Bebauungsplan: Rondorf Nordwest soll keine Schlafstadt werden

Kurz vor den Kommunalwahlen hat der Stadtentwicklungsausschuss grünes Licht gegeben für die Ausarbeitung eines Bebauungsplans für das Großprojekt Rondorf Nordwest. Die Offenlegung des Planes ist für das kommende Frühjahr vorgesehen. Im SÜDBLICK-Interview stellt Michael Buchholz, Geschäftsführer des Investors Amelis, erstmals Eckpunkte des Wohnkonzepts vor: So sollen die neuen Mitbürger leben. Das ganze SÜDBLICK-Interview finden Sie hier.

Südblick: Bisher ist das Großbauprojekt Rondorf Nordwest als reines Wohngebiet gedacht. Wie stehen Sie zu der Idee, flexibler zu bauen, um Arbeiten und Wohnen besser unter einem Dach zu ermöglichen?

Michael Buchholz: Der Wohnungsmangel in Köln ist ja nach wie vor vorhanden. Somit besteht auch kein Grund, von den Planungen abzurücken. Zudem schreibt der Bebauungsplan ja nur die Art der Grundstücksnutzung vor. Das Planungskonzept des Rotterdamer Planungsbüros West8 beinhaltet verschiedene Wohnquartiere mit einer Mischung aus Mehrfamilien- und Einfamilienhäusern. Konkret bedeutet das, dass im Anschluss an die bestehende Ortslage im Süden und Osten des neuen Wohnbaugebietes überwiegend Bauflächen für Einfamilienhäuser vorgesehen sind. Im Bereich des Parks sind Wohnquartiere und Baufelder mit einer Mischung von Mehrfamilien- und Einfamilienhäusern angedacht. Im Umfeld des Dorfplatzes sind auch andere Nutzungen (Gastronomie, Einzelhandel aber auch Büros/Praxen usw.) denkbar und auch gewünscht.

Bei Ausschreibung zum Vertriebsstart werden wir unterschiedliche Interessenten mit jeweils eigenen Planungen berücksichtigen, so dass es für die zukünftigen Bewohner verschiedene Angebote und Wohnkonzepte zur Auswahl geben wird. Eine Stärke des Entwurfes des Planungsbüros West 8 ist, dass unterschiedlichste Formen und Angebote realisiert werden können. Befürchtungen, dass Rondorf Nord-West eine Schlafstadt wird, sind unnötig.

Südblick: Gerade der Lockdown durch Corona und die Verlagerung der Mitarbeiter ins Homeoffice, die Potenziale durch die Digitalisierung könnten diesen Trend zu integrierten Lebenskonzepten dauerhaft verstärken.

Michael Buchholz: Die Tendenz zum Arbeiten im Homeoffice ist nicht neu, wurde aber in der Tat durch die Corona-Pandemie verstärkt. Inwiefern sich dies bei der zukünftigen Entwicklung von Wohnprojekten – z.B. in den Wohnungsgrößen – niederschlägt, bleibt abzuwarten. Wir glauben aber, dass gerade die im Konzept vorgesehenen Einfamilienhäuser eine gute Basis für das Arbeiten im Homeoffice sein können. Die Vielzahl von Anfragen von privaten Interessenten in diesem Segment bestätigen das. Wir haben diesen Trend erkannt und bereits in der Mehrzahl der Planungen berücksichtigt. 

Darum stehen in Rondorf nicht nur Wohnformen und Mobilität, sondern auch Themen wie Breitbandanschlüsse, Klimaschutz, Radwegekonzept und Öffentlicher Nahverkehr auf der Agenda. Das Thema Arbeiten und Wohnen ist eine wichtige Komponente in der Gestaltung des neuen Wohngebietes. 

SÜDBLICK: Ist es also sinnvoll, den Bebauungsplan an den veränderten Gegebenheiten auszurichten, damit in Rondorf Nordwest eine Nutzungsmischung entstehen kann?

Michael Buchholz: In vielen, vielen Projektsitzungen mit der Stadt Köln und den Planern von West8 haben wir das vorliegende Konzept für den Bebauungsplan entwickelt. Das Projekt umfasst ja nicht nur ca. 1.300 Wohneinheiten mit ganz vielen individuellen Gestaltungsmöglichkeiten. Altersgerechtes Wohnen wird ebenso berücksichtigt wie ein Quartiersplatz mit Geschäften, Praxen und eventuell Büros. Schulen und Kindergärten sind geplant. Darüber hinaus steht der öffentliche Park für unterschiedliche Formen der Freizeitgestaltung. Der Bebauungsplan bildet Nutzungsmischungen grundsätzlich auch heute schon ab. Eine Berücksichtigung von reinen Gewerbeflächen halten wir nicht für sinnvoll – dies mag im Einzelfall zusätzliche Möglichkeiten bieten, schafft in der Regel aber Potenzial für Konfliktstoff.

Die Stadtbahnanbindung, die Nähe zur Autobahn und ein bereits beauftragtes Energie- und Mobilitätskonzept sind wesentliche Bausteine unserer Planung. Was wirklich umsetzbar ist, wird auch über die Nachfrage entschieden. Corona hat auch gezeigt, dass Homeoffice für den einen ein Segen, für den anderen ein Fluch ist. Abgestimmt wird letztlich in jedem Haushalt ganz individuell. Eines ist klar: Je weniger Menschen zur Arbeit pendeln müssen, desto besser für die Umwelt. 

Südblick: Branchenkenner meinen, in den Innenstädten würden riesige Bürokomplexe in der bisherigen Form nicht mehr gebraucht, könnten zu Wohnungen und Lofts umgebaut werden und so die Wohnungsknappheit in den Ballungszentren entschärfen. Ist das eine Utopie?

Michael Buchholz: Ja und nein. Es gilt immer, die Mikrolage der einzelnen Immobilie im Zusammenhang mit dem Gesamtmarkt zu betrachten. Im Falle von „Büromononutzung“ in Innenstädten kann ich mir eine Umnutzung sehr gut vorstellen, ebenso bei Mischnutzungen mit überwiegendem Büroanteil. 

Bei reinen „Büromonostruktur“-Standorten muss man ganz genau hinsehen: Eine Umnutzung wird grundsätzlich möglich sein, gestaltet sich allerdings sehr kosten- und insbesondere zeitintensiv. Diese Standorte sind jedoch optimale Möglichkeiten, flexible Office Formen anzubieten: Weg vom Großnutzer hin zum Multiflex-Nutzer. Aus meiner Sicht gehen bei diesen Prozessen durchaus 10, 20 oder 30 Jahre ins Land. Es kann aber auch sein, dass dieses Konzept nicht aufgeht, weil die kleineren Kommunen unweit der Großstädte stärker in den Fokus rücken. Diese Kommunen bieten in der Regel hohe Wohnqualität zu günstigeren Konditionen. Aber auch dieser Trend ist nicht neu, sondern wurde möglicherweise durch die Corona-Pandemie beschleunigt.

Südblick: Ganz konkret: Können Sie sich innovative Gebäude vorstellen, die einerseits Büros, Werkstatt, Dienstleistung, Handel zulassen und gleichzeitig fließende Übergänge zu Wohnen und Freizeit? Wie könnte das in Rondorf Nordwest aussehen? 

Michael Buchholz: Lassen Sie mich mit dem anfangen, was teilweise vor den Gebäuden zu finden ist. In Rondorf ist das u.a. der Quartiersplatz. Das Engagement der Dorfgemeinschaft in diesem Punkt ist meines Erachtens ein Musterbeispiel für bürgerschaftliches Engagement. Die von der Politik geforderte Diskussion auf Augenhöhe hat es unserer Auffassung nach immer gegeben und wird es auch weiterhin geben. Dass sich die Politik letztlich aus nachvollziehbaren Gründen und vor allem mit Blick auf die Eigentumssituation vor Ort für den Vorschlag von West8 entschieden hat, bedeutet für mich nicht, dass wir künftig auf den Dialog mit der Dorfgemeinschaft verzichten werden. 

Wir werden mit allen Beteiligten im Gespräch bleiben.

Jetzt zu den Gebäuden: Wir denken nicht nur in Bauabschnitten, wir denken insbesondere an unterschiedliche Nutzungen. Eine davon könnte der „Hof der Familie“, ein Projekt zum Mehrgenerationenwohnen, werden. Es gibt bereits jetzt Nachfrage von Pflegediensten und anderen Anbietern für den Bereich rund um den Dorfplatz. Was ich damit sagen möchte: Konzepte wie Rondorf Nord-West wecken ohnehin vielfältige Nachfrage. Unsere Aufgabe und die der Stadt wird es sein, das richtige Maß für die unterschiedlichen Nutzungsformen zu finden. Tatsache ist, dass die verkehrsorientierte Planung der Vergangenheit heute ganz anders interpretiert wird, als das noch vor 30 Jahren der Fall war. Heute geht es nicht darum, dem Verkehr freie Fahrt zu verschaffen – wir müssen für eine erfolgreiche Stadtentwicklung ein lebenswertes Quartier schaffen, das sich am Menschen und seinen konkreten Bedürfnissen orientiert.

1 Antwort
  1. Klaus Harke
    Klaus Harke sagte:

    Mir ist immer noch nicht klar, wie der sogenannte Quartiersplatz aussehen soll. Völlig undurchsichtig finde ich die Aussage, dass sich “die Politik letztlich aus nachvollziehbaren Gründen und vor allem mit Blick auf die Eigentumssituation vor Ort für den Vorschlag von West8 entschieden hat”. Was bedeutet das konkret?

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