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Eine von uns: Marietta Horton, Schulgründerin

Sie baute Kölns angesehenste internationale Schule auf, in der heute 840 Jugendliche aus  50 Nationen zusammen lernen: Marietta Horton ist die Gründerin der St. George´s school, die in Rondorf gerade ihren zehnten Geburtstag feierte. Jetzt hat die Patronin ein neues Ziel:  Sie möchte das weiträumige Haus an der Kappellenstraße öffnen für Projekte mit der Bevölkerung  aus dem  Ort und vor allem die Jugendlichen aus dem Wohngebiet für gemeinsame interessante Club-Angebote  gewinnen.

„Nein, ich bin gar nicht gerne zur Schule gegangen“ erzählt Marietta Horton, die jüngste von fünf Kindern, lachend. „Und deshalb dachte ich mir später, meinen Kindern soll es einmal besser gehen“. Als sie dann einen Briten heiratete, entdeckte sie, dass Kinder in angelsächsischen Ländern „irgendwie  viel fröhlicher beim Unterricht sind. Aber nur dann, wenn Kinder eine freundliche, positive Atmosphäre wahrnehmen, arbeiten sie auch motiviert mit“. Davon überzeugt, kam ihr 1985 die gewagte Idee, eine Schule nach englischem Vorbild zu schaffen. Zunächst vor allem für die Kinder von englischen Soldatenfamilien, von Diplomaten – und für ihre eigenen.  Mit 15 Schülerinnen und Schülern fing es damals in zwei provisorischen Pavillonbauten an. „Das Risiko habe ich ganz alleine getragen und einen ziemlich einsamen Kampf mit den Behörden geführt, die haben uns damals als Paradiesvögel belächelt“ erzählt die überzeugte Rheinländerin.

Allerdings: Damals dachte niemand, dass das Projekt einmal derart wachsen würde. Denn deutsche Kinder konnten zunächst nur mit  Ausnahmegenehmigung aufgenommen werden, so waren seinerzeit die Schulgesetze. Doch die Idee einer traditionellen britischen Privatschule mit  englischem Lehrplan und entsprechenden Abschlüssen setzte sich rasant durch. Heute managt Marietta Horton gleich drei imposante internationale Schulen:  In Duisburg-Düsseldorf, in München und eben in Köln. Dort werden momentan 840 Mädchen und Jungen von 125 Lehrerinnen und Lehrern unterrichtet, die zu 80 Prozent von der Insel kommen, weitere zehn Prozent aus dem common wealth.

Gerade dieser Punkt macht der überzeugten Europäerin momentan jedoch einiges Kopfzerbrechen: „Wenn Großbritannien die Europäische Union verlässt, stehen wir vor vielen ungelösten Problemen, voran die Aufenthaltserlaubnis für unsere Fachkräfte“ bedauert sie ganz offen die aktuelle politische Entwicklung. Und fügt die Frage hinzu: „Wie passt dies alles in eine Zeit, die verstärkte internationale Zusammenarbeit braucht?“ Ihre Schulen, davon ist sie fest überzeugt, leben Internationalität wunderbar vor. Werte wie Toleranz, soziales Denken, Fairness  und Integrität gehören hier ebenso zu den selbstverständlichen Grundlagen der Erziehung wie Offenheit für die Welt. Marietta Horton ist noch ein weiteres Ziel wichtig: Sensibilität für neue Entwicklungen.  Deshalb freut sie sich auch, wenn  Schülerinnen und Schüler die Aktion „Fridays for future“ unterstützen. „Ich bewundere die Kinder, die sich für ein besseres Klima einsetzen. Da hat unsere Generation Fehler gemacht. Wir haben zulange nur geredet“ räumt sie ein.

Eines mag sie deshalb gar nicht: Wenn man ihrer Schule den Stempel aufdrückt, elitär zu sein. „Diese Kritik trifft uns sehr, weil dies gar nicht mit unseren Grundsätzen vereinbar wäre, wie jeder weiss, der einmal in unsere Schulen hineingeschaut hat“. Und sie fügt hinzu: „Auch wenn dies in Deutschland negativ gesehen wird, aber Eliten muss es geben. Wir engagieren uns deshalb bewusst auch dafür, die leader von morgen auf den Weg zu bringen – auch wenn nicht jeder unserer Absolventen ein leader wird“. Aber dass  jene, die in Rondorf erfolgreich die Schulbank gedrückt haben,  anschliessend an den besten internationalen Universitäten studieren und  in Spitzenjobs Unternehmen innovativ bewegen, dies macht sie schon ein bisschen stolz. Dann erzählt sie die Anekdote, wie ihr neulich auf einem Flughafen ein sehr erfolgreicher Topmanager auf die Schulter klopfte. „Als ich ihn erstaunt anschaute, sagte er mir, auf Ihrer Schule in Rondorf habe ich meinen Abschluss gemacht! Hier fing es für mich an!“

Die Verbindung von akademischer Bildung mit englischer Kultur und traditionellen englischen Werten – dafür will die St. George´s school stehen. Dass Leistungswille und hohe Lernbereitschaft hier zum britischen Schulalltag gehören, dies wird schon in der Eingangshalle demonstriert:  Auf einer großen Tafel werden dort die besten eines Jahrgangs namentlich verewigt. Doch auch dies ist der Trägerin des Bundesverdienstkreuzes wichtig:  „Wir bekommen ja vom Staat keinen Cent wie andere Privatschulen. Alles müssen die Eltern aus der eigenen Tasche finanzieren. Aber wo das Geld etwas knapper ist, stellen wir sehr großzügig Stipendien zur Verfügung“.

Noch steht der repräsentative gelbe Gebäudekomplex  der St. George´s school solitär auf dem großen Feld an der Kappellenstraße. Wie denkt man darüber, dass dort in wenigen Jahren ringsum ein großes Neubaugebiet mit Schulen, Sportanlagen, Kindergärten, Wohnkomplexen für 4000 Menschen  ein völlig verändertes Umfeld schafft?  Marietta Horton hat da eine klare Meinung: „Ich sehe diese Entwicklung sehr positiv, vieles kommt neu in Bewegung, der gesamte Ort dürfte davon erheblich profitieren“. Und damit ist sie bei einem Gedanken, der sie schon länger beschäftigt: Man fühle sich in Rondorf seit zehn Jahren sehr gut aufgenommen, wünscht sich aber eine noch bessere Integration in die örtliche Gemeinschaft. Ideen dazu gibt es: Im Sportbereich könne man enger kooperieren.  Schulclubs möchte man öffnen für junge externe Gäste aus der Nachbarschaft. Im kommenden Sommer seien bereits entsprechende  Angebote denkbar. Sogar die Realisierung eines Musicals steht zur Debatte, wenn das klappt, würden viele lokale Kräfte zusätzlich gebraucht. Und beim Rosenmontagszug der Rondorfer und Hochkirchener  mitlaufen? „Das ist eine ganz wunderbare Idee“, meint die Patronin, bei der allerdings dazu noch niemand angeklopft hat.

„Mir ist das Wir-Gefühl wichtig“ fasst sie ihre Philosophie zusammen. Und meint damit nicht nur den interkulturellen Zusammenhalt in der bunten schulischen community, sondern mehr denn je auch das Zusammenwirken mit den Bürgerinnen und Bürgern aus der unmittelbaren wie weiteren Nachbarschaft.  Infos: www.stgeorgesschool.com

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