immer etwas Besonderes sein, was sie mit Heim nehmen. Denn es gibt nichts Schöneres, als die Gäste mit einem Lächeln im Gesicht den Saal verlassen zu sehen! Das ist Emotion pur und macht unseren Job so einmalig. Man sieht das Resultat unserer Arbeit unmittelbar und ungeschminkt in den Gesichtern der Menschen!“

Früher hat der 54-jährige erfolgreich für das Team der Eishockeymannschaft der Düsseldorf EG gespielt. Da liegt die Frage nahe: Wie dünn ist das Eis, auf dem sich die schnell lebige Unterhaltungsbranche bewegt, immer auf der Suche nach neuen Stars und Sensationen? Seine Antwort fällt aktuell ziemlich ernst aus: „Um im Bild zu bleiben, bricht gerade der gesamte Kreativmarkt ein, vielen Veranstaltern von Musikveranstaltungen, Tourneen, Events droht der wirtschaftliche Kollaps durch die flächendeckende Absage von Projekten in diesen Wochen und Monaten.“ Es geht immerhin um rund 40.000 Mitarbeiter in einer Branche, die jährlich mehr als fünf Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet. Darunter sind viele Selbständige und Dienstleister wie Technik-Verleiher, Ausstatter, Künstler, Caterer oder Sicherheitsunternehmen, die jetzt ums Überleben kämpfen, sorgt sich der Eventmanager. 

Für ihn gibt es dennoch nur eine Devise: The show must go on! „Irgendwann wird der Vorhang auch wieder aufgehen!“ ist er überzeugt. Seine langjährigen und vielseitigen Erfahrungen, die er auf den ganz großen Showbühnen und zahllosen nationalen & internationalen Events gesammelt hat, möchte er dann auch in den Dienst lokaler Vereine und Initiativen im Kölner Raum stellen, die vielleicht nicht über das ganz große Budget verfügen. Um dieses zweite Standbein wird sich künftig seine Frau Sonja kümmern. Sie ist seit mehr als 25 Jahren in der Veranstaltungsbranche tätig, davon knapp 12 für den Kölner Circus Roncalli. Die Idee dahinter: 

Wir haben mit „passion4event“ die kleine Tochter der Public Work Entertainment GmbH ins Leben gerufen, die sich als Dienstleister für Veranstaltungen versteht. Hier steht vor allem die organisatorische und dienstleisterische Seite für Firmenfeiern, Jubiläen, Geburtstage, Hochzeiten, Veranstaltungen etc. im Vordergrund. Mit der Erfahrung aus den Events der Public Work bietet „passion4event“ das gesamte Know-how für kleinere Feiern und schmalere Budgets. 

Mal sehen, vielleicht wird aus dem Mann aus Düsseldorf dann doch ein überzeugter Kölner. Herzlich willkommen in Rondorf! Und noch einmal: The show must go on!